Ein Tag von vielen

Um 5:30 Uhr klingelt der Wecker.

Noch verschlafen und mit zerzausten Haaren spähen Johanne und Rosa aus ihren Zimmertüren heraus und ein -der Uhrzeit entsprechend- trockenes „Guten Morgen“ ist zu hören, bevor beide ihre Yogamatten auf dem Boden ausrollen.

„Kreuzen sie ihre Arme und Beine, und setzen sie sich“. – Die erste Stimme die man morgens immer in der Wohnung zu hören bekommt, ist die der Frau aus dem 30 Minuten langem Pilates Workout. Und das wirklich fast jeden Morgen!

Danach geht’s dann in Turbo-Geschwindigkeit zur Frühstücksvorbereitung. Da sind die beiden schon klasse durch routiniert. Haferflocken mit Wasser aufgekocht und Bananen sollen lange satt halten. Von draußen hört man die Schulklingel.

Es ist 6:40 Uhr, und in der letzten Sekunde schaffen es die beiden noch ihre Wohnung abzuschließen und die paar Stufen runterzulaufen. Schon sind sie an ihrem Arbeitsort angekommen und reden mit ihrem Freund Saviour, der Musik Lehrer am Collège ist. Die deutsche Pünktlichkeit soll schließlich nicht verlernt werden!

(Nun man muss sagen, dass natürlich nicht jeden Tag das selbe passiert. Jeder Tag ist dann zum Glück doch mit unterschiedlichen Tätigkeiten gefüllt. Dazu kommt, dass vieles spontan dazwischen kommt und den Tagesplan der beiden aus dem Konzept schmeißt. Hier ist eine Beschreibung von einem fiktiven Tag, der jedoch genauso gut auch ablaufen könnte.):

Im Lehrerzimmer sitzend, wollen die beiden die Ewe Vokabeln lernen, für die sie schon so viel Zeit hatten, und sie doch immer zur Seite gelegt haben. Immer wieder schauen Lehrer rein. Ganz begeistert von den Vokabelheften versuchen sie sofort ein Gespräch auf Ewe anzufangen. Haben sie nicht gesehen, dass die paar ausgeschmückten Seiten des Heftes noch nur die Zahlen und Früchte auf Ewe enthalten? Aber die Freude ist umso größer, wenn eine der beiden dann irgendwann etwas richtig ausgesprochen bekommt.

Im Ewe Unterricht mit M. Alotsi die Stunde darauf wird „Ta Abo Legbedze Afo, Legbedze Afo“ (Ewe-Version von dem Lied „Head and Shoulders“) gesungen und wieder auf ein Neues Vokabular angeschafft. Die Woche darauf wollen sich die beiden bessern was das Lernen der Vokabeln angeht; sagen sie sich.

Danach sind dann Johanne und Rosa dran mit unterrichten. In einer Freistunde der 4ième (9. Klasse) bewegen sie sich Richtung Klassenzimmer und es prasselt ein Wasserfall an Deutschen Begrüßungen auf sie ein: „Guten Morgen“ gemischt mit „Hallo“, wenn’s blöd läuft auch „Hello“, und wenn gut dann sogar ein „Moin“!

In einer Freistunde dann doch noch Unterricht zu bekommen fänden die meisten SchülerInnen in Deutschland vermutlich einfach nur bescheuert. Doch auf die Frage „Vous êtes prêts pour l‘allemande maintenant?“ hören die beiden hier nur begeisterte Jubelrufe. Dieses Mal steht Singen an, weil man hier gerne durch Lieder eine Sprache verfestigt. „Danke für diesen Guten Morgen“ wird nach langem Einstudieren und Wiederholen dann bald sogar durch Stift-Getrommel auf den Tischen aufgepeppt.

Nach einer kurzen Pause geht es auf den Markt für einen kleinen Einkauf. Der Essens Plan für die Woche wurde schon erstellt um die tägliche Selbstverpflegung ein wenig einfacher zu gestalten. Und so kommt die Einkaufsliste zu stande, und man ist stolz wenn man die Woche nur zwei mal einkaufen gehen musste. Das Schulgelände verlassend wird ihnen von Misch (einem der Gardiens der Schule) hinterher gerufen: „Vous sortez un peu? Ok, Revenez vite!“

Auch auf dem Markt haben die beiden schon ihre Routine. Zuerst die Tomatenfrau! Als sie die beiden lächelnd anlaufen kommen sieht, lacht sie schon und freut sich. „Et le piment?“ (Peperoni) Neee… so weit sind sie dann doch noch nicht. Mit der vollen Tasche steigen sie auf das nächste Moto zurück zum Collège.

Es ist Mittwoch Nachmittag, und nicht so wie sonst auf dem Schulgelände auf dem es mucksmäuschenstill werden kann wenn die SchülerInnen fort sind, ist halligalli. Die SchülerInnen sind nach einem kurzen Aufenthalt zu Hause wieder gekommen um entweder nochmal mehr in Gruppen zu lernen, Fußball oder Basketball zu spielen.

Bald kommt noch etwas dazu: Andere sind nämlich dabei ein Volleyball Netz aus Seilen zu knüpfen. Darunter auch Johanne und Rosa. Doch sie haben nicht lange Zeit.

Viel Zeit muss eingeplant werden für Abendessen kochen, abspülen und aufräumen. Wenn das geschafft ist, dann sieht der späte Abend meistens so aus: Runter kommen mit einer Folge der Netflixserie „Orange is the new black“ (was sie von ihr halten sollen ist noch nicht so ganz klar)

Um 9 Uhr fallen beide Hunde müde ins Bett. Das Licht ist aus für den Tag. Und das letzte was man aus der Wohnung hört ist ein erschöpftes aber zufriedenes „Gute Nacht“.

Mein erstes Lebenszeichen aus Togo…

Mittlerweile sind Johanne und ich schon über anderthalb Monate in Kpalimé, und ich habe mich immer noch nicht gemeldet. Irgendwie habe ich hier sehr viel Zeit und gleichzeitig gar keine, weil ich mich immer noch einlebe und viele Erlebnisse erstmal verarbeiten muss.

Ich werde mich in diesem und den nächsten Blogposts nicht damit aufhalten, dir alles zu schildern, was ich die letzten sechs Wochen erlebt habe. Sonst würde ich wohl noch im übernächsten Jahr rückblickende Blogposts schreiben. Glücklicherweise hat Johanne Vieles aus den ersten Wochen festgehalten. Unter diesem Link kannst du auf ihrer Blogseite mehr über unsere Ankunft, unsere Wohnung und unser Umfeld lesen: https://norddeutschemission.blog/category/freiwillige/johanne-in-togo/

Eigentlich wollte ich in diesem Blogpost einen typischen Tag von mir in Kpalimé schildern, aber bis jetzt sieht jeder Tag anders aus. Die meisten Menschen, die ich hier kennengelernt habe, planen nicht weit in die Zukunft und leben spontan in den Tag oder die Woche hinein. Das ist mir hier schon in sehr vielen Situationen aufgefallen. Eigentlich ist es ganz schön von meinem durchstrukturierten Alltag in Deutschland wegzukommen, und eine eher entschleunigte Seite des Lebens kennenzulernen und zu genießen (wahrscheinlich habe ich so eine Entschleunigung das nächste Mal erst wieder zur Rente…).

Ein Beispiel: Mittagessen im Internat des Collèges.

Das Internat der Schule beherbergt dieses Jahr acht Jungen und zwei Mädchen, die gemeinsam mit den anderen Schüler*innen das Collège protestant besuchen. Dreimal am Tag wird den sogenannten „Internes“ Essen von zwei Köchinnen gekocht. Zum Essen wird immer mit einer Glocke gerufen, die Johanne und ich natürlich auch immer hören, während wir in unserer eigenen Küche beim Kochen verzweifeln (das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es erfordert schon viel Kreativität und Arbeit, jeden Tag mindestens einmal zu kochen, vor allem wenn man ganz andere Zutaten als in Deutschland zur Verfügung hat…).

Durch die Glocke sind wir auf die Idee gekommen, vielleicht auch irgendwann einmal (oder mehrmals) im Internat zu essen und haben direkt den Direktor, Claude, gefragt. Zum Thema Spontanität: Am nächsten Tag um 12 Uhr klopft es an unserer Tür. Johanne und ich haben vor einer Stunde, wie jeden Samstag, einen Berg Pfannkuchen gefrühstückt. Ich öffne und der Direktor steht vor uns. „Ihr könnt rüberkommen ins Internat und Fufu essen.“ „Jetzt?“ – „Ja, jetzt sofort.“

Also finden wir uns circa eine Stunde nach unserem ausgiebigen Frühstück im Internat wieder und essen gemeinsam mit den Internat-Jungs einen riesigen Berg Fufu (traditionelles Gericht aus Yams oder Maniok), mit dem besonders Johanne, wegen ihres vollen Magens, zu kämpfen hat. Es war natürlich superlecker und auch echt spannend bei der Vorbereitung des Gerichts zuzuschauen. Trotzdem wäre es sicher schlauer gewesen, vorher nichts zu essen… Solche spontanen Aktionen erleben wir hier eigentlich fast täglich, was uns immer wieder in die verrücktesten Situationen bringt.

Ganz ohne Regelmäßigkeiten geht es aber dann doch nicht. Mindestens zweimal die Woche gehen Johanne und ich zum Markt. Mir ist aufgefallen, dass die meisten Menschen hier fast täglich zum Markt gehen und dann nur kleinere Mengen an Gemüse und Zutaten kaufen, die am selben Tag noch verwendet werden. Aber irgendwie ist es schwer, sich mit der deutschen Einmal-die-Woche-Großeinkauf-Mentalität daran anzupassen. Besonders wenn der Markt ein bisschen weiter vom Collège entfernt liegt und man nicht unbedingt motiviert ist jeden Tag 30 Minuten bei praller Sonne und 30 Grad zum Markt hin und 30 Minuten mit schweren Einkäufen wieder zurückzulaufen. Dank unseres tollen Kühlschranks können wir uns die tägliche Marktodyssee sparen.

Natürlich gibt es noch die Motorradtaxis, die hier überall die Straßen bevölkern und den Zeit- und Kraftaufwand erheblich reduzieren. Eine Moto-Taxifahrt sieht ungefähr so aus: Johanne und ich stellen uns vor das Tor des Collèges, das direkt auf die Straße rausgeht. Dann wird man eigentlich auch schon von mindestens drei vorbeifahrenden Taxis angehupt. Das Hupen bedeutet übersetzt nicht „Aus dem Weg!“ wie in Deutschland, sondern eher „Willst du mitfahren?“. Aber irgendwie mag ich es nicht gerufen zu werden und suche mir meinen Taxifahrer lieber selbst aus, indem ich das Taxi heranwinke. Der ganze Prozess dauert maximal drei Minuten, weil wirklich alle zehn Sekunden ein Taxi vorbeifährt. Manchmal denke ich, dass die Hälfte aller Männer in Kpalimé als Moto-Taxifahrer arbeitet, obwohl das natürlich nicht stimmt.

Nach der Auswahl nennt man das Ziel, wie zum Beispiel „Au marché!“ („Zum Markt“) und fragt am besten VORHER nach dem Preis, denn nach der Fahrt kann man nicht mehr verhandeln und der Fahrer kann eigentlich jeden Preis verlangen. Den Fehler haben wir leider schon einige Male gemacht… Eine Fahrt vom Collège zum Markt kostet normalerweise 300 CFA (umgerechnet ca. 45 Cent) für zwei Passagiere auf einem Moto. Am Anfang haben Johanne und ich immer zwei eigene Motos genommen, da mussten wir natürlich mehr zahlen. Mittlerweile sitzen wir eigentlich immer zu zweit hinten drauf. Und nachdem wir schon Familien mit vier Personen, Tischtransporte und Leitern auf einem Motorrad gesehen haben, machen wir uns wegen der Sicherheit auch weniger Sorgen. Trotzdem ist es am Anfang noch ungewohnt ohne Helm zu zweit hinten auf einem Motorrad mit 50 Kilometern pro Stunde durch volle Straßen zu fahren. Trotzdem macht das Moto Fahren echt Spaß und ich verstehe gar nicht, warum es solche Taxis nicht in Deutschland gibt. Die sind echt superschnell und sehr praktisch, wenn die Straße mal ein bisschen zu uneben für Autos ist.

Außer den Markteinkäufen geben Johanne und ich regelmäßig Deutschunterricht. Das machen wir eigentlich immer nachmittags.

Weil wir die ersten Freiwilligen am Collège protestant seit sieben Jahren sind, wissen der Direktor Claude und die Lehrer nicht so wirklich, was unsere Aufgabe und Arbeit hier ist. Eigentlich sollten wir in ungefähr acht Stunden in der Woche vormittags den Schüler*innen aller Klassenstufen in ihren Freistunden ein bisschen Deutschunterricht geben. Das wusste hier anscheinend niemand, oder es wurde missverstanden. Deswegen haben Johanne und ich nachmittags mit Hilfe von interessierten Schüler*innen und zwei Lehrern einen zusätzlichen Deutschunterricht organisiert, damit wir überhaupt unsere Aufgabe erfüllen und den Menschen vor Ort gleichzeitig auch etwas von unserer Sprache zeigen können. Kinder sowie Lehrer*innen sind hier total interessiert an der deutschen Sprache, was Johanne und ich erst gar nicht so richtig verstehen konnten. Ein Schüler hat uns nach einer Unterrichtsstunde sogar um Hausaufgaben in Deutsch gebeten. Zusatzaufgaben? Das wäre an meiner Schule in Karlsruhe ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

Der Deutschunterricht ist eigentlich immer eine echt lustige Sache. Die Schüler*innen lernen momentan ganz einfache Sätze, wie „Wie heißt du?“ oder „Wie alt bist du?“. Manchmal muss ich mich zusammenreißen, dass ich keinen Lachflash bekomme, weil die Aussprache teilweise so absurd ist. Ganz schwer ist zum Beispiel „eu“ und der Unterschied zwischen der Aussprache von „ei“ und „ie“. Am beliebtesten ist das Spiel „Galgenmännchen“ mit deutschen Wörtern. Mein persönliches Lieblingsspiel ist, wenn ich an der Tafel TicTacToe gegen verschiedene Schüler*innen spiele und jedes einzelne Mal gewinne, weil sie den Gewinnertrick nicht kennen (das hat leider nur wenig mit Deutsch zu tun…).

Vormittags ist das mit unserer Arbeit also momentan noch ein bisschen schwammig. Aber wir haben uns schon überlegt eventuell im Kindergarten oder in dem Frauenbildungszentrum der Kirche hier in Kpalimé mitzuarbeiten und so unsere Aufgabe ein bisschen umzuorientieren.

Ich könnte gerade noch so viel mehr von hier erzählen, aber ich bekomme langsam Hunger. Heute Mittag stehen Burger mit Karotten-Kohl Bratlingen auf dem Speiseplan (wahrscheinlich eine reduzierte Version, weil wir nicht alle Zutaten finden konnten). Mal schauen, ob wir das hinbekommen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Post einen besseren Einblick in mein Leben hier geben. Ich freue mich immer über Fragen und Feedback von dir! Wenn dich konkrete Themen genauer interessieren, über die ich hier schreiben könnte, schreib mir einen Kommentar und ich nehme das Thema in den nächsten Posts gerne auf.

Bis zum nächsten Mal!

Rosa

P.S.: Die Karotten-Kohl Bratlinge waren der Burner!!! Sehr empfehlenswert.

Jetzt wird’s so ein bisschen holprig..

Wie vielleicht schon am Titel zu erkennen ist, fällt mir dieser Blog-Post deutlich schwerer als der Erste. Deshalb möchte ich nochmal besonders darauf hinweisen, dass dies hier nur meine eigene, von wahrscheinlich hunderten kleinen Missverständnissen verzerrte Perspektive ist. Also spiegelt dieser Artikel in keinem Fall das Leben in Ghana, oder gar in Afrika wieder und beschreibt kein “typisches” Verhalten bei den Menschen, die ich in meinem Alltag treffe.


Die größte Veränderung, mit der ich seit meinem letzten Post zu kämpfen habe, ist der Abbruch meiner Mitfreiwilligen Antonia. Sie hat sich aus persönlichen Gründen entschieden, nach Deutschland zurückzukehren, weshalb ich seit zwei Wochen alleine in dem uns zugewiesenen, schon für zwei Personen zu großen Haus lebe. Diese Gegebenheit bereitet mir auch schon fast die meisten Schwierigkeiten: Da meine Vorliebe für Hausarbeit sich in Grenzen hält (was leider auch auf den Wasservorrat meiner letzten zwei Wochen zutrifft), treibt es mich fast in den Wahnsinn, wenigstens ein bisschen Ordnung und saubere Wäsche beizubehalten. Derzeit ist es leider nicht möglich, mich in ein anderes Quartier einzulagern. Ich habe aber ein anderes Zimmer im Haus bezogen, um die zu wischende Bodenfläche so gering wie möglich zu halten. Zwar gibt es auch die Möglichkeit, dass eine Mitbewohnerin bei mir einzieht oder mir die Wäsche oder das Kochen abgenommen wird, zum einen brauche ich manchmal aber einen Rückzugsort, an dem ich alleine abschalten kann, zum anderen möchte ich nicht mehr Hilfe beanspruchen, als ich es in Deutschland tun würde.
Was mich aber mehr belastet hat, war das Gefühl, mit Antonia die Person zu verlieren, mit der ich nach der Arbeit ganz entspannt Deutsch sprechen und die meine Lage am ehesten nachvollziehen kann. Gleichzeitig ist sie in den drei gemeinsamen Wochen zu einer viel engeren Freundin geworden, als ich es mir am Anfang des FSJs vorstellen konnte. 

Dann plötzlich alleine zu sein und alles im Haus selbst reißen zu müssen, hat mich erstmal überfordert. In den ersten Tagen nach ihrer Abreise ging es mir ziemlich schlecht und ich hatte Schwierigkeiten, mich meinem Mentor oder meiner Vorgesetzten Eyram anzuvertrauen. Eigentlich sind diese beiden meine erste Anlaufstelle, wenn ich Probleme habe. Noch bevor Antonia geflogen ist, wurde ich jedoch schon manchmal gelobt, wenn ich meine Gefühle unterdrückt habe, was mich sehr verunsichert hat. Ich hatte den Eindruck, dass ich als “stark” gesehen werde wenn ich meine Emotionen unterdrücke und dieses dieses Verhalten von meinem Umfeld erwünscht wird. Für mich bedeutet dieser Umgang mit negativen Gedanken aber hauptsächlich Stress, da durch das Verdrängen von Gefühlen gleichzeitig auch oft die Lösung des eigentlichen Problems in den Hintergrund gestellt wird. Deshalb ist es für mich eher ein Warnsignal, wenn ich längere Zeit nicht geweint habe, weil es zeigt, dass ich mich in einem Umfeld befinde, in dem ich nicht ehrlich zeigen kann, wie es mir geht.
In langen Gesprächen mit Reverend Dela und Eyram haben wir uns darüber ausgetauscht, wie wir mit negativen Emotionen umgehen. Dadurch habe ich mehr Verständnis für bestimmte Kommentare oder Verhaltensweisen einiger meiner ghanaischen Freunde erlangt, anders herum aber auch mehr Verständnis für meinen persönlichen Umgang mit Krisen geschaffen. Letztendlich habe ich es dadurch relativ schnell aus meiner kleinen Krise heraus geschafft, wünschte mir aber, diese Unterhaltungen schon mindestens eine Woche vorher geführt zu haben.

Im letzten Post habe ich mich noch um die Arbeitssituation gesorgt. Mittlerweile merke ich, dass ich eigentlich immer was zu tun habe oder finde, auch wenn ich meistens nur beobachte. Das Thema Nachhaltigkeit und Entwicklung bzw. Umgang und Überwindung von neokolonialistischen Ausbeutungsstrukturen hat mich zwar interessiert, ich wusste aber nicht, inwieweit ich eigentlich mitwirken kann. Abgesehen davon handelt es sich hierbei um langwierige Prozesse, die in den Projekten manchmal nur aus der Entfernung sichtbar sind.
Inzwischen sehe ich vieles als eine Art Praktikum an und habe so die Möglichkeit für je 2 Wochen in verschiedene Projekte von EPDRA reinzuschnuppern. Es ist zwar manchmal nervenaufreibend, immer wieder von vorne zu starten, aber ich sehe viel mehr als andere Freiwillige, die größtenteils dauerhaft in Schulen arbeiten.
Auch außerhalb der Arbeit kann ich in diesen Themenbereichen viel ausprobieren. Der Plan, einen eigenen Komposthaufen mit einem Gerüst aus Plastikflaschen als Recyclingprojekt zu bauen, steht schon lange. Auch Comics für EPDRA zum besseren Verständnis ihres Aufgabenbereichs sowohl auf deutscher als auch auf ghanaischer Seite sind auf meiner To-do-Liste. Daher habe ich eher zu wenig Zeit als Arbeitsmangel. Ich wollte nach der Schule auf jeden Fall ein Jahr aus dem Leben mit strukturiertem und vorgegebenem Arbeitsplan raus, auch um mich selbst zu testen. Mich Situationen auszusetzen, in denen ich mir aktiv Arbeit suchen muss, war Teil des Plans, aus meiner Komfortzone herauszukommen. Jetzt merke ich, was für ein Potenzial ich habe, wenn ich frei arbeiten kann, jedenfalls wenn ich dann auch die nötige Zeit zum Umsetzen meiner Pläne finde.

Seitdem ich vor gut vier Wochen mit der Arbeit angefangen habe, war ich im Büro von EPDRA, auf Programmausflügen in Hohoe und einer Community nahe Ho und in der EPDRA Pharmacy (Apotheke). Neuerdings werde ich in der EP Church Clinic direkt auf dem Kirchengelände eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Art medizinisches Grundversorgungscenter, in dem die Wartezeiten deutlich kürzer sind als in den umliegenden größeren Krankenhäusern. Doch dazu später mehr.

Um chronologisch zu starten, will ich zuerst die Arbeit bei EPDRA bzw. in Eyrams Büro beschreiben. Dort konnte ich erstmal ein Bücherregal sortieren und dann alle Bücher katalogisieren, die zur ‘Mobile Library’ gehören. In diesem Projekt haben vor allem Vorfreiwillige mitgewirkt, die eine der 13 Buchboxen mit in die Schule genommen haben, um in Pausen lesen zu üben. Ich bin jedenfalls immer noch damit beschäftigt, alle Bücher in die Tabellen auf meinem Laptop einzutippen, Derzeitiger Stand sind 529 Bücher in einer Excel-Tabelle.
Bevor ich diesen Auftrag beenden konnte, wurde ich jedoch schon für zwei Wochen in die Apotheke versetzt.

In der ‘EPDRA Pharmacy’ wurde ich zuerst dem Apotheker Charles vorgestellt und habe am gleichen Abend noch die Mitarbeiter Bright, Laura und Tina kennengelernt. Victoria, die für die Buchhaltung zuständig ist, habe ich erst am nächsten Tag getroffen. Mein Aufenthalt hier und in der Clinic kann man sich am ehesten wie ein Praktikum vorstellen.
Durch meine fehlende Ausbildung und größere Probleme mit (akzent behafteten) Englisch wenn es um medizinische Begriffe und Arzneimittel geht und der Fakt, dass die Handschrift von Ärzten wohl überall zwingend unleserlich sein muss, war ich ziemlich unfähig, groß auszuhelfen. Durch das dadurch erzwungene Beobachten konnte ich aber Muster und Unterschiede zu Apotheken, die ich aus Deutschland kenne, erfassen.

Ein großer Punkt ist die Bandbreite an Artikeln, die in einer Apotheke zu finden sind. Zwar habe ich auch in Deutschland schon Kosmetika und andere nicht medizinische Produkte in Apotheken gesehen, hier kommt mir das Ausmaß aber deutlich größer vor. Von Mundspülung über Kondome bis hin zu Deo und Shampoo findet man alles.

Während in Deutschland gerade in fast allen Apotheken auf Covid getestet wird, ist diese Krankheit mittlerweile gar kein Thema mehr und Tests waren in der EPDRA Pharmacy nie möglich. Dafür gehört der Malaria Test, für den Blut statt Speichel benötigt wird, zum Alltag. Die zur Behandlung nötigen Antibiotika dürfen im Anschluss von der Apotheke ohne Umwege über ärztliche Atteste verkauft werden.
Gut ein Drittel der Kunden kommt jedoch schon mit einem Rezept aus den umliegenden Krankenhäusern in die Apotheke. Häufig ging es dabei um Medikamente für Krankheiten wie Typhus und Malaria oder um einfache Erkältungen. Wie man diese Rezepte liest und welche Bedeutungen die Buchstabenkürzel darauf haben, wurde mir von Bright erklärt. Anschließend durfte ich dann manchmal die Anweisungen zur Einnahme in verständlichem Englisch auf die Medikamente schreiben. Einige  Kunden fragen auch nach spezifischen Medikamenten, worauf dann entweder die Antwort ‘Meli o’ (Haben wir nicht) kommt oder das erfragte Medikament verkauft wird. Der letzte Typ Kunde beschreibt seine Beschwerden. Ist dies der Fall, wird erstmal ein bestimmtes Medikament vorgeschlagen und wenn nötig nach einer günstigeren Alternative gesucht, die den gleichen Wirkstoff enthält.

Einen spannenden Unterschied zu meinem Umfeld und Statistiken aus Deutschland habe ich beim Verkauf von Verhütungsmitteln beobachtet. Die täglich einzunehmende Pille ist so unpopulär, dass es eine ganze Weile dauert, bis man sie unterm Tresen gefunden hat. Kondome werden eher abends ab 8 Uhr gekauft, deutlich beliebter sind jedoch die Emergency-Pillen, also die Pille danach. Diese wird regelmäßig von Männern und Frauen angefordert. In einer Unterhaltung mit meinem Mentor diskutierten wir die Stigmatisierung sexuell aktiver Frauen als möglichen Grund für die Gewohnheit von Männern, dieses Medikament für die Partnerin zu besorgen. Diese Beobachtung steht im krassen Gegensatz zu den Verhütungsmitteln, die ich aus meinem Umfeld kenne. Die Pille wird dort wegen der Nebenwirkungen immer kritischer gesehen und die Pille danach steht aus den gleichen Gründen gar nicht als Option im Raum.

Da die Angestellten und ich den Großteil der Zeit auf Kunden warteten und die Versuche, uns gegenseitig die jeweilige Muttersprache beizubringen relativ kurzweilig waren, wurde es erst richtig spannend, als in der zweiten Woche plötzlich 6 Pharmaziestudent_innen in der Apotheke saßen. Sie waren deutlich gesprächiger und neben Unterhaltungen über das Studium, Fussball und Trinkgewohnheiten war es mir auch möglich, deutlich mehr über die Wirkweise bestimmter Medikamente zu erfahren. Bei den Gesprächen über verschiedene Bakterienklassen und wie Paracetamol auf einer zellulären Ebene wirkt, merke ich aber, dass ich 1. Im Moment so viel lernen will, dass ich mir erstmal ein Botanik- Biochemie- und Physik-Lehrbuch aus Deutschland angefordert habe und 2. es manchmal sehr schwer ist, sich in der Rolle als Praktikantin wohlzufühlen. Sonntag habe ich nochmal eine Extraschicht eingelegt, weil es schwierig war, sich von den Angestellten und Sir Charles zu verabschieden. Letztlich musste ich versprechen, noch oft zu Besuch vorbeizukommen.

Nach der Apotheke habe ich letzten Montag in der Clinic gestartet. Auch hierfür plane ich nochmal einen einzelnen Blog Artikel, wenn ich meine zwei Wochen dort vollendet habe. Gleiches gilt für die Ausflüge mit EPDRA, die sich gerade erfreulicherweise häufen.

Der Anfang in Togo

Hallo ihr Lieben,

Hiermit melde ich mich das erste Mal bei euch allen aus Kpalimé, Togo!

Rosa und ich sind jetzt schon seit über einem Monat in Togo. Und in dieser, im Verhältnis zu den insgesamt 12 Monaten, eigentlich kurzen Zeit, sind schon so viele Sachen passiert, dass ich bestimmt einen Roman daraus schreiben könnte. Aber das will ich euch (und mir) garnicht zumuten.;)

Gleichzeitig ist es garnicht so einfach herauszufiltern, welche von allen Eindrücken und Erlebnissen blogwürdig sind, und welche nicht. Aber ich gebe mein Bestes in dieser Kurzfassung, in der ich erstmal nur die Umrisse meines Aufenthaltes bis jetzt schildere.


Am 5. September sind wir nach angenehmen 11 Stunden Flug in Lomé gelandet. Dort angekommen, wurden wir sofort mit offenen Armen von unseren beiden Mentoren Emmanuel und Freeman empfangen. Erschöpft und ein wenig verschüchtert von der plötzlich mir komplett fremden Umgebung und den schwülen Temperaturen, ging es dann mit einem großen Taxi das erste Mal durch die dunklen Straßen von Lomé.

Die erste Woche blieben wir noch in Lomé bei unseren Gastfamilien. Ich bei der Familie von Freeman, und Rosa bei Emmanuel. Zuerst verschreckte mich die Nachricht, dass ich mit meinem gebrochenen Französisch sofort alleine bei einer Familie wohnen sollte. Aber sowohl Freeman und seine Frau, als auch seine drei Töchter waren stets sehr geduldig mit mir, und ich fühlte mich sofort sehr gut aufgehoben. Schon bald war ich Mitglied der Familie Lawson, wurde behandelt wie eine Schwester und auch so bezeichnet. Vor allem die 9 jährige Berakiah konnte sich mit mir und meinen Haaren stundenlang vergnügen.

Diese Woche bestand zu 90% noch daraus Leuten vorgestellt zu werden. Von den Oberhäuptern der evangelischen Kirche in Togo (EEPT), bis hin zu den Lehrern der Schule hinter dem Haus der Lawsons, gab es noch viele mehr. Darunter war dann auch der erste Gottesdienst in Lomé sehr wichtig, bei dem wir uns vor der Gemeinde Vorstellen und mit unseren mitgebrachten Instrumenten Vorspielen sollten. Für diesen Anlass wurde uns sogar der Pianist der Gemeinde zugeschrieben, um mit uns zwei Stücke einzustudieren. Rosa mit ihrem Horn und ich mit meiner Flöte. So verbrachten wir mehrere Nachmittage damit „Möge die Straße“ und noch ein weiteres Stück vorzubereiten, um diese dann den ersten Sonntag in drei verschiedenen Gottesdiensten vorzustellen.

Den Dienstag darauf ging es dann endlich nach Kpalimé. Die Stadt, über die wir erst eine Woche vor unserer Ausreise Bescheid wussten, dass sie für uns die 12 Monate lang unser zu Hause sein würde. Angekommen auf dem Gelände des Collège Protestants, wurde uns direkt unsere Wohnung gezeigt. Sie wurde kurz vor unserer Ankunft frisch gestrichen und renoviert, und wir merkten sofort, dass wir die ersten Freiwilligen seit einer langen Zeit waren, die hier wieder leben durften. So wurde während wir uns umschauten noch ein frisch getischlerter Tisch von seinem Tischler und ein paar Helfern zu uns nach oben getragen.

Plötzlich sah dann die Wohnung komplett anders aus als ich es mir so viele Male zuvor ausgemalt hatte. Gasherd, Ofen, Dusche mit Heißwasserspeicher und sogar eine alte deutsche Waschmaschine?! Emmanuel hatte sich wirklich um alles gekümmert, und wir waren verblüfft, als wir Fotos der Wohnung von zwei Wochen vor unserer Ankunft zu sehen bekamen. Da hatte sich vieles getan!

Die ersten zwei Wochen in Kpalimé waren für uns noch eine kleine Herausforderung. Wir hatten alles was das Herz begehrte. Darunter auch extrem nette Ansprechpartner wie Claud der Schuldirektor (der gleichzeitig unser Nachbar ist), sowie Essignam die Sekretärin, die uns die ersten paar Male auf den Markt begleitet hatte. Jedoch hatten wir nicht wirklich etwas zu tun, da der eh schon späte Schulbeginn in Togo um noch eine Wochen nach hinten verschoben wurde, und wir somit auf einem leeren Schulgelände unsere Anfangszeit erlebten. Ich konnte mir nur schwer ausmalen wie es hier wohl aussehen würde, wenn Leben in die Bude kommen würde, denn alles schien noch sehr verlassen und merkwürdig leblos.

Doch das änderte sich langsam ab der Rentrée Pédagogique, bei der sich alle Lehrer wieder trafen um den Schulbeginn vorzubereiten. Auf einmal waren wir so ein bisschen integriert in die Lehrergruppe und wurden auch direkt von einer Englischlehrerin bei sich zum Essen eingeladen.

Generell sind hier alle extrem hilfsbereit und offen uns gegenüber. Und das schönste finde ich, ist die Antwort die man hier häufiger auf ein „Danke“ bekommt: „On est ensemble“; im Sinne von: „Nichts zu Danken! Es ist selbstverständlich dass wir uns gegenseitig Helfen.“ Daraus finde ich kann man eine Menge über die Mentalität der Menschen ziehen.

Nun sind wir schon in der dritten Schulwoche. Bis jetzt saßen wir viel hinten drin im Unterricht und haben über uns ergehen lassen wie hier der Unterricht so geschmissen wird. Was unsere Arbeit angeht, wissen wir noch nicht so viel. Uns steht alles offen zu machen und zu lassen wie wir es wollen. Doch schon jetzt haben wir gemerkt, dass von den Schülern selber eine Nachfrage an Deutschunterricht besteht, und selbst ein paar Lehrer sich interessiert zeigen bei uns deutsch Unterricht zu bekommen. Generell läuft hier vieles auch eher spontan ab und wir haben uns einfach daran gewöhnt nicht genau planen zu können was der morgige Tag so bringt.

Fun Fact: Smalltalk ist hier das A und O! Auf ein einfaches „Hallo“ kommt hier sofort eine Liste an Nachfragen aus den Leuten rausgesprudelt: „Wie geht es dir? Gut geschlafen? Wie war euer Abend?“. Das kann auch eine wildfremde Person interessieren, die du noch nie zuvor gesehen hast. Zum Glück können wir noch nicht so gut Ewe, sonst würden da noch „Wie gehts deiner Mutter? Deinem Vater? Deiner Oma? etc.“ dazukommen. Das ist der Höflichkeit-Standard wie ich ihn bis jetzt hier mitbekommen habe. Manchmal nervt es ein bisschen, weil mehr als „Ja“ und „gut“ kann man da nun mal nicht drauf antworten. Aber insgeheim fühlt man sich dadurch auch immer gleich willkommen und wohl.

Nun, das ist wirklich eine kurze Kurzfassung gewesen von den letzten 5 Wochen meines Lebens. Ich werde mich aber natürlich wieder melden mit mehr Details darüber, wie sich unser Alltag gerade so langsam einpendelt, und wir uns mit der Zeit immer mehr einfinden!

Ich freue mich über jegliche Grüße oder auch Fragen von euch allen!

Viele Grüße aus Togo und bis zum nächsten Mal,

Johanne

Die ersten Tage

Es ist jetzt über 2 Wochen her, dass ich Ghana gelandet bin. Was ich bis jetzt erlebt habe, ist schlecht zusammenzufassen und ich habe das Bedürfnis, jede Einzelheit aufzugreifen. Aber ich versuche, mich kurz zu halten.

Mein FSJ hat mit einem sechsstündigen Flug von Amsterdam nach Accra begonnen. Obwohl die Tage zuvor eigentlich auch schon dazu gehörten, so viele Dokumente, Pack- und Einkaufslisten für mein Auslandsjahr, wie ich ausgefüllt und abgehakt habe. Durch den ganzen Stress der vorigen Tage merke ich erst im Flugzeug, dass es jetzt wirklich losgeht und ich meine Freunde und Familie für ein ganzes langes Jahr nicht sehe.  Über Heimweh mache ich mir trotzdem weniger Gedanken, als um die Ankunft in Ghana. Die Unklarheit darüber, was mein zukünftiger Arbeitsplatz bei der Entwicklungsabteilung der Evangelical Presbyterian Church of Ghana (Evangelical Presbyterian Development and Relief Agency, kurz EPDRA) für Anforderungen und Erwartungen an mich hat, beschäftigt mich den ganzen Flug über. Dadurch überrumpelt mich die Landung in Accra, Ghanas Hauptstadt, ein bisschen. Als wir dann gut zwei Stunden auf Passkontrolle und Gepäck warten, stellt sich das Gefühl schnell ein und weicht purer Erschöpfung.

An diesem Tag geht es für meine Mitfreiwillige Antonia und mich jedoch noch bis nach Ho, der Hauptstadt der Volta Region, die östlich des namensgebenden Volta Stausees im Süden liegt. Hier befindet sich das Headquarter der Evangelical Presbyterian Church (kurz EPC), das wir ansteuern und in dessen Nähe Antonia und ich unser Jahr verbringen werden.


Am Flughafen werden wir von unserem Mentor Reverend Dela Amegbe und Eyram, meiner Vorgesetzten bei EPDRA, herzlich empfangen. Mein Gepäck und ich werden schnell in einen Bus der Kirche verfrachtet und um 23 Uhr machen wir uns auf den letzten Schritt meiner Anreise. Da in Ghana die Sonne schon um 18 Uhr untergeht, kann ich nur in den Dörfern und Städten etwas aus dem Busfenster erspähen. Jedoch döse ich durchgängig und werde nur von Baustellen und Schlaglöchern wachgerüttelt , sodass mir nur eine laute Party in einem Lokal am Straßenrand, eine Passkontrolle bei einem der häufigen Polizeikontrollpunkten direkt an den Straßen und ein paar Frauen, die Brot an anhaltende Autofahrer verkaufen, im Gedächtnis bleiben. Letztere tragen ihre Ware in großen Metallschüsseln auf dem Kopf, wobei oft ein mehrfach gefaltetes Tuch zwischen Haar und dem zu tragenden Objekt platziert wird.

In Ho angekommen werden wir im Kekeli Hotel direkt neben dem Kirchengelände untergebracht. An den folgenden Tagen wird uns sehr viel Zeit gegeben (uns kommt es manchmal als zu viel Zeit vor), uns an unsere neue Umgebung zu gewöhnen.

Mit dem Wetter habe ich eigentlich kein Problem. Es ist zwar den ganzen Tag über um die 28° warm und die Luftfeuchtigkeit ist hoch, aber man gewöhnt sich schnell an die Temperaturen. Gerade ist noch Regenzeit, die wie die deutschen Jahreszeiten durch den Klimawandel so verschoben wird, dass niemand genau sagen kann, wann sie denn jetzt vorbei seien wird. Der gelegentliche Nieselregen und seltener Platzregen beruhigen mich, teils weil ich das Prasseln aufs Dach gerne höre, teils weil es in der Trockenzeit noch heißer werden soll.

Auch an das Essen, das wir in Ho finden können tasten wir uns langsam ran. In der ersten Woche bin ich mir relativ sicher, dass ich zur Hälfte aus Reis bestehe. Abgesehen davon und sehr vielen Eiern, die mir als Vegetarier als Fleischersatz dienen, zeigt uns vor allem unser Freund Nelson Alternativen. Mit ihm probieren wir Banku, ein Gericht aus Mais, das als Kloß mit den Händen gegessen wird, und Indomie, angebratene Instantnudeln, die man an Ständen an der Straße kaufen kann. Zu beiden essen wir Peppee, eine Soße aus Chili, die ich jedoch kaum verkrafte, weil sie extrem scharf ist. Ein anderes mal kochen wir zusammen Plantain (Kochbanane) in ihrer Schale, die danach entfernt wird. Dazu gibt es Avocado, gekochtes Ei und eine scharfe Stew.

Auch unser Mentor zeigt uns ghanaisches Essen. Mit ihm probieren wir Jollofreis, den ich schon von meinem Urlaub in Ghana in 2019 kenne und liebe. Der Reis wird in Tomatensoße mit Gemüse und Chilis gekocht und hat dadurch eine orange-rote Farbe. Clement, ein weiterer Freund, der gleichzeitig auch bei der EPC arbeitet, bereitet dieses Gericht zur Einweihung in unserer Unterkunft vor. Dabei ruft er uns alle 5min dazu, damit wir lernen, wie wir es selber zubereiten können. 

Allgemein wurden wir bisher oft lecker bekocht. Von Yayra, einer ghanaischen Freiwilligen der EPC, lernen wir, wie wir Redred zubereiten. Ein weiterer Favorit von mir, da ich frittierte Plantain als mein neues comfort food gefunden hab. Dazu gibt es Bohnen mit Zwiebeln und etwas Chili angebraten in Gari, rotem Palmöl.

Zu meinen bisherigen Erlebnissen:

Ich verbringe sehr viel Zeit in der Kirche und im Kirchenchor. Beides macht mir überraschenderweise echt Spaß, da  die Gottesdienste deutlich musikalischer sind und ich es trotz fehlendem Talent mag zu singen. Darüber sehen die Chormitglieder im EPSU (Studentenorganisation der EPC) Chor großzügig hinweg. Nach einer beendeten Strophe wir mir manchmal ein aufmunterndes „You’re trying“ zugeflüstert.

Außerdem konnte ich das Yamsfestival besuchen, einer Beerdigung beiwohnen, die von meinem Mentor geleitet wurde und ein Fusballspiel zwischen Ho und einem Verein aus Accra beobachten. Zu Fussball und den Gottesdiensten wird es wahrscheinlich noch gesonderte Blogartikel geben.

Letztlich bleibt noch das Thema Arbeit:
Nach einer Woche Eingewöhnung durfte ich starten. Derzeit gibt es noch wenig für mich zu tun und ich verbringe viel Zeit damit, auf Mitarbeiter_innen zu warten, die mich mitnehmen, um Projekte von EPDRA zu besuchen. Ich soll zwischen verschiedenen Aufgaben rotiert werden. Der erste Plan ist, mich für einige Zeit in die Apotheke, die von EPDRA gefördert wird, eintauchen zu lassen. Auch ein Trip zu etwas weiter entfernten Projekten, zum Beispiel in Hohoe, ist geplant.

Eventuell werde ich auch in einer Schule arbeiten, auch wenn ich diese Beschäftigung für Freiwillige ohne weitere Ausbildung eher kritisch sehe.

Diese andauernde Unsicherheit was die Arbeit betrifft, verhindert, dass ich mich gerade komplett wohl fühlen kann. Im Privatleben geht es mir Dank den neuen Freunden, die ich bereits gefunden hab, dem Sport und den zahlreichen Skippo-Runden mit meiner Mitfreiwilligen und nicht zuletzt dem gemeinsamen Kochen ganz gut. Zwar fehlt mir mein Motorrad und Fussball (ich darf verletzungsbedingt noch nicht in einem hiesigen Team spielen), aber dafür schmiede ich schon Pläne…

Vorbereitungen für die Ausreise

Herzlich willkommen zu meinem ersten Blog Post!

In elf Tagen ist der Abflug nach Togo. Zusammen mit Johanne fliege ich am 5. September von Frankfurt über Brüssel und Accra nach Lomé (Hauptstadt von Togo). Der Countdown läuft also und ich muss noch sehr viel vorbereiten. Man vergisst schnell, wie viel man eigentlich machen muss, bevor man für zwölf Monate in ein anderes Land reist.

Was brauche ich alles? Was ist zuviel und unnötig? Wie sieht es vor Ort aus? Was kann ich mitbringen?

Das sind so ungefähr die Fragen, die momentan in meinem Kopf herumschwirren. Mir fehlen noch zwei Impfungen, ich muss meine Reiseapotheke aufstocken, viel Sonnencreme kaufen und noch einiges mehr. Dabei gehen der Abschied und das Ausziehen von Zuhause fast unter. Dazu kommt auf der anderen Seite die langsam, aber stetig steigende Aufregung und Freude… Jetzt weißt du ungefähr, wie es in mir aussieht und ich hoffe, der Berg an Vorbereitungsaufgaben wird ab jetzt täglich kleiner.

Hoffentlich hat dir mein kleines Update gefallen. Ich melde mich wahrscheinlich erst wieder, wenn ich schon in Togo bin.

Ich freue mich darauf!

Rosa 🙂

Adieu et voyage retour

Chères lectrices du blog, chers lecteurs du blog,


J’espère que vous allez très bien. Dans quelques jours, je ferai mon voyage de retour au Togo et je ne peux pas dire à quel point je suis heureuse de retrouver mon pays d’origine, ma famille, mes amis et mes proches. Cela a été une longue période ici en Allemagne, mais le temps a passé plus vite qu’on ne pouvait l’imaginer. Je suis incroyablement impatient de retourner enfin dans mon pays, mais la vie en Allemagne va aussi me manquer, surtout les bonnes personnes que j’ai pu rencontrer dans différents domaines. Pendant mon séjour en Allemagne, j’ai fait la connaissance de nouvelles personnes, que ce soit au travail, dans la vie quotidienne, dans les groupes de fanfare mais aussi dans mon cercle d’amis.

Adieux en Allemagne


Les adieux en Allemagne
J’ai commencé à le faire très tôt, car j’étais active, ou plutôt présente, dans de nombreux domaines. En plus de mon engagement à la Norddeutsche Mission et au Café Mittwoch, j’ai joué dans des chœurs de trombones et j’ai aussi été en contact étroit avec quelques familles. J’aimerais mentionner ici en particulier mes départs dans les chœurs de trombones. En effet, ils se sont presque tous déroulés de la même manière : lors de la dernière répétition avec l’ensemble du groupe et moi-même, il y a eu une demande de chanson de ma part, suivie d’un cadeau pour moi et d’un repas et d’une boisson en commun. C’était vraiment super et je me suis vraiment réjouie. Je remercie le Posaunenwerk de Brême, en particulier le chef de trombone du Land, Rüdiger Hille. Quand je suis arrivé à Brême, il m’a mis une trompette dans les mains pour que je l’emprunte. Finalement, j’ai pu la garder et je l’ai emmenée au Togo. Quelle surprise ! J’ai maintenant mon propre instrument et j’en suis très heureux.
Mon tout dernier départ a été particulièrement génial pour moi. Je ne m’y attendais pas. C’étaient les adieux à ma mentor Katrin Grumbt et à sa famille. En guise de dernier salut pour le voyage, ils ont joué de la musique surprise pour moi devant mon appartement de Vorkampsweg, en tant qu’ensemble familial. C’était génial et j’ai été franchement très touchée. Surtout par le chant qu’ils ont joué : „Kraft der ewigen Gottesliebe“ (force de l’amour éternel de Dieu), également un chant populaire dans le recueil de chants de l’Église évangélique au Togo.
C’était une bonne expérience en Allemagne. Bien qu’il y ait eu des creux où tout ne s’est pas passé comme je l’aurais souhaité, je dirais que les bons moments ont dépassé les mauvais et que je n’aurai que et toujours de bons souvenirs de mon volontariat ici en Allemagne.
J’espère que nous nous reverrons quelque part et un jour. D’ici là, je vous souhaite de passer de bons moments et que la route nous réunisse !


Votre Hermann