Das war’s…

Liebe Blogleserin,
Lieber Blogleser,

Ich dachte, ich melde mich noch einmal. Dieses Mal aber will ich nicht irgendwelche Ausreden suchen, weshalb ich mich so lange nicht gemeldet habe. Denn die Ausrede, ich hätte zu viel zu tun gehabt, stimmt einfach nicht. Trotzdem gibt es noch das ein oder andere zu berichten, bevor ich mein Jahr beende. Wir alles wissen, was die Welt in den letzten Monaten beschäftigt hat – Corona. Mich traf das Ganze, obwohl es ein mehr oder weniger bekanntes Thema auch in Ghana war, sage wir eher überraschend. Samstag war ich noch auf der Beerdigung eines Vaters von einem guten Freund von mir und Sonntags habe ich im Gottesdienst gesungen und habe da noch nicht gewusst, dass es der letzte Gottesdienst sein sollte. Ab Montag ging alles ganz schnell. Erst hieß es meine Eltern können nicht kommen, dann hieß es haltet euch bereit, es kann sein, dass ihr nach Hause müsst und abends gab das BMZ bekannt, dass alle Weltwärts Freiwilligen, egal wo, zurück müssen. Schock für mich. Ich habe also mehr schlecht als recht meine Sachen gepackt, mich zumindest von ein paar Leuten verabschiedet und bin sieben Tage später von Eric und seiner Familie zum Flughafen gebracht worden. Geweint habe ich nur sehr wenig. Aus zwei Gründen: Immer wieder sagten mir alle, ich bräuchte nicht zu weinen, ich käme ja bestimmt bald wieder und zum Anderen war mir überhaupt noch nicht so richtig klar, was eigentlich los ist und dass ich gerade wirklich auf dem Rückweg bin. Etwas, dass ich mir nicht vorstellen konnte, denn früher Zurückkommen war für mich schon nach dem ersten Monat, in dem ich mich in Ho super wohlfühlte, keine Option.
Zuhause war es total kalt, es regnete nur und die Corona – Situation hatte ich mir irgendwie aus dem fernen Ghana viel krasser vorgestellt (ich möchte damit nicht sagen, dass es nicht schlimm war / ist, nur hatte ich mir das Ganze irgendwie anders ausgemalt). Ein Gutes hatte das Ganze, denn ich konnte meine Familie wiedersehen, was mich sehr gefreut hat. Nur viel es mir schwer, das in meiner Traurigkeit und dem Realisierungsprozess zu zeigen.

Die letzten Monate lassen sich relativ schnell zusammenfassen. Ich habe einen Minijob bei der Schülerhilfe bekommen und so nicht nur meiner kleinen Schwester, sondern noch ein paar anderen Schülerinnen und Schülern mit ihren vielen Schulsachen und den wenigen Lehrererklärungen klar zu kommen geholfen. Dann habe ich mich an ein paar Unis für den Studiengang „Internationale Beziehungen“ beworben und habe nun mit einem Teilstipendium von Weltwärts, für welches ich ein Interview, ein Motivationsschreiben und einen Auswahltag bewältigt habe, einen Platz an der Karlshochschule in Karlsruhe bekommen, suche deshalb im Moment nach einem WG Zimmer und war dann noch im Urlaub in Italien (ein Glück sind wir nicht nach Spanien gefahren…)
Viel schwieriger lässt sich aber zusammenfassen, was sich alles für Gedanken in meinem Kopf gesammelt haben und da herumschwirren. Viel öfter und noch lieber als früher schon, saß ich in den letzten Monaten auf unserer weißen Bank an der Hauswand zum Garten hin, der nach Süden geht, deshalb von morgens um 10:00 bis abends um 18:00 Uhr Sonne hat und hing meinen Gedanken nach. Viele Fragen nach den Unterschieden von Ghana zu Deutschland, wichtige Themen, wie Rassismus, Gerechtigkeit, Politik… gingen und gehen mir durch den Kopf. Viele Überlegungen, wie sich meine Erfahrungen auf mich und mein jetziges Leben auswirken sollen oder schon ausgewirkt haben.
Außerdem habe ich, besonders jetzt nachdem ich in Italien gewesen bin, eine Frage, die ich vorher gar nicht so im Blick hatte, immer weiter in den Vordergrund gerückt: Die Frage nach meiner Heimat. An welchem Ort ich mich Zuhause fühle. Das ist bei mir vielleicht nicht ganz so leicht zu beantworten, wie bei dem ein oder anderen, der schon immer in ein und derselben Stadt lebt zum Beispiel. Als ich aus Ghana wiederkam, hatte ich erwartet, dass sich ein Gefühl, wie „Heimkehren“ einstellen würde. Doch das war irgendwie nicht so. Meine Familie wiederzusehen rief schon dieses Gefühl hervor, aber der Ort an sich nicht.
Auch nach 8 Jahren in Oldenburg finde ich es komisch, wenn ich als „Oldenburgerin“ bezeichnet werde und würde mich selbst nicht als solche bezeichnen.
Ich bin in Hannover geboren. Doch als „Hannoveranerin“ würde ich mich nie bezeichnen – ist doch das Einzige was ich wirklich von Hannover weiß, dass dort 2000 die Expo stattfand, am Bahnhof (ich glaube zumindest, dass es der Bahnhof Hannover war…) eine Pferdestatue steht an der vorbei man direkt in die Innenstadt kommt (soll wohl stadtplanerisch sehr gut sein, dass man vom Bahnhof direkt in die Innenstadt kommt) und dass der Maschsee mit 6 km eine gute Laufstrecke ist. Aber das wars auch. In Italien fühle ich mich heimisch. Das ist ein Ort, der sich mit einer Regelmäßigkeit durch mein Leben zieht, die es sonst nicht so gibt. Aber so richtig sagen kann ich das einfach nicht, auch welche Rolle Ghana in dem ganzen Prozess spielt, ist mir noch nicht so klar.
Und wenn es schon mir so geht, wie geht es dann jemandem, der geflüchtet ist, dessen oder deren Eltern aus einem anderen Land kommen oder jemand, der in unterschiedlichen Ländern gelebt hat, bei mir waren es ja nur verschiedene Städte?
Ist es überhaupt so wichtig, dass ich einen Ort benennen kann? Muss ich das so genau definieren?
Diese und andere Fragen schwirren in meinem Kopf herum. Aber irgendwie bin ich froh darüber. Sie waren schon immer da, aber sind auf jeden Fall durch Ghana erweitert und angeregt worden. Auch wenn ich keine Antwort geben kann oder möchte, ist es jedoch schön und aufschlussreich, darüber nachzudenken. Ich kann es jedem Einzelnen empfehlen!

Hiermit will ich jetzt meinen Blog beenden. Ich weiß, es war vielleicht kein Bericht über die vergangenen Geschehnisse, aber mir war es ein Anliegen, auch mal ein paar meiner Gedanken preiszugeben. Den ein oder anderen wird es vielleicht interessiert haben. Bleibt gesund und passt auf Euch auf!
Eure Julia.

Endgültiger Abschied?

Liebe Leserinnen und Leser,

wahrscheinlich werdet ihr ganz überrascht sein, jetzt noch einen Blogeintrag von einer Freiwilligen zu lesen- wie ihr wahrscheinlich wisst, mussten ja alle weltwärts-Freiwilligen schon vor Monaten ihre Stellen verlassen und zurück nach Deutschland kommen. Und so habe auch ich am 1. April mit dem allerletzten Flug aus Togo genommen und bin seitdem wieder zuhause bei meiner Familie. Ganz anders waren diese letzten Monate, wie für wahrscheinlich jeden und jede für uns, als ich mir sie vorgestellt habe. In dem Moment, wo ich diesen Eintrag schreibe, sollte ich eigentlich noch in Togo sein, und würde gerade meine Rückreise planen. Doch jetzt möchte ich noch einmal auf Togo, die Zeit vor der Rückreise und auch meine Zeit in Deutschland nach der Rückkehr eingehen und euch ein bisschen davon erzählen.

Als die Pandemie in Deutschland schon in vollem Gange war, hatten die meisten meiner Freunde und Bekannten in Togo das Wort „Corona“ vermutlich noch nicht einmal gehört, oder wenn, war es nur Gegenstand von witzigen Bildern, die auf Whatsapp verschickt wurden. Corona sei eine Krankheit der Weißen, und daran, dass sie bald auch Togo erreichen könnte, daran dachten hier zu Beginn nur Wenige. Auch ich verfolgte zwar besorgt die Nachrichten, aber an eine eventuelle Rückkehr dachte ich noch nicht. So besuchte ich im Februar das Zwischenseminar in Ghana und hatte eine tolle Zeit, wie auch im nächsten Monat, in dem mich Maria, meine Vorgängerin in Notsé an meinem Einsatzort besuchte. Wir besuchten viele Freundinnen und Freunde und sie zeigte mir ganz viel Neues, das ich mich schon freute, in der Zeit nach ihrer Abreise auszuprobieren, wie verschiedene Gerichte oder auch neue Wörter auf Ewe.

Doch auf einmal kam die Nachricht: Aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie müssen alle Freiwilligen so schnell wie möglich zurück nach Deutschland. Die nächsten zwei Wochen waren sehr chaotisch und emotional, schließlich musste ich mich von allen verabschieden und hektisch noch alles Mögliche erledigen. Außerdem wurde mein Flug ganze zwei Mal gestrichen, bevor wir am Abend vorher erfuhren, dass wir mit dem Rückholflug der Botschaft nach Deutschland zurückkönnen, was, wie ihr euch vorstellen könnt, auch sehr stressig war. Außerdem wurden, wie auch hier, in Togo alle Schulen und Gotteshäuser geschlossen und ich konnte mich leider in der Schule und Kirche nicht wirklich verabschieden.

In Deutschland angekommen, hatte ich sehr gemischte Gefühle: Zum einen Erleichterung, wieder in Deutschland zu sein und dass alles doch noch gut ausgegangen war, und natürlich auch Freude, die Familie wieder zu sehen. Zum anderen eine sehr große Frustration, Traurigkeit und auch Wut: Ich war sehr traurig, so plötzlich gehen zu müssen und die mir lieb gewordenen Menschen zurückzulassen, fühlte mich zum anderen machtlos und hatte und habe immer noch Angst um meine Bekannten und Freunde vor Ort, und war auch schlicht wütend auf die Situation. Und angekommen in Deutschland war auch nichts, wie ich es kannte, ich konnte niemanden treffen und so zuerst außer mit meiner Familie mit niemanden meine Erfahrungen teilen.

Nach einer Zeit konnte ich dann aber immer mehr und mehr Leuten davon erzählen und „Togo-Abende“ mit Freunden und Verwandten machen, wo ich Bilder gezeigt habe und gekocht habe. Das macht mir großen Spaß und es ist eine schöne Möglichkeit, meine Erfahrungen zu teilen und auch mal wieder Togo-Essen zu essen… Und Anfang Mai habe ich dann endlich auch eine neue Aufgabe gehabt und angefangen, hier in Dortmund bei einer Essensausgabe für Obdachlose zu arbeiten. Die Arbeit hat sich sinnvoll angefühlt und Spaß gemacht und als ich Anfang August dort aufgehört habe, war ich etwas wehmütig. Jetzt bereite ich mich auf mein Politikwissenschaften-Studium in Frankreich vor, was im September beginnt und habe so jetzt zum Glück eine konkrete Perspektive.

Trotz all dieser neuen Dinge denke ich täglich an meine Zeit in Togo. Ich habe viel Kontakt zu Freundinnen und Freunden vor Ort und schreibe mit ihnen auf Whatsapp und Facebook. Ich bin dankbar über diese Möglichkeiten und es ist schön, die Kontakte so aufrechtzuerhalten. Ich habe das Gefühl, durch meine Zeit dort als Person gewachsen zu sein. Ich habe so viel Neues gesehen und erlebt, und meine Zeit dort bringt viele neue Impulse in mein Leben hier, in dem ich doch schnell wieder in meinen alten Trott gefallen bin. Oft höre ich Musik aus Togo und habe auch schon sämtliche Afroshops der Stadt abgeklappert, um dann ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen. Schwierig fand ich es manchmal, die Entwicklungen in Togo mitzubekommen. Auch wenn die Coronafälle dort bis heute sehr niedrig sind, hatten die Schulschließungen und die Aussetzungen der Gottesdienste katastrophale Folgen. Meine ehemaligen Kollegen am Collège Protestant konnten nur teilweise oder gar nicht bezahlt werden, und ich habe mich deswegen manchmal sehr machtlos gefühlt. Auch ist es für sie kein schönes Signal, dass ich als weiße Deutsche einfach ins nächste Flugzeug steigen kann, wenn es brenzlig wird. Zum Glück normalisiert sich die Lage gerade wieder einigermaßen und Schulen und Kirchen sind wieder offen, aber die Langzeitfolgen werden sich vermutlich erst in den nächsten Monaten und Jahren zeigen.

Ich hoffe, dass ich bald noch einmal nach Togo reisen kann, denn ich habe das Land und die Leute sehr ins Herz geschlossen.

Danke fürs Lesen und alles Gute

Leonie

Goodbye!!

Dear Kordei

I am sorry for the long silence. I really am, now I understand why some people just ghost from your life. My life took an interesting turn after our last letter, in fact all our lives took an interesting turn since my last letter. I even hate to say the name “Corona”. Such a nice name for an ugly pandemic. That has made life crazy now, to think I haven’t yet seen you even though we are in the same country.

I keep telling people I left Germany the way I came. You remember how I got my visa  24 hours to my flight so I did not have enough time to pack. That’s what happened with my return. Our last seminar was cancelled which was devastating for me, because I had spent hours making bookmarks for everyone.  One beautiful Monday morning, I was called to get ready and leave Germany on Wednesday. It was crazy, I had things to hand over, and ship my box of stuff. I couldn’t even get time to shop for people, which was the upside. I mean I was on stipend, just enough money for my upkeep not enough to buy gifts for all my loved ones.

You understand how some people think you are as rich as Bill gates as soon as they hear you arrived from an European country. Thanks to Corona in a weird way, I was able to avoid unwanted visits and uncomfortable requests for money from people I  barely know.

It was also one of the awkward ways to say goodbye. I could not hug anyone, or even spend one last time with the Café Mittwoch team. I miss them a lot. At least the previous week, I said goodbye to the kindergarten so that was okay. My flight was long but nice because there were a lot of empty seats. So I enjoyed my space with a very nice air hostess who had a chat about dreadlocks with me.

I was excited about returning, but I didn’t like how I left Bremen but I was happy to see my family. The first thing about returning was the heat. I totally forgot how hot Ghana is, I just wanted to sit down and do nothing. After about three days, I got used to it. Being in self quarantine was good for me I should say. It gave me time to reflect and relax. It was like a pause in the midst of all the mixed emotions concerning my departure.

I celebrated my birthday in quarantine but that is another story for another day. Our last seminar was all online, it was very difficult for me to participate. I had good internet connection and all, but bringing myself to talk about stuff was difficult. I was still processing a lot, I still am. I haven’t written anything in months. The change was just too sudden and too much for me. I had left Bremen but I had not moved on.

Well after some months of sulking and talking to my boyfriend about it, it helped. He had also gone through a similar experience after leaving U.K. it may not seem like a big deal, but it is good to talk to people about whatever you are going through. My family has been so supportive; I do not know what I will do without them.

As I said in my last newsletter, I did not think I will miss Bremen so much. I thought it was just year to swing by. I miss riding my bicycle, I miss the random chats with those I work it. I miss my francophone friends in the hostel. I hate to admit it; I somehow miss some of the meals (I can imagine some of my German friends smiling at this sentence).  Speaking of meals, you cannot believe the weight I gained in the first few weeks in Ghana!! eating all the meals I missed. And my skin also cleared, there is really no place like home.

I am happy to be home but I do hope to visit Bremen one day. For now, I will just keep watching old pictures and videos a chatting with friends from time to time.

Al I can say is thank you Bremen and the Norddeutsche Mission for the memories.

Love,

Emefa

Auf Wiedersehen!

Liebe Kordei,

ich entschuldige mich für das lange Schweigen. Das tut mir wirklich leid, und jetzt verstehe ich, warum manche Menschen einfach aus deinem Leben verschwinden. Mein Leben hat nach unserem letzten Brief eine interessante Wendung genommen, in der Tat hat unser aller Leben seit meinem letzten Brief eine interessante Wendung genommen. Ich hasse es sogar, den Namen „Corona“ auszusprechen. So ein schöner Name für eine hässliche Pandemie. Das hat das Leben jetzt verrückt gemacht, wenn man bedenkt, dass ich dich noch nicht gesehen habe, obwohl wir im selben Land sind.

Ich sage den Leuten immer wieder, dass ich Deutschland so verlassen habe, wie ich gekommen bin. Du erinnerst dich, dass ich mein Visum 24 Stunden vor meinem Flug bekommen habe, so dass ich nicht genug Zeit zum Packen hatte. Genau das ist bei meiner Rückkehr passiert. Unser letztes Seminar wurde abgesagt, was für mich verheerend war, weil ich Stunden damit verbracht hatte, Lesezeichen für alle zu machen.  Eines schönen Montagmorgens wurde ich aufgefordert, mich fertig zu machen und Deutschland am Mittwoch zu verlassen. Es war verrückt, ich hatte Sachen zu übergeben und meine Kiste mit Sachen zu verschicken. Ich hatte nicht einmal Zeit, für meine Leute einzukaufen, was ein Vorteil war. Ich meine, ich hatte ein Stipendium, gerade genug Geld für meinen Lebensunterhalt, nicht genug, um Geschenke für all meine Lieben zu kaufen.

Verstehst du, manche Leute denken, du bist so reich wie Bill Gates, sobald sie hören, dass du aus einem europäischen Land gekommen bist. Dank Corona konnte ich auf seltsame Weise unerwünschte Besuche und unbequeme Bitten um Geld von Leuten, die ich kaum kenne, vermeiden.

Es war auch eine der unangenehmen Arten, Abschied zu nehmen. Ich konnte niemanden umarmen oder auch nur ein letztes Mal mit dem Team des „Café Mittwoch“ verbringen. Ich vermisse sie sehr. Wenigstens habe ich mich in der Woche zuvor vom Kindergarten verabschiedet, so dass das okay war. Mein Flug war lang, aber schön, weil es viele leere Plätze gab. So genoss ich meinen Platz mit einer sehr netten Stewardess, die sich mit mir über Dreadlocks unterhielt.

Ich freute mich auf die Rückkehr, aber es gefiel mir nicht, wie ich Bremen verließ, aber ich war froh, meine Familie zu sehen. Das erste, was bei der Rückkehr auffiel, war die Hitze. Ich hatte völlig vergessen, wie heiß es in Ghana ist, ich wollte mich einfach nur hinsetzen und nichts tun. Nach etwa drei Tagen hatte ich mich daran gewöhnt. Die Selbstquarantäne war gut für mich, muss ich sagen. Es gab mir Zeit zum Nachdenken und zur Entspannung. Es war wie eine Pause inmitten all der gemischten Gefühle bei meinem Abschied.

Ich habe meinen Geburtstag in Quarantäne gefeiert, aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag. Unser letztes Seminar war ganz online, es war sehr schwierig für mich, daran teilzunehmen. Ich hatte eine gute Internetverbindung und alles, aber es war schwierig, mich dazu zu bringen, über Dinge zu sprechen. Ich habe noch viel verarbeitet, das tue ich immer noch. Ich habe seit Monaten nichts mehr geschrieben. Die Veränderung war einfach zu plötzlich und zu viel für mich. Ich hatte Bremen verlassen, aber ich war nicht weitergezogen.

Nachdem ich einige Monate geschmollt und mit meinem Freund darüber gesprochen hatte, half es mir. Auch er hatte eine ähnliche Erfahrung gemacht, nachdem er Großbritannien verlassen hatte. Es mag nicht als eine große Sache erscheinen, aber es ist gut, mit Menschen über das zu sprechen, was man gerade durchmacht. Meine Familie hat mich so sehr unterstützt; ich weiß nicht, was ich ohne sie tun sollte.

Wie ich bereits in meinem letzten Newsletter sagte, dachte ich nicht, dass ich Bremen so sehr vermissen werde. Ich dachte, es sei nur ein Jahr, um vorbeizuschauen. Ich vermisse es, Fahrrad zu fahren, ich vermisse die zufälligen Gespräche mit denen, für die ich arbeite. Ich vermisse meine frankophonen Freunde im Wohnheim. Ich gebe es nur ungern zu; irgendwie vermisse ich einige der Mahlzeiten (ich kann mir vorstellen, dass einige meiner deutschen Freunde über diesen Satz lächeln).  Apropos Mahlzeiten: Du kannst nicht glauben, wie viel Gewicht ich in den ersten Wochen in Ghana zugenommen habe, als ich all die Mahlzeiten gegessen habe, die ich verpasst habe. Und auch meine Haut hat sich gereinigt, es gibt wirklich keinen Ort wie zu Hause.

Ich bin froh, zu Hause zu sein, aber ich hoffe, eines Tages wieder nach Bremen zu kommen. Im Moment werde ich mir nur noch ab und zu alte Bilder und Videos anschauen und mit Freunden plaudern.

Alles, was ich sagen kann, ist ein Dankeschön an Bremen und die Norddeutsche Mission für die Erinnerungen.

Liebe Grüße

Emefa

Reisebericht

Liebe Blogleserin,
Lieber Blogleser,

Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag ja schon vor einem Monat schreiben. Genauer gesagt am 14. Februar, als in Ho viele Menschen total begeistert auf irgendeine der zahlreichen Valentinstagveranstaltungen gegangen sind. Ich halte nicht allzu viel vom Valentinstag und habe gedacht, dass ich genau diesen freien Abend für Blogeinträge etc. nutzen kann. Gut, wir alle wissen, dass dieser Eintrag nicht am 14.2. kam. Die Wahrheit ist nämlich, dass ich trotz meiner Einstellung zum Valentinstag zu einer Veranstaltung in der Đela Cathedral gegangen bin. Die war in meinen Augen zwar etwas kitschig, aber ich habe es überlebt.
Trotzdem sehe ich noch immer die Notwendigkeit eines Blogeintrages, auch wenn ich nicht genau weiß, ob neben dem Nachrichtenlesen wegen des Coronavirus noch Zeit für so etwas ist. Aber wer weiß. Vielleicht ist es ja auch eine gute Ablenkung. Seit ich meinen letzten Rundbrief vor ca. 5 Wochen verfasst habe, ist schon wieder viel passiert, von dem ich gerne berichten würde. Nach dem Zwischenseminar in Akropongh hier in Ghana Ende Januar, an dem sowohl die zukünftigen Süd – Nord Freiwilligen der NM, als auch meine einzige Mitfreiwillige Leonie, die das Jahr in Togo verbringt und ein paar weitere Freiwillige teilgenommen haben, ist Leonie dann noch eine weitere Woche in Ghana geblieben. Und von dieser Woche würde ich gerne erzählen:
Die Reise ging samstags von Akropongh los. Gemeinsam sind wir 50 Minuten nach Accra gefahren. Dort sind wir dann glücklicherweise bei Bismarck, einem ehemaligen Süd Nord Freiwilligen, und seiner Familie untergekommen, was alles sehr viel einfacher für uns gemacht hat.
Direkt an diesem Tag sind wir Accra erkunden gegangen. Wir haben das Kwame Nkrumah Mausoleum besucht, waren am Strand, von wo aus man einen guten Blick auf James Town und den Leuchtturm hatte und haben das Black Star Gate bewundert.
Am folgenden Sonntag sind wir in die Kirche und haben dann denn Markt in Madina, wo Bismarck wohnt, besucht. Am nächsten Morgen haben Leonie und ich uns mit einem Trotro auf den Weg nach Ho gemacht. Als wir bei mir Zuhause ankamen, war meine ganze Wohnung sehr dreckig und staubig, wegen des Dusts, der gerade überall liegt, weil zur Zeit Trockenzeit ist. Die folgenden Tage haben wir immer wieder sauber machen müssen. Die liebe Leonie hat mich dabei gelehrt, wie anstrengend Putzen doch sein kann. Klar, wir waren beim Putzen jetzt zu zweit, da sie mich tatkräftig unterstützte, leider hat sie aber im Eifer des Gefechts nicht nur meinen treuen Besen, sondern auch noch meinen gerade neugekauften Wischmopp halbiert. Warum das gerade Leonie passiert ist, Zufall, Karma oder ihre übermäßige Kraft, ich weiß es bis heute nicht.
Ich habe Leonie außerdem in dieser Woche zu einigen meiner Freizeitaktivitäten, wie Chor und Prayer Meetings, mitgenommen und sie einigen Menschen vorgestellt. Wir waren außerdem in Klefe, einem kleinen, wunderschönen Vorort von Ho, wir waren auf dem Mount Adaklu, was zugegebenermaßen schon etwas anstrengend war, die schöne Aussicht hat jedoch alles wieder Wett gemacht, wir waren bei meinem Mentor Eric Gle zum Essen eingeladen und waren mit einem anderen Freiwilligen beim Wli Waterfall, der der höchste in ganz Westafrika ist.
Diese Woche habe ich sehr genossen und es war wirklich schön, noch mehr von Ghana zu sehen.
Es war auch mal wieder schön, von Person zu Person Deutsch zu reden. Das kommt sonst nämlich in meinem Alltag nicht so häufig vor, da ich zum Beispiel nicht so viel Kontakt zu anderen Freiwilligen habe und so in der letzten Zeit hauptsächlich Englisch und ein bisschen Ewe spreche. Dass mein Deutsch vielleicht ein bisschen rostig ist, ist mir letztens an einem Sonntagmorgen um 5:00 Uhr aufgefallen. Ich wollte nicht aufstehen und fragte mich, warum man auch um 6:00 Uhr morgens in der Kirche sein muss. Um mich zu motivieren, wollte ich dieses tolle deutsche Sprichwort benutzen. Und sagte mir:
Ach, früher Hase fängt den…“ . Ja was fängt denn eigentlich der Hase? Ich musste tatsächlich den ganzen Gottesdienst nachdenken, bis mir eingefallen ist, dass es der Vogel ist, der den Wurm fängt.
In diesem Sinne hoffe ich, dass dieser Eintrag unterhaltsam war und es sich gelohnt hat, ihn neben den vielen Nachrichten zu lesen. Bis zum nächsten Mal,

Eure Julia.

Verloren in der Übersetzung

Liebe Kordei,

Ich hoffe, dieser Brief findet dich lebendig und gesund. Wie läuft deine Eventagentur? Nun, heute möchte ich dir über seltsame und stereotype Fragen schreiben, die ich immer wieder höre. Manche sind komisch und manche sind einfach nur unhöflich. Das Problem der Stereotypen gibt es überall – innerhalb ethnischer Gruppen und auf der Ebene von Nationen. Ich glaube, dass einige Leute ihre Fragen nicht als verletzend erachten, ich nenne solche Fragen „lost in translation“-Fragen. Denn bei der Übersetzung ins Englische sind diese Fragen wohl wahrscheinlich einfach nicht gut durchdacht.

Abgesehen davon, dass ich ein Opfer von Stereotypen bin, bin ich wohl auch eine Täterin mit demselben Tatbestand, aber im Leben geht es ja bekanntlich um das Lernen und Verlernen. Ich habe schon so viel gelernt. Kürzlich sprach ich mit einer Frau aus Costa Rica, die mir erzählte, dass manche Leute nur über Südamerika sprechen und Mittelamerika vergessen. Costa Rica ist ein Land in Mittelamerika und liegt nicht im Süden. Kleinigkeiten können so entscheidend sein.

Auch in Ghana stellen mir Leute stereotype Fragen oder geben bestimmte Kommentare ab. Als jemand hörte, dass ich in Deutschland sei, war der erste Kommentar, der zu hören war: „die Rassisten“. Bisher habe ich in Bremen die nettesten Menschen kennen gelernt, von der Freundlichkeit der Fremden bis zur Wärme der Arbeitskollegen und Freunde. Ich habe auch ein paar miese Menschen getroffen. Viele sind einfach nur zurückhaltend.

Nun, auf jeden Fall haben die Leute mir und anderen Freiwilligen und Freunden zuweilen sehr seltsame Fragen gestellt, manche lustig, andere kränkend. Diejenigen, die ich lustig finde, kommen von den Kindern. Ich mache ihnen keinen Vorwurf, sie sind einfach nur neugierig.

Eine Frau fragte mich einmal: „Ist es leicht, in Ihrem Heimatland reich zu sein?“ Ich glaube wirklich nicht, dass es einfach ist, irgendwo reich zu sein, oder? Wenn es so wäre, dann würden wir nicht so etwas wie die oberen Ein-Prozent (1%) haben. Ich habe nur gelächelt und „Nein.“ gesagt und sie gefragt, ob es einfach sei, in Deutschland reich zu sein. Sie lächelte und sagte: „Nein“. Wahrscheinlich wurde ihr klar, wie unsinnig ihre Frage gewesen war.

Mein togoischer Mitfreiwilliger wurde unter anderem gefragt, ob Togo ein großes Waldgebiet sei. Ein anderer wurde gefragt, ob sie dort einen Flughafen hätten. Er lachte und bejahte die Frage. Gott sei Dank wurde mir nicht die gleiche Frage gestellt. Ich wäre sarkastisch gewesen und hätte gesagt: „Nein, ich habe mich auf Bäumen von Togo nach Deutschland geschaukelt“.

In Hamburg traf ich einen Studenten, der gefragt wurde, ob er über das Mittelmeer gekommen sei. Als ob alle Afrikaner*innen nur auf diesem Weg nach Deutschland kommen würden. Diese Fragen sind verzeihlich, wenn Kinder sie stellen, aber Erwachsene mit Schulbildung! Also, bitte, wir schreiben das Jahr 2020. Nutzen Sie doch bitte manchmal einfach das Internet. Noch einmal, es ist nur ein kleiner Prozentsatz von Menschen, der so etwas erleiden muss.

Eine andere Frage, die mir oft gestellt wird, ist: „Wollen Sie zurück nach Ghana?“ Ich habe überhaupt kein Problem mit dieser Frage, aber die Reaktion einiger Leute auf meine Antwort ist die Sache. Wenn ich mit viel Begeisterung „Ja“ sage, sind einige überrascht. „Ja“, ich möchte zurückgehen, ich habe dort ein Zuhause. Ich liebe das Wetter in meinem Land und die Liebe in der Gemeinschaft. Ich vermisse meine Familie und meine beste Freundin.

Lassen Sie mich Ihnen mit diesen Fragen nicht die Stimmung verderben. Die Fragen, die mich zum Lachen bringen, werden von Kindern mit süßen Gesichtern auf dem ein ernsthafter Ausdruck liegt, gestellt. Eines der Kinder hatte mich gefragt, ob ich in Ghana oft Schlangen sehe. Da ich in Accra, der Hauptstadt lebe, sehe ich wohl eher überhaupt keine Schlangen. Ein anderes wollte wissen, ob ich meilenweit laufen müsse, um Wasser zu bekommen. Ich sagte: „Nein“. Das kleine Mädchen war etwas überrascht und erzählte mir, sie habe ein Buch, in dem stand, dass die Menschen in Afrika meilenweit laufen müssten, um Zugang zu Wasser zu haben. Ich nehme ihr das nicht übel. Die meisten Kinderbücher meines Kontinents hier sind voll von Bildern von Safaris, Wüsten und Dörfern. Ich musste ihr dann erklären, dass dieses Buch nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit widerspiegelt. Ich glaube, sie hat es nicht wirklich verstanden, weil mein Deutsch damals schrecklich war.

Eine weitere Frage, hörte ich erst kürzlich – wieder von einem lieben Kindergartenkind, einem kleinen Mädchen. Ich rieb mir die Hände mit Handcreme ein; sie sah mich an und fragte: „Warum sind deine Hände so schwarz? ‘’ Man hatte mich vorbereitet und mir gesagt, ich solle mit solchen Fragen rechnen, aber seit Monaten fragte keines der Kinder mehr. Ich brach in Gelächter aus und sagte ihr, sie solle diese Frage doch einfach ihrer Kindergärtnerin stellen. Ich fühlte mich anfangs so schlecht, weil sie traurig war, dass ich über ihre Frage gelacht hatte. Ich konnte einfach nicht anders, aber das war nicht sehr nett von mir.

Ich sagte ihr, dass mein ganzer Körper die gleiche Farbe habe und dass es eben so sei. Sie schien nicht sehr überzeugt davon zu sein, aber ich meine doch, dass ich mein Bestes versucht habe.

Nun, ich hoffe, ich werde mehr über diese Erfahrungen schreiben. Ich hoffe auch, von anderen Kulturen und Nationalitäten zu lernen und keine seltsamen oder stereotypen Fragen zu stellen.

Ich wünsche dir eine gesegnete Woche.

LG,

Ems.

Lost in Translation

Dear Kordei,

I hope this letter finds you alive and well. How is your event business going? Well I have been meaning to write about the weird and stereotypical questions I get all the time. Some are funny and some are just downright rude. The problem of stereotypes is everywhere, from within ethnic groups to nationalities. Some people I believe don’t think their questions are offensive, I call them ‘’lost in translation’’ questions. Because when translating to English, you probably did not think everything through.

Apart from being a victim of stereotype, I guess I have also being a perpetrator but life is about learning and unlearning. I have learnt so much. Recently I spoke to a woman from Costa Rica who told me how some people only talk about South America and forget Central America. Costa Rica is a country in Central America and not south. It is in the little things.

Some people in Ghana too ask me some stereotypical questions or pass certain comments. When One person heard I was in Germany, the first comment he passed was ‘’the racists’’. So far, in Bremen I have encountered the loveliest of people, from the kindness of strangers to the warmth of work colleagues and friends. I have also meant few mean people. They are just reserved.

Well people have asked me and other volunteers and friends very weird questions, some funny, others offensive. The ones I find funny are from the children. I don’t blame them, they are just being plain curious.

One woman once asked me ‘’is it easy to be rich in your home country?’’ I really don’t think it is easy to be rich anywhere or? If it was, we will not have something like top 1%.  I just smiled and said no, and asked her if it was easy to be rich in Germany. She smiled and said no. Probably realised how silly her question was.

My Togolese counterpart was also asked if Togo was a big forest. Another too was asked if they have an airport. He laughed and answered yes. Thank God, I wasn’t asked the same question. I would have been sarcastic and said, ‘’no I swang on trees from Togo to Germany’’. I met a student too in Hamburg who was asked if he came through the Mediterranean. The person was trying to insinuate that is the only means of transport known by most Africans. These questions are pardoned when children ask them but educated adults!  Come on, it is 2020. Use the internet sometimes please. Once again, it is just a small percentage that experience this. Another question I am asked a lot is ‘’Do you want to go back to Ghana?’’ I don’t have a problem with this question at all but the reaction from some people after my answer is the issue. When I say ‘yes’ with so much excitement, some are surprised. Yes, I do want to go back, I come from a home. I love my country’s weather plus the love in the community. I really do miss my family and my best friend.

Let me not spoil your mood with these questions. The ones that make me laugh are form the children. With their cute faces and serious looks. One asked me if I see snakes often in Ghana. I mean where I live in Accra, I do not see snakes. Another asked if I had to walk for miles to get water, I said no. She was a bit surprised and told me she had a book that said people in Africa walk for miles to get water. I don’t blame her, most of the story books from my continent here are filled with pictures of safaris, desert and villages. I then had to explain to her that the book was just a partial representation. I don’t think she really understood because my German at that time was terrible. The recent one was from one sweet kid in the kindergarten. I rubbed some hand cream on my hands; she looked and asked ‘’why are your hands so black? ‘’. I was told to expect questions like this but for months now, none of the kids asked. I just burst into laughter and told her to repeat the question to her kindergarten teacher. I felt so bad for laughing initially because she was sad that I laughed at her question. I just could not help it but that was bad on my part.

I told her my whole body is the same colour and that is how it is. She didn’t seem convinced but I guess I tried.

Well, I hope to write more about these experiences. I also hope to learn from other cultures and nationalities and to not ask weird , stereotypical or “lost in translation“questions.

Have a blessed week.

Ems

Arbeit

Hallo Naa!

Es tut mir sehr leid, dass es schon ein bisschen her ist, dass ich Dir geschrieben habe. Ich hoffe, dass Du mir meine Unbeständigkeit verzeihen kannst.

Wie geht es dir und wie läuft es mit Deinem Unterricht? Als wir das letzte Mal miteinander sprachen, hattest Du Dich über die Verkehrssituation beschwert und darüber, dass Dich das noch müder macht, als der Unterricht selbst. Also, ich verstehe Dich sehr gut. Als ich in Ghana gearbeitet habe, war es genauso. Obwohl mein Büro nur 20 Minuten von zu Hause entfernt war, brauchte ich 40 Minuten, um dorthin zu gelangen. Auch mein Bruder Dela steht vor der gleichen Herausforderung, früh zur Arbeit zu gehen.

Nun, ich liebe meine Arbeit als Freiwillige hier, aber es ist nicht nur Sonnenschein. Nichts ist nur Sonnenschein. Aber ich liebe diese Arbeit, weil sie nicht eintönig ist. Montags und dienstags verbringe ich meine Zeit in der Geschäftsstelle der Norddeutschen Mission. Bevor du überhaupt fragst: Dabei geht es nicht darum, dass ich evangelisiere. Es geht darum, bei der Verwaltungsarbeit und anderen Aufgaben rund um das Haus zu helfen. Manchmal langweilig, manchmal arbeitsreich, manchmal interessant. Den Dienstagnachmittag verbringe ich mit den Jugendlichen der Horner Kirche. Wir sitzen einfach zusammen, plaudern oder kochen. Ich habe den Eindruck, dass dies ein sicherer Ort für die jungen Leute ist. In der letzten Woche habe ich zweien von ihnen das Oware-Spiel1 beigebracht.

Mittwochs gibt es das “Café Mittwoch“, das gut mit „Wednesdays Cafes“ übersetzt werden könnte. Die Horner Kirche und einige andere Partner bieten ein Frühstück für die weniger Privilegierten der Gesellschaft an. Wie der Name schon sagt, geschieht dies jeden Mittwoch. Das Team besteht aus den reizendsten Menschen, die ich je getroffen habe. Was mir daran besonders gefällt, ist die Zeit, die wir uns für das Decken des Tisches für unsere Gäste nehmen und das Essen. Wenn ich das mit den meisten Leuten vergleiche, die ich kenne, und die dasselbe tun, ist das hier schon etwas Besonderes. Woanders nimmt sich niemand die Zeit, den Tisch zu decken und das Essen schön anzurichten. Es wird normalerweise vorverpackt und verteilt.

Meine Donnerstage und Freitage verbringe ich sehr sinnvoll in einem Kindergarten. Ich liebe die Kinder, aber manchmal sind sie ein bisschen anstrengend, wenn sie schreien, und ich kann nicht zurückschreien. Ich liebe das Kindergartensystem hier. Die Kinder lernen eine Menge durch das Spielen. Es gibt nicht einmal eine Tafel. Jeden Morgen nach dem Frühstück sitzen die Kinder im Kreis, sprechen über die Aktivitäten des Tages und zählen auf, wer anwesend ist und wer nicht. Ich denke, diese Aktivität hilft ihnen, zählen zu lernen und selbstbewusst zu sein. Sie spielen viel – das Leben ist so schön in einer solchen Phase. Da sie kein Englisch verstehen, bin ich gezwungen, mit ihnen Deutsch zu sprechen, was mir hilft, mich in sprachlicher Hinsicht zu verbessern. Einige der Kinder sind so versessen darauf, dass sie mir auch neue Wörter beibringen. Wir nehmen alle unser eigenes Frühstück mit in den Kindergarten. Das ist in Ordnung, aber das Mittagessen kann manchmal eine Herausforderung sein, weil es kein Salz oder Pfeffer gibt. Was mich erstaunt, ist, dass Kinder in diesem Alter immer vergessen, was sie eigentlich tun sollten, wie Hände waschen, den Teller abräumen usw. Man muss sie immer daran erinnern, aber eines vergessen sie nie, dass der Nachtisch am Freitag Eiscreme ist. Der Eiscreme-Faktor steckt in ihrem Kopf fest wie eine vertraute Melodie.

Den Betreuerinnen im Kindergarten gilt meine große Bewunderung. Die Liebe, Geduld und Fürsorge, die sie für die Kinder haben, ist erstaunlich. Sie setzen sich durch, aber auf liebevolle Weise. Es klingt alles rosig, aber die Kindergartentage sind die anstrengendsten. Als ich das erste Mal dorthin ging, kam ich mit Kopfschmerzen zurück. Ich bekomme sie manchmal immer noch, nachdem ich dort gearbeitet habe. Eigentlich spiele ich ja nur mit ihnen, aber ich glaube, die Anspannung, immer wachsam zu sein, um sicherzustellen, dass es jedem Kind gut geht, macht es ebenso ermüdend wie der ständige Lärm, das Murmeln, Singen, Schreien und Weinen. Auch wenn ich müde nach Hause komme, ist es immer eine Freude, sie beim nächsten Mal wieder zu sehen. Manchmal bin ich so in die Spiele vertieft, dass ich merke, dass ich tatsächlich Spaß habe und nicht nur nebenbei spiele.

Manchmal arbeite ich an den Wochenenden, aber das kommt nicht so häufig vor. An den Wochenenden hole ich ein Stück Familienleben nach sowie meine Serien, mache Sport und koche. Es ist eine wunderbare Zeit, die ich mit meinen Freunden im Ökumenischen Wohnheim verbringe.

So viel zu meiner Arbeit als Freiwillige hier. Ich hoffe, bald von Dir zu hören.

Lexikon

1.            Oware- Ein Brettspiel, das 48 große Samenkörner benötigt. Ein typisches Oware-Brett hat zwei gerade Reihen von sechs Vertiefungen, die „Häuser“ genannt werden, und optional ein großes „Punkte“-Haus an jedem Ende. Jeder Spieler kontrolliert die sechs „Häuser“ auf seiner Seite des Bretts und das „Punktehaus“ an seinem Ende. Das Spiel beginnt mit vier Samen in jedem der zwölf kleineren „Häuser“.

Work

Hello Naa,

 Sorry, I have not written to you in a while. Forgive my inconsistency

How are you and how is your classes going? The last time we spoke, you complained about the traffic situation and how that makes you even more tired than your classes itself. Well, I understand you so well. When I used to work in Ghana, it was the same. Though my office was just 20mins away from home, it took me 40 minutes to get there. My brother Dela also faces the same challenge of getting to work early.

Well, I love my volunteer work here, it is not all sunshine though. Nothing is. But I love how it is not monotonous. Monday and Tuesdays, I spend my time in the Bremen Mission Office. Before you even ask, it is not about me evangelizing. It is helping with the administrative work and other chores around the house. Sometimes dull, sometimes busy, sometimes interesting. Tuesday afternoons I spend it with the young ones of Horner Church. We just sit, chat or cook together. This I feel is a safe space for the young ones.  Last week I introduced two of them to the game of Oware1.

On Wednesdays, there is the ‘’Café Mittwoch’’ which translates to Wednesday Cafes. The Horner church and some other partners provide breakfast for the less privileged in society. As the name depicts, this happens every Wednesday. The team is comprised of the most delightful people I have ever met. What I like about this is the time taken to set the table and food for our guests. I mean when most people I know who do the same, It is a different case, nobody has the time to set a table and garnish the food. It is usually pre-packaged and distributed.

My Thursdays and Fridays are well spent at a Kindergarten. I love the children but sometimes they can be a bit challenging when they scream and I can’t scream back at them. I love the kindergarten system here, they learn through play a lot. There isn’t even a blackboard. Every morning after breakfast, they sit in a circle, talk about the activity for the day and count who is present or not.  I think this activity helps them to learn how to count and be confident. They do play a lot, life is so beautiful at such a stage. Because they do not understand English, I am forced to speak German with them which helps me improve on myself. Some go to the extent of teaching me new words too. We all send our own breakfasts to kindergarten so that is fine but lunch can be challenging sometimes because there is no salt or pepper. What amazes me is that, children at that age always forget the routine things they are supposed to do, like washing of hands , clearing one’s plate etc . You always have to remind them but one thing they never forget that Friday’s desert is Ice cream. The ice cream factor is stuck in their head like a melody.

I applaud the caretakers at the kindergarten, the love, patience and care they have for the kids is amazing. They are firm but in a loving way. It sounds all rosy but kindergarten days are the most tiring. The first time I went there, I came back with a headache. I still do get them after working there sometimes.  It is probably just playing with them but I think the idea of being alert all time in order to make sure every child is safe is what makes it tiring as well as the constant noise, murmuring, singing, shouting and crying. Even though I get home tired, it is always a joy to see them again the next time.  I sometimes get so involved in the games that I realise I am actually having fun and not just casually playing.

Sometimes I work on weekends but it is not that often. Weekends are when I catch up with my family, my series, get some exercise done and cook. It is also a lovely time to hang out with my friends at the hostel.

That is my volunteer work here. Hope to hear from you soon.

Lexicon

  1. Oware-  A  board game that requires 48 seeds. A typical oware board has two straight rows of six pits, called „houses“, and optionally one large „score“ house at either end. Each player controls the six houses on their side of the board, and the score house on their end. The game begins with four seeds in each of the twelve smaller houses.

Christmas

Dear Kordei,

How are you? I hope all is well. Hope you are getting some rest after trying “secure the bag”1 during the Christmas and New Year with your entertainment business. I loved the set up at the ice cream fair. I cannot wait to get back and get my nieces and nephews to have fun with the games you have lined up.

Well, since it is my first Christmas away from Ghana, I have mixed feelings, not in a negative way but in a positive way. Christmas in Bremen is an exciting time for almost everybody I met, be it old or young. Everyone looked forward to spending time with family. They usually start with the advent calendar, where from the 1st to 24th December, they open up gifts. Different persons and how they design their advent calendar. The gifts could range from chocolate, to a story, poem or scripture. I find this very thoughtful, puts one in a good mood for the festivities.

On the 17th, I went to the Weihnachtsmarkt with two friends. It was lovely to see the lights and the items that were on display.  There was a Zauber Markt, where I could see Bremen in the mid centuries. I loved the set up and the costumes of the vendors there. One stall had potions for sale, I was tempted to buy and try it out but the superstition in me is too strong. Lol!

On the 22nd, I came down with a headache, flu, sore throat and cough. That made me sad that I was not even home. I missed my family. on the 24th, I was invited by a colleague, Ines to spend Christmas eve with her family. I honoured the invite because I wanted to enjoy the German Christmas package. It was Ines, her husband, her two lovely children, her mother in law and Lila the other volunteer in Bremen.

At 4pm, the children stayed at home and Lila and I went with the rest to a church service. The service was short but nice. It was like a nine lessons and carol service. But I don’t think they were nine readings. We lighted candles, representing the light in Bethlehem. We then went back and had dinner together. It was a Raclette grill, it was amazing and had me stuffed. After we opened presents, I was surprised cause I didn’t expect anything, neither did I buy anything for them so I felt so bad. For the opening of presents, everyone had to throw a dice, if it lands on six; you can go pick up your present and open it. I was blessed with many gifts, I was so happy. I mean who doesn’t love gifts?

The 25th was spent with Manuela and her family as well. As usual, she also gave me amazing gifts. What did I do to deserve all this love? Her husband cooked a lovely meal. We then played a game of cards called 10 phases. That was fun, funny and good. After, we had dessert, a new recipe Manuela tried which was great. It was delightful not staying alone in my room, but being in the company of lovely people. I then had dinner with them and Manuela brought me home.

27th was a good day cause it was bonding time with the francophone family, we had a party. Dancing, singing and laughing together as usual. Then I fell ill again on the 28th and 29th!  On the 30th, I packed my bags to go see my auntie in Darmstadt, a 6-hour bus drive from Bremen. It was so worth it, family is indeed everything. The gifts, the laughter, the warmth and the love was all I needed to start the New Year.  On 31st my auntie, uncle and three cousins, we all had fondue for dinner. I will definitely try and introduce that to my family and friends in Ghana. We danced and laughed into the new year. I then stepped out to watch the fireworks on the street.

After New Year, I spent some time with my aunt and family. They took me shopping; we played games and visited Frankfurt. One of the best nights I had was the time we went bowling. It was my first time, though I was last. I had fun and can’t wait to try it again.  It was so sad to say goodbye but also a great way to start the year. Next week, I will write to you about my job.

Happy New Year Kordei.

Yours ever

Emefa.

Lexicon

  1. Secure the bag – another term for making money