Mein erstes Lebenszeichen aus Togo…

Mittlerweile sind Johanne und ich schon über anderthalb Monate in Kpalimé, und ich habe mich immer noch nicht gemeldet. Irgendwie habe ich hier sehr viel Zeit und gleichzeitig gar keine, weil ich mich immer noch einlebe und viele Erlebnisse erstmal verarbeiten muss.

Ich werde mich in diesem und den nächsten Blogposts nicht damit aufhalten, dir alles zu schildern, was ich die letzten sechs Wochen erlebt habe. Sonst würde ich wohl noch im übernächsten Jahr rückblickende Blogposts schreiben. Glücklicherweise hat Johanne Vieles aus den ersten Wochen festgehalten. Unter diesem Link kannst du auf ihrer Blogseite mehr über unsere Ankunft, unsere Wohnung und unser Umfeld lesen: https://norddeutschemission.blog/category/freiwillige/johanne-in-togo/

Eigentlich wollte ich in diesem Blogpost einen typischen Tag von mir in Kpalimé schildern, aber bis jetzt sieht jeder Tag anders aus. Die meisten Menschen, die ich hier kennengelernt habe, planen nicht weit in die Zukunft und leben spontan in den Tag oder die Woche hinein. Das ist mir hier schon in sehr vielen Situationen aufgefallen. Eigentlich ist es ganz schön von meinem durchstrukturierten Alltag in Deutschland wegzukommen, und eine eher entschleunigte Seite des Lebens kennenzulernen und zu genießen (wahrscheinlich habe ich so eine Entschleunigung das nächste Mal erst wieder zur Rente…).

Ein Beispiel: Mittagessen im Internat des Collèges.

Das Internat der Schule beherbergt dieses Jahr acht Jungen und zwei Mädchen, die gemeinsam mit den anderen Schüler*innen das Collège protestant besuchen. Dreimal am Tag wird den sogenannten „Internes“ Essen von zwei Köchinnen gekocht. Zum Essen wird immer mit einer Glocke gerufen, die Johanne und ich natürlich auch immer hören, während wir in unserer eigenen Küche beim Kochen verzweifeln (das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es erfordert schon viel Kreativität und Arbeit, jeden Tag mindestens einmal zu kochen, vor allem wenn man ganz andere Zutaten als in Deutschland zur Verfügung hat…).

Durch die Glocke sind wir auf die Idee gekommen, vielleicht auch irgendwann einmal (oder mehrmals) im Internat zu essen und haben direkt den Direktor, Claude, gefragt. Zum Thema Spontanität: Am nächsten Tag um 12 Uhr klopft es an unserer Tür. Johanne und ich haben vor einer Stunde, wie jeden Samstag, einen Berg Pfannkuchen gefrühstückt. Ich öffne und der Direktor steht vor uns. „Ihr könnt rüberkommen ins Internat und Fufu essen.“ „Jetzt?“ – „Ja, jetzt sofort.“

Also finden wir uns circa eine Stunde nach unserem ausgiebigen Frühstück im Internat wieder und essen gemeinsam mit den Internat-Jungs einen riesigen Berg Fufu (traditionelles Gericht aus Yams oder Maniok), mit dem besonders Johanne, wegen ihres vollen Magens, zu kämpfen hat. Es war natürlich superlecker und auch echt spannend bei der Vorbereitung des Gerichts zuzuschauen. Trotzdem wäre es sicher schlauer gewesen, vorher nichts zu essen… Solche spontanen Aktionen erleben wir hier eigentlich fast täglich, was uns immer wieder in die verrücktesten Situationen bringt.

Ganz ohne Regelmäßigkeiten geht es aber dann doch nicht. Mindestens zweimal die Woche gehen Johanne und ich zum Markt. Mir ist aufgefallen, dass die meisten Menschen hier fast täglich zum Markt gehen und dann nur kleinere Mengen an Gemüse und Zutaten kaufen, die am selben Tag noch verwendet werden. Aber irgendwie ist es schwer, sich mit der deutschen Einmal-die-Woche-Großeinkauf-Mentalität daran anzupassen. Besonders wenn der Markt ein bisschen weiter vom Collège entfernt liegt und man nicht unbedingt motiviert ist jeden Tag 30 Minuten bei praller Sonne und 30 Grad zum Markt hin und 30 Minuten mit schweren Einkäufen wieder zurückzulaufen. Dank unseres tollen Kühlschranks können wir uns die tägliche Marktodyssee sparen.

Natürlich gibt es noch die Motorradtaxis, die hier überall die Straßen bevölkern und den Zeit- und Kraftaufwand erheblich reduzieren. Eine Moto-Taxifahrt sieht ungefähr so aus: Johanne und ich stellen uns vor das Tor des Collèges, das direkt auf die Straße rausgeht. Dann wird man eigentlich auch schon von mindestens drei vorbeifahrenden Taxis angehupt. Das Hupen bedeutet übersetzt nicht „Aus dem Weg!“ wie in Deutschland, sondern eher „Willst du mitfahren?“. Aber irgendwie mag ich es nicht gerufen zu werden und suche mir meinen Taxifahrer lieber selbst aus, indem ich das Taxi heranwinke. Der ganze Prozess dauert maximal drei Minuten, weil wirklich alle zehn Sekunden ein Taxi vorbeifährt. Manchmal denke ich, dass die Hälfte aller Männer in Kpalimé als Moto-Taxifahrer arbeitet, obwohl das natürlich nicht stimmt.

Nach der Auswahl nennt man das Ziel, wie zum Beispiel „Au marché!“ („Zum Markt“) und fragt am besten VORHER nach dem Preis, denn nach der Fahrt kann man nicht mehr verhandeln und der Fahrer kann eigentlich jeden Preis verlangen. Den Fehler haben wir leider schon einige Male gemacht… Eine Fahrt vom Collège zum Markt kostet normalerweise 300 CFA (umgerechnet ca. 45 Cent) für zwei Passagiere auf einem Moto. Am Anfang haben Johanne und ich immer zwei eigene Motos genommen, da mussten wir natürlich mehr zahlen. Mittlerweile sitzen wir eigentlich immer zu zweit hinten drauf. Und nachdem wir schon Familien mit vier Personen, Tischtransporte und Leitern auf einem Motorrad gesehen haben, machen wir uns wegen der Sicherheit auch weniger Sorgen. Trotzdem ist es am Anfang noch ungewohnt ohne Helm zu zweit hinten auf einem Motorrad mit 50 Kilometern pro Stunde durch volle Straßen zu fahren. Trotzdem macht das Moto Fahren echt Spaß und ich verstehe gar nicht, warum es solche Taxis nicht in Deutschland gibt. Die sind echt superschnell und sehr praktisch, wenn die Straße mal ein bisschen zu uneben für Autos ist.

Außer den Markteinkäufen geben Johanne und ich regelmäßig Deutschunterricht. Das machen wir eigentlich immer nachmittags.

Weil wir die ersten Freiwilligen am Collège protestant seit sieben Jahren sind, wissen der Direktor Claude und die Lehrer nicht so wirklich, was unsere Aufgabe und Arbeit hier ist. Eigentlich sollten wir in ungefähr acht Stunden in der Woche vormittags den Schüler*innen aller Klassenstufen in ihren Freistunden ein bisschen Deutschunterricht geben. Das wusste hier anscheinend niemand, oder es wurde missverstanden. Deswegen haben Johanne und ich nachmittags mit Hilfe von interessierten Schüler*innen und zwei Lehrern einen zusätzlichen Deutschunterricht organisiert, damit wir überhaupt unsere Aufgabe erfüllen und den Menschen vor Ort gleichzeitig auch etwas von unserer Sprache zeigen können. Kinder sowie Lehrer*innen sind hier total interessiert an der deutschen Sprache, was Johanne und ich erst gar nicht so richtig verstehen konnten. Ein Schüler hat uns nach einer Unterrichtsstunde sogar um Hausaufgaben in Deutsch gebeten. Zusatzaufgaben? Das wäre an meiner Schule in Karlsruhe ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

Der Deutschunterricht ist eigentlich immer eine echt lustige Sache. Die Schüler*innen lernen momentan ganz einfache Sätze, wie „Wie heißt du?“ oder „Wie alt bist du?“. Manchmal muss ich mich zusammenreißen, dass ich keinen Lachflash bekomme, weil die Aussprache teilweise so absurd ist. Ganz schwer ist zum Beispiel „eu“ und der Unterschied zwischen der Aussprache von „ei“ und „ie“. Am beliebtesten ist das Spiel „Galgenmännchen“ mit deutschen Wörtern. Mein persönliches Lieblingsspiel ist, wenn ich an der Tafel TicTacToe gegen verschiedene Schüler*innen spiele und jedes einzelne Mal gewinne, weil sie den Gewinnertrick nicht kennen (das hat leider nur wenig mit Deutsch zu tun…).

Vormittags ist das mit unserer Arbeit also momentan noch ein bisschen schwammig. Aber wir haben uns schon überlegt eventuell im Kindergarten oder in dem Frauenbildungszentrum der Kirche hier in Kpalimé mitzuarbeiten und so unsere Aufgabe ein bisschen umzuorientieren.

Ich könnte gerade noch so viel mehr von hier erzählen, aber ich bekomme langsam Hunger. Heute Mittag stehen Burger mit Karotten-Kohl Bratlingen auf dem Speiseplan (wahrscheinlich eine reduzierte Version, weil wir nicht alle Zutaten finden konnten). Mal schauen, ob wir das hinbekommen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Post einen besseren Einblick in mein Leben hier geben. Ich freue mich immer über Fragen und Feedback von dir! Wenn dich konkrete Themen genauer interessieren, über die ich hier schreiben könnte, schreib mir einen Kommentar und ich nehme das Thema in den nächsten Posts gerne auf.

Bis zum nächsten Mal!

Rosa

P.S.: Die Karotten-Kohl Bratlinge waren der Burner!!! Sehr empfehlenswert.

Vorbereitungen für die Ausreise

Herzlich willkommen zu meinem ersten Blog Post!

In elf Tagen ist der Abflug nach Togo. Zusammen mit Johanne fliege ich am 5. September von Frankfurt über Brüssel und Accra nach Lomé (Hauptstadt von Togo). Der Countdown läuft also und ich muss noch sehr viel vorbereiten. Man vergisst schnell, wie viel man eigentlich machen muss, bevor man für zwölf Monate in ein anderes Land reist.

Was brauche ich alles? Was ist zuviel und unnötig? Wie sieht es vor Ort aus? Was kann ich mitbringen?

Das sind so ungefähr die Fragen, die momentan in meinem Kopf herumschwirren. Mir fehlen noch zwei Impfungen, ich muss meine Reiseapotheke aufstocken, viel Sonnencreme kaufen und noch einiges mehr. Dabei gehen der Abschied und das Ausziehen von Zuhause fast unter. Dazu kommt auf der anderen Seite die langsam, aber stetig steigende Aufregung und Freude… Jetzt weißt du ungefähr, wie es in mir aussieht und ich hoffe, der Berg an Vorbereitungsaufgaben wird ab jetzt täglich kleiner.

Hoffentlich hat dir mein kleines Update gefallen. Ich melde mich wahrscheinlich erst wieder, wenn ich schon in Togo bin.

Ich freue mich darauf!

Rosa 🙂