Ich melde mich mal wieder

Liebe Blog Leserin,
Lieber Blog Leser,

Ich gebe es zu, ich habe mich wirklich lange nicht gemeldet. Der ein oder andere mag jetzt vielleicht denken, ich hätte vielleicht nichts mehr erlebt und deswegen nichts Neues zu erzählen. Doch das stimmt nicht. Was tatsächlich stimmt, ist, dass viele Dinge mittlerweile zum alltäglichen Leben gehören. Ich habe in der letzten Zeit nicht mehr allzu oft Zeit gehabt, mich über kleine Dinge zu freuen. Sind sie doch leider in meinem Alltag untergegangen. Das ist schade. Das weiß ich jetzt wieder. Wie mir das aufgefallen ist? Die letzten Tage bin ich die Treppe zu meiner Wohnung hoch und wieder runter gelaufen oder zugegebenermaßen runter gehüpft und habe nur aus dem Augenwinkel das grüne Blatt registriert, dass da schon seit Tagen in der Ecke liegt. Ein Blatt denkst du, warum hängst du dich jetzt so daran auf, Julia? Ganz einfach als ich mir vor drei Tagen dann doch die Zeit genommen habe, die Treppe hochzugehen und mal wieder meine Umgebung richtig wahrzunehmen, ist mir aufgefallen, dass es sich bei dem außerordentlich grünen Blatt um gar kein Blatt handelt. Es ist ein Käfer oder Schmetterling, das weiß ich nicht ganz genau, auf jeden Fall ein großes Insekt. Wunderschön anzusehen und beeindruckend, wie gut er sich als Blatt tarnen kann. So gut, dass ich, ohne dass ein Baum in der Nähe gewesen wäre, tagelang an dem kleinen Kerl vorbeigelaufen bin und nicht mal erkannt habe, dass es sich nicht um ein Blatt handelt. Ein kleines Ereignis, vielleicht für jemand anderes unbedeutend, nicht aber für mich. Ich werde jetzt wieder mehr auch auf die kleinen Dinge des Lebens achten. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt diesen Blogeintrag schreibe. Es ist wichtig, die vielen Erlebnisse zu teilen, so klein sie auch scheinen mögen. Also fangen wir an:
Am 13.11 (ja, ich weiß, dass das schon etwas her ist) war der 172. Founders Day der E.P Church. Im Jahr 1847 wurde in der Stadt Peki, 50 Minuten von Ho entfernt, die erste Kirche der E.P Chruch gebaut. Ganz spontan habe ich mich mit Reverent Ken nach der Schule auf den Weg nach Peki gemacht. Da sollte an diesem Abend zur Feier des Tages in eben dieser Kirche ein Gottesdienst mit Musical abgehalten werden. Ich habe also an diesem Tag nicht nur Peki kennengelernt, die University of Ep Church angeschaut, sondern bin auch Zeugin eines beeindruckenden Musicals geworden. Eine Gruppe von ca. 40 Sängerinnen und Sängern aus Ho hat unter der Leitung eines 90- jährigen Herrn, der in Ho weit und breit für seine Musicalausarbeitungen bekannt ist, ein dreistündiges „Spektakel“ auf die Beine gestellt. In mehreren Akten wurde dargestellt, wie die Deutschen das erste Mal auf die Ghanaer treffen, es zu Beginn Kommunikationschwierigkeiten und Misstrauen gibt, sich dann angenähert wird und die Menschen begannen, einander zu verstehen. Besonders schön fand ich, wie passend die jeweiligen Lieder, die, wie ich gelernt habe, der Zeit nachempfunden sind, zu den Emotionen passten. Es ist wunderbar deutlich geworden, wie sich die Art des „Worships“ verändert hat. Zum Schluss bin ich Teil des Musicals geworden, denn am Ende wurde dargestellt, wie die Deutschen die Ghanaer heilten. Ein junger Mann spielte einen Blinden. Als er wieder sehen konnte, kam er auf mich zu und tat so, als wäre ich die erste Person, die er jetzt, wo er sein Augenlicht zurückerlangt hatte, sehen könne. Danach wurde den Sängerinnen und Sänger mit tosendem Applaus und einem kleinen Offering gedankt. Wie dem ein oder anderen vielleicht schon aufgefallen ist, stellt das Musical die Ankunft der Deutschen als sehr positiv dar. Ob es das immer war? Da bin ich mir nicht so sicher und es lässt sich auf jeden Fall auch anzweifeln. Was aber sicher ist, dass hier zu Ehren des Founders Days ein beeindruckendes Musical aufgeführt wurde, das ich so schnell nicht wieder vergessen werde.
Apropos Kleinigkeiten und Musik… Ich möchte mal was zur Musik im Allgemeinen sagen. Ich habe lange überlegt, ob ich das in meinen Blog schreiben soll, immerhin ist es vielleicht für andere sehr schwer nachzuvollziehen. Dennoch spielt Musik seitdem ich hier bin eine noch größere Rolle für mich, als vorher schon und ich finde es wichtig, davon zu erzählen, wie wichtig Musik seitdem ich hier bin, für mich geworden ist. Die Verbindung zur Musik ist schon dadurch gegeben, dass ich zwei Wochen nach meinen Ankommen dem EPSU- Chor ( E. P Students Unit) meiner Kirche, also dem Jugendchor der Đela Cathedral beigetreten bin. Ich lerne wöchentlich neue Lieder und finde auch, dass es mir sehr viel leichter fällt, mir Stimmen und Melodien zu merken, auch wenn ich die Sprache teilweise nicht verstehe oder mir einzelne Texte übersetzen lassen muss.
Weiter geht es dann am Sonntagmorgen. Wenn in der Kirche die Band die unterschiedlichsten Lieder spielt, zieht sie mich immer wieder in ihren Bann. Ob das an der Melodie, den Texten oder den Sängern liegt, weiß ich nicht. Ich habe auf jeden Fall für mich festgestellt, dass diese Art von Musik, auch wenn der Text mal auf Ewe ist und ich ihn nicht verstehen kann, mich unglaublich berühren kann. Ich finde es beeindruckend, dass diese Musik bei mir Gefühle hervorrufen kann, die ich vielleicht sonst nicht zeigen würde. Mir ist klar geworden, dass Musik für mich der beste Weg zum Glauben ist. Und sie erreicht mich auch Zuhause. Da ich quasi direkt neben der Đela Cathedral wohne, höre ich eigentlich immer, wenn dort geprobt wird oder einer der vielen Gottesdienste stattfindet. So wache ich beispielsweise morgens um fünf nicht von meinem Wecker, sondern von der Musik aus der Kirche auf. Eine Kleinigkeit, die ich auch jetzt noch zu schätzen weiß. Hoffen wir, dass ich nicht irgendwann davon genervt bin. Bis dahin sollte aber noch einige Zeit ins Land gehen. Hoffentlich dauert es nicht so lange, bis ich mich mal wieder melde. Bleibt gesund!

Menschen werden Menschen sein

Liebe Kordei,

Tut mir leid, dass ich so lange weg war, Seminare und Arbeit haben mich beschäftigt. Ich vermisse Ghana…. da habe ich es gesagt. Ich vermisse das Scherzen beim Verhandeln um den Preis einer Ware, ich vermisse die Trotros1 nicht so sehr, aber ich vermisse definitiv einige der Plänkeleien über Tarife und Sitzplätze. Ich vermisse es, auf dem Markt zu gehen und dann eine zufällige Person sagen zu hören “Obaa wo y3 kama“2 oder “Tumtum Ahuofe“3, das allein kann einem jeden Tag erhellen.  Ich vermisse es, Fanice4 an einem heißen Tag zu essen und Kenkey5 zum Frühstück zu haben. Ich vermisse die Art und Weise, wie die meisten Ghanaer schnell den Problemen des anderen zuhören und Lösungen anbieten. Ich vermisse es, dass wir uns manchmal einfach nicht um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern können.  Ich vermisse die Tatsache, dass fast alles repariert werden kann und ich keine neuen Dinge kaufen muss. Ich vermisse die Menschen und die Gastfreundschaft. Ghana hat auch seine Schattenseiten, aber in diesem Brief geht es um Deutschland und nicht um Ghana.

Diese Erfahrungen, die ich gleich mit dir teilen werde, haben diese Frage in meinem Kopf aufgeworfen. Bilden Menschen ein System oder macht ein System die Menschen? Ein Denkanstoß für dich. Kordei, ich weiß nicht einmal, warum wir versuchen, einander zu diskriminieren, wir sind doch alle eins. Derselbe Gott hat uns alle erschaffen, wir leben nur in verschiedenen Kulturen und Einflüssen. Man sollte meinen, dass es einem Land, das über eine ständige Wasserversorgung und eine Vielzahl von Reinigungsmitteln verfügt, keine unhygienischen Menschen mangelt, aber nein. Hygiene ist wirklich eine persönliche Sache. Es dämmert dir gerade, dass wir alle gleich sind.

Wo es reiche Menschen gibt, gibt es auch arme Menschen. Wo Verstand ist, existiert auch Verrücktheit. So wie es angenehme Menschen gibt, so gibt es auch die unangenehmen. Im Sommer nahm ich nicht gerne den Bus und die Straßenbahn. Warum? Weil es dort komische Gerüche gab, einige verschwitzte Leute und ich schätze, einige Menschen, die baden, indem sie nur ihr Gesicht und ihre Achseln waschen.

Das ist ähnlich zu einem heißen Tag in Accra, wenn du das Pech hast bist, in der Nähe einiger der Trotro-Mates zu sitzen6. Du verlässt das Trotro vielleichtmit Falten, wegen all der eigenen Grimassen. Ich habe aber auch einige getroffen, die wirklich gute Hygienepraktiken haben.

Ich hatte eine Erfahrung mit einem Perversen im Bus, aber das muss ich dir persönlich sagen. Menschen werden Menschen sein! Ich weiß, dass die meisten Menschen in Ghana sagen, dass Krankenschwestern unhöflich sind, aber ich hatte das Glück, die Lieben zu treffen. In Deutschland habe ich die unhöflichen getroffen. Da ich hier krankenversichert bin, habe ich mich entschieden, mich untersuchen zu lassen. Ich war bereits bei einem Allgemeinmediziner, so dass der nächste Arzt ein Gynäkologe war. Mein Koordinator half mir, indem er mir eine Liste derjenigen in meiner Nähe gab. Anscheinend sind Gynäkologen hier beliebt wie heiße Semmel, sie sind beschäftigt und mehr gebucht als ein Verkäufer, der versucht, sein Verkaufsziel an einem Stichtag zu erreichen.

Jeder Mensch hat eine Grenze der Belastbarkeit. Ich hatte für einige Zeit hatte etwas Heimweh. Mein Deutsch hat sich im Laufe der Monate verbessert. In der ersten Praxis, gleich nachdem ich die Krankenschwester um einen Termin gebeten hatte, sagte sie mir schnell, dass sie für das Jahr ausgebucht sind, bis ins nächste Jahr. Ich fragte sie, ob sie einen anderen Arzt kenne, aber ich beendete nicht einmal meine Frage und sie sagte nein. Gegenüber von diesem Arzt war eine weitere Praxis, ich ging hinein und diese zweite Krankenschwester war noch schlimmer. Sie ließ mich nicht einmal grüßen und sagte, dass sie keine Termine hätten. Ich sagte dann: okay, ich bin bereit, für das nächste Jahr einen Termin zu vereinbaren und sie sagte immer noch nein. Sie wollte mir nicht einmal zuhören. Ich dachte, mein Deutsch sei so schlecht, also versuchte ich sie zu fragen, ob sie Englisch sprechen könne und ihr Nein war stärker denn je. Als ich danach auf den Parkplatz kam, fing ich einfach an zu weinen. So richtig hässliches Weinen à la Annalise Keating. Ich beschloss, die Gynäkologie-Termine aufzugeben und habe dann einen Zahnarzt aufgesucht. Gott sei Dank habe ich eine süße, herzliche und gastfreundliche Zahnarztpraxis (Besters & Partner) in der Vahr gefunden. Die Krankenschwester konnte zwar kein Englisch sprechen, war aber geduldig mit mir. Als ich nach einem Gynäkologen in der Nähe fragte, fragte sie höflich nach dem schrecklichen Ort, den ich vorhin besucht hatte. Ich sagte ihr, sie seien alle ausgebucht. Dann sagte sie mir, dass sie sonst von keinen  wusste. Wie süß von ihr.

Andererseits werden Menschen immer Menschen sein. Am selben Tag, an dem ich unhöfliche Krankenschwestern traf, traf ich auch eine herzliche. Gleichzeitig kann jemand zu dir im Bus unangebracht sein, und auf der anderen Seite bietet dir jemand einen Sitzplatz an, weil du grade viele Dinge mit dir trägst. Ich bewundere es wirklich, wie die jungen Menschen den Senioren in Bus und der Straßenbahn ihre Plätze anbieten.

Oh ja, eine neue gynäkologische Praxis hat vor kurzen nahe bei der Arbeit eröffnet, also habe ich bereits einen Termin für dieses Jahr gebucht. Und oh ja. Die Krankenschwestern dort waren sehr nett, so dass ich meine vorige missliche Lage fast vergessen hätte. Sie waren so geduldig, eine von ihnen verstand kein Englisch und war geduldig mit mir, als ich mein Handy benutzt ahbe, um zu übersetzen und mit ihr zu sprechen.

Es ist interessant, wie wir schnell kommentieren: „Das kann im Ausland nie passieren“. Einige Dinge können nie passieren und das ist wahr. Aber wenn es um menschliches Verhalten geht, sind wir uns alle viel ähnlicher, als du denkst.

Kordei, das heißt, wir sind alle eins. Wir denken, wir weinen, wir lachen, wir fühlen. Wir sind eins, also warum der Hass? Das bringt mich auf die Frage: Machen Menschen ein System oder macht das System die Menschen?

Ich wünsche dir eine schöne Woche!

Dein Borga,

Ems.

Lexika

1.            Trotro – ein Kleinbus, der normalerweise überfüllt ist und ein gängiges Verkehrsmittel ist.

2.            Obaa wo y3 kama –  Übersetzung aus der Sprache Twi aus Ghana für „Du bist so eine nette Dame“.

3.            Tumtum Ahuofe – Twi für „schwarze Schönheit“

4.            Fan-Vanille-Eiscreme, die in einem kleinen Beutel verkauft wird.

5.            Kenkey – gekochter fermentierter Mais in Maisschalen gewickelt

6.            Trotro mate – Unterstützen die Trotro-Fahrer, indem sie die Fahrpreise von den Fahrgästen einholen.

7.            Annalise Keating – Charakter gespielt von Viola Davis in “How to get away with murder“‘.

People will be people.

Dear Kordei,

Sorry I have been away for so long, seminars and work have kept me busy. I miss Ghana… there I said it. I miss the banter when bargaining for the prices of a good, I do not miss the trotros1 that much but I definitely miss some of the quibbles and squabbles that happen over fares and seats. I miss walking in the market and then hear a random person say ‘’Obaa wo y3 kama’’2 or ‘’Tumtum Ahuofe’’3, that alone can brighten anyone’s day.  I miss eating Fanice4 on a hot day and having kenkey5 for breakfast. I miss the way most Ghanaians are quick to listen to one another’s problems and offer solutions. I miss how sometimes we just can’t mind our own business.  I miss the fact that almost everything can be repaired and I don’t have to buy a new one. I miss the people and the hospitality. Ghana has its downsides as well but this letter is about Germany not Ghana.

These experiences I am about to share with you have created this question in my mind. Do people make up a system or does a system make the people? That’s your food for thought. Kordei, I don’t even know why we try to discriminate against one another, because we are all one. The same God created us all, just different cultures and influences. You would think that a country that has constant supply of water and variety of detergents would lack unhygienic people but Nope. Hygiene is really a personal thing. It just dawns on you that we are all the same.

Where there are rich people, there are poor people. Where there is sanity, there is insanity. The same way where there are pleasant people, there are the unpleasant ones. During the summer, I did not like taking the bus and the tram. Why? Because it had a funny smell, some sweaty people and I am guessing who bath by just washing their face and armpits.

The same way on a hot day in Accra and you are quite unfortunate to sit close to some of the trotro mates6. You might leave the trotro with wrinkles because of all that grimacing. I have met some trotro mates who practice good hygiene though.

I had an experience with a pervert on the bus but I will have to tell you about that ordeal in person. People will be people! I know people say most nurses in Ghana are rude but for me I have been fortunate to meet the lovely ones. It is in Germany that I have met the rude ones. Since I have health insurance here, I decided to do a check-up. I have already been to a general physician so the next was a gynaecologist. My coordinator helped by giving me a list of those near my vicinity. Apparently, Gynaecologist here are hot cakes, they are busy and booked more than a salesperson trying to meet his target on a deadline day.

Everybody has a breaking point, for some time I was somewhat homesick. My German has gotten better over the months. At the first place, right after I asked the nurse for an appointment, she quickly told me they are booked for the year so until next year . I asked her if she knew any other place, I did not even finish my question and she said no. Right opposite that building was another one, I went in and this second nurse was even worse. She did not even let me greet and she said no appointments. I then said okay, I am ready to book for next year and she still said no. She did not even want to listen to me. I thought my German was that bad so I tried to ask her if she could speak English and the no was stronger than ever. I got to the parking lot and I just started to cry. Like real Annalise Keating7, ugly face tears. I decided to give up on the gynae appointments and then see a dentist.  In addition, thank God, I found a sweet, warm and hospitable dentist practice (Besters & partner) in the Vahr. The nurse though could not speak English, was patient with me. When I asked about a gynae nearby, she politely asked about the horrible place I visited earlier. I told her they were all booked. She then told me she did not know any other else. How sweet of her.

Then again, people will be people. The same day I met rude nurses, I met a sweet one too. The same way sometimes, someone can be inappropriate in a bus is the same way someone can offer you a seat because you are carrying lots of things. I really admire how the young ones still offer their seats to the senior citizens in the bus and tram.

Oh yeah, a new gynaecology practice opened up close to work so I have already booked one for this year. And oh yes. The nurses there were very lovely to the extent that I nearly forgot my earlier terrible predicament. They were so patient, one of them did not understand English but she was patient with me when I used to my phone to translate and talk to her.

It is funny how we are quick to  comment ‘’ This can never happen abroad’’. Some things may never happen and that is true. but when it comes to human behaviour, we are all way more alike than you think.

Kordei, this is to say that we are all one. We think, we cry, we laugh, we feel. We are one, so why the hate? Brings me to the question: Do people make a system or does the system make the people?

Have a great week!

Your Borga,

Ems.

Lexicons

  1. Trotro – a minibus that is usually overcrowded and it is a common mode of transport
  2. Obaa wo y3 kama –  Twi language from Ghana  for You are such a nice lady
  3. Tumtum Ahuofe – Twi language from Ghana for Black beauty
  4. Fanice– vanilla ice cream sold in a small sachet
  5. Kenkey – cooked fermented corn wrapped in corn husks
  6. Trotro mate – Assists the trotro drivers by collecting fares from the passengers
  7. Annalise Keating – Character played by Viola Davis in ‘’How to get away with murder?’’

Medunu

In diesem Blogeintrag werde ich ein wenig über meine Erfahrungen mit dem Essen hier in Ghana berichten. Da ich alleine in meiner Wohnung lebe, sind bei mir Zuhause noch nicht so viele einheimische Gerichte auf den Tisch gekommen. Besonders wenn es schnell gehen muss, wird es dann der Einfachheit halber ein Nudel- oder Reisgericht. Trotzdem habe ich schon durch das Essen an der Straße, in Restaurants, durch Einladungen oder Besuche bei meinem Mentor und seiner Familie einiges von der ghanaischen Küche probiert. Bis jetzt, so viel lässt sich sagen, bin ich noch nicht enttäuscht worden (gut, vielleicht mal von meiner ersten selbstgemachten Tomatensoße mal abgesehen. Mag sein, dass ich das eine Gewürz, wer weiß was das war, aus meinem Kühlschrank nicht hätte benutzen sollen). Sehr viel wird hier „fried rice“ mit Hähnchen gegessen. Dazu wird häufig dann Salat und eine Tomatensauce mit viel Pfeffer und Chili gereicht. Das geht einfach und schnell und wird daher auch viel an der Straße verkauft und bei Veranstaltungen als Lunch gereicht. Besonders gerne esse ich „Redred“ das ist ein Gericht aus Bohnen, die dann mit „fried plantane“, also frittierten Kochbananen zubereitet wird. Besonders lecker ist Fufu. Das ist ist ein fester Brei, der aus Maniok und einem kleinen Anteil Kochbananen zubereitet wird, in dem erst Maniok und Kochbananen gekocht werden und dann mit einem großen Mörser per Hand zu diesem Brei gestampft werden.
Es wird mit den unterschiedlichsten Soups serviert und drüber hinaus häufig als Beilage verwendet. Wichtig! Fufu wird nicht gekaut, sondern einfach ohne zu kauen, geschluckt. Das ist zugegebenermaßen etwas ungewohnt, wenn man es das erste Mal macht. Aber man gewöhnt sich auch genauso schnell daran.
Zum Frühstück esse ich immer Brot und Obst. Das Brot, dass es gibt lässt sich in zwei „Arten“ unterteilen. Da gibt es einmal „Teabread“ und zum anderen „Sugarbread“. Ich glaube der Unterschied besteht darin, dass bei dem Teabread die Kruste ein wenig härter ist, als bei dem Sugarbread. Das Obst ist immer sehr frisch und man schmeckt die Sonne, die es gesehen hat.
Auch sehr gerne esse ich „fried yam“. Yam ist geschmacklich vergleichbar, mit Kartoffeln. Genauso, wie die Kartoffel, kann man Yam nicht nur frittieren, sondern auch kochen oder in der Pfanne anbraten. Ist man unterwegs und bekommt Hunger, muss man sich nur umschauen und findet bestimmt etwas zu Essen, denn immer sind Männer und Frauen unterwegs, die das unterschiedlichste an Essen und kleinen Snacks verkaufen.
Als ich die ersten Tage in der Schule war, hat eine Lehrerin, die gerade ihr Essen ausgepackt hatte:“You are invited.“ Zunächst wusste ich nicht, was sie meinte. Doch schnell wurde mir klar, dass sie mich zum „Mitessen“ eigeladen hatte. Erst langsam ist mir klar geworden, dass das hier höflich ist. Wann immer man selbst etwas isst, lädt man Menschen um sich herum mit den Worten „You are invited“ oder auf Ewe „Medunu“ dazu ein, mit zu essen.

Außerdem…

Letzte Woche war in ganz Ho für alle Basic Schools eine Sportwoche. Also auch an meiner Schule. Als ich montags durch das Tor auf den Hof der E.P. Basic School Ho Heve gegangen bin, sind mir die ganzen Kids aufgefallen, die die unterschiedlichsten Sportarten ausübten. Das ging von Fußball über Volleyball bis hin zu Basketball. Da eigentlich sonst nur Freitags die Klassen Sportunterricht haben, habe ich eine Lehrerin gefragt, was die Kids da machen. Es ist eine Sportwoche, sagte sie. Am Donnerstag und Freitag würden wir uns mit drei anderen Schulen auf einem Sportplatz versammeln und in den unterschiedlichsten Disziplinen gegeneinander antreten. Der Anfang dieser Woche war also zum Üben der Sportarten gedacht. Ich habe also in dieser Woche wenig unterrichtet, sondern viel mehr beim Basketball zugeschaut, beim Volleyball mit angefeuert, die Lehrer unterstützt und viel mit Fußball gespielt. Am Donnerstagmorgen haben sich dann alle Lehrer und Schüler auf dem Sportplatz der Mauwli Senior Highschool versammelt. Ein DJ sorgte für die musikalische Untermalung. Heute waren die Leichtathleten dran. Es ging los mit den 2000m – Mädchen und den 5000m – Jungen. Sowohl die Mädels, als auch die Jungs haben sich größtenteils gut geschlagen und bis auf einen jungen Herrn, haben alle sicher das Ziel erreicht. Die Sonne war sehr stark, weshalb viel Wasser einfach nur zum Abspritzen der Sportlerinnen und Sportler genutzt wurde. Auf die Langstreckenläufe folgten die 800 und 400m Mädchen und Jungen. Bei den 400m Jungen gewann ein Junge aus der 8. Klasse meiner Schule. Das hat sowohl mich als auch alle anderen der Lehrer der Basic School Ho Heve gefreut! Bei den darauf folgenden 200m ist er nochmal gelaufen. Der arme Junge dachte ich. Das hätten mir meine Trainer damals beim Leichtathletik nicht geraten. Aber er lief so viel schneller als die anderen Jungs und gewann auch dieses Rennen. Meinen Respekt hat er dafür auf jeden Fall.
Am Freitagmorgen war das Wetter nicht so gut, sondern deutlich kühler. Gut für die Sportler. Gespannt verfolgte ich die Fußballspiele und Volleyballmatches. Die Mädels und Jungs haben sie alle echt angestrengt und ihr Bestes gegeben. Klar jedes Team wollte für seine Schule gewinnen. Sehr schön fand ich es zu sehen, wie die Lehrerinnen und Lehrer mit ihren kleinen Sportlern mitfieberten. Viele wollten oder konnten nicht still sitzen bleiben, sondern standen immer wieder auf, um vom Rand des Spielfeldes die Fußballerinnen und Fußballer anzufeuern und ihnen Tipps zuzurufen.

Gerade war die Fußballmannschaft der Jungen unter 15 meiner Schule an der Reihe und hatte leider beim Elfmeterschießen 6 zu 7 verloren, da fing es an, zu gewittern. Ich dachte noch, dass ich unter dem Zelt, das extra für die Lehrer aufgestellt worden war, damit sie vor der Sonne geschützt die Veranstaltung beobachten konnten, nicht nass werden würde. Tja falsch gedacht. Es konnte aber auch niemand damit rechnen, dass es so plötzlich so stark anfangen würde zu regnen. Nach zwei Minuten konnte das Zelt dem Regen nicht mehr standhalten. Mit allen anderen – Schülern, Lehrern und Helfern- habe ich mich unter einem Dachvorsprung untergestellt. Und darauf gewartet , dass der Regen aufhört. Einige Jungs sprangen auf der Wiese herum und warfen sich in die Pfützen. Ich muss zu geben, dass ich das auch ganz gerne mal gemacht hätte. Denn wann haben wir in Deutschland mal einen Regen, bei dem es so angenehm warm ist, dass man gerne raus möchte. Als der Regen eine halbe Stunde später aufhörte, waten alle mehr oder weniger klatschnass und durchgefroren und die weiteren Turniere wurden auf Samstag verschoben. Ich bin gespannt darauf, ob meine Schule noch ein paar Turniere gewinnen kann nach Hause gegangen.

Mein Leben in Notsé

Hallo zusammen und herzlich Willkommen zu meinem zweiten Blogpost!

Da ich ja jetzt schon sechs Wochen in Togo und schon einen Monat in Notsé in meiner Einsatzstelle bin, dachte ich, es wäre doch an der Zeit, euch mal ein bisschen vom Leben hier vor Ort und meiner Arbeit zu erzählen. Inzwischen habe ich mir nämlich so einigermaßen einen Überblick verschafft und kenne so einigermaßen die Abläufe in der Kirche und der Schule.

Zu erst einmal zu meiner Unterbringung bzw. den “Rahmenbedingungen” meines Aufenthaltes:

Ich wohne in Notsé, einer Kleinstadt etwa 60 km nördlich von der Hauptstadt, die in 1 ½ bis 2 Stunden mit dem Auto von Lomé aus zu erreichen ist. Hier wohne ich ziemlich zentral auf dem Gelände des CEPRODED, kurz für “Centre Protestant pour le Developpement Durable”, also evangelisches Zentrum für Nachhaltige Entwicklung. Hier gibt es zum Beispiel eine Krankenstation und eine Art Bauernhof, und hier werden viele Tagungen und Schulungen für Verantwortliche aus kleineren Dörfern durchgeführt, wo sie lernen, wie sie die Situation dort verbessern können. Neben meiner Wohnung gibt es noch andere Wohnhäuser des Verwaltungspersonals, in denen auch mehrere Familien mit Kindern wohnen.

Die Leute hier im CEPRODED fühlen sich ziemlich verantwortlich für mich und haben mich direkt sehr herzlich aufgenommen. Sie unterstützen mich, wo es geht, und durch die Hilfe vor allem von Albert, dem Finanzverwalter des Zentrums, und seiner Frau Virginie, habe ich mich direkt gut in Notsé zurecht gefunden und wie zuhause gefühlt. So haben sie mich direkt am ersten Sonntag zum Mittagessen eingeladen und auch sonst verbringe ich viel Zeit bei ihnen im Haus und mit ihren drei kleinen Kindern. Auch hat Virginie mir schon geholfen, auf dem Markt einzukaufen, was schwieriger ist, als gedacht, wenn man keine Ahnung hat, wie viel die Sachen zu kosten haben und wo man in dem Gewusel was findet. Außerdem hat sie mir schon beigebracht, ein paar typisch togolesische Gerichte zu kochen, was echt Spaß macht.

Jetzt aber zu erst einmal zu meiner Arbeit: Ich arbeite hier im Collège Protestant von Notsé, also einer Art evangelischem Gymnasium. In Togo ist Deutsch ein Wahlfach ab der Oberstufe, also auf dem Lycée. Hier begleite ich den Deutschlehrer in den Unterricht und er stellt mir viele Fragen und ich kann oft von dem Leben in Deutschland erzählen, was nett ist. Aber meine Hauptaufgabe ist der eigenständige Deutschunterricht in den Klassen 6 bis 9, wo ich in jeder Klasse, insgesamt acht, einmal die Woche bin. Der Unterricht wird aber nicht benotet und ist eher wie eine Art AG, weil die Kinder sonst viele Freistunden haben und unbeschäftigt sind.

Die Schülerinnen und Schüler sind ziemlich motiviert und so macht es viel Spaß, dort zu unterrichten. Die ersten Wochen habe ich besonders mit den kleinen erstmal viel gesungen, zum Beispiel “Gottes Liebe ist so wunderbar”, was sie sehr begeistert hat, da die meisten Kinder hier singen lieben. Mit den größeren habe ich die Begrüßung und Vorstellung wiederholt und das Alphabet und die Zahlen geübt. Da ich die erste Woche mir erstmal nur den Unterricht der anderen Lehrer angesehen habe, konnte ich mir danach ganz gut vorstellen, was für Methoden die Kinder so gewöhnt sind und wie die Lehrer hier so Sprachen beibringen. Der Unterricht ist relativ frontal gehalten, was aber auch daran liegt, dass es vierzig bis fünfzig Schüler auf relativ engem Raum in einer Klasse gibt, so dass zb. Gruppenarbeit nicht möglich wäre. Um die deutschen Wörter zu üben, spreche ich sie den Kindern vor und sie wiederholen sie dann, oder man kann auch mal einzelne Kinder an die Tafel bitten, um Aufgaben zu lösen. Leider gibt es in vielen Fächern keine Bücher, weswegen die Lehrer ziemlich viele Texte diktieren müssen. Dadurch geht natürlich ziemlich viel Zeit verloren, weshalb die Lehrer häufig noch nachmittags zusätzlichen Unterricht zum Aufholen des Stoffes machen.

Insgesamt finde ich die Atmosphäre in der Schule ziemlich angenehm und entspannt. Die Lehrer sind unter Umständen etwas strikter im Unterricht mit den Schülern, haben aber sonst ein gutes Verhältnis zu ihnen und machen gerne Witze und so weiter. Auch die Stimmung im Lehrerzimmer ist gut und ich wurde sehr positiv und interessiert aufgenommen. Da die meisten Lehrer jung sind, konnte ich mich schon mit einigen ganz gut anfreunden. Da ich aber das gleiche Alter wie viele Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe habe, habe ich auch hier schon viele Kontakte knüpfen können und verbringe die Pause abwechselnd im Lehrerzimmer oder bei Schülern, von denen ich gerne zum Essen eingeladen werde, was hier ziemlich üblich ist. Auf dem Schülgelände werden nämlich ganz viele verschiedene Gerichte und auch Süßigkeiten verkauft.

Wenn ich Freistunden habe, gehe ich aber auch häufig zum Kindergarten, der nebenan ist. Hier helfe ich der Kindergärtnerin, die sich um vierzig Kinder alleine kümmert, wo es geht ein bisschen, vor allem lerne ich aber selber ganz viel, da die meisten Kinder nur Ewe sprechen und ich so gezwungen bin, mir das ein oder andere anzueignen. Es gibt zwar nicht viel Spielzeug, aber die Kindergärtnerin beschäftigt die Kinder mit Bewegungspielen auf dem Hof, mit Liedern oder kreativen Aufgaben. Unten könnt ihr ein Foto von der Schule bzw. einem Klassenraum und dem Kindergarten sehen.

Jetzt noch mal ein bisschen was zu meinem Alltag und meiner Freizeit. Da ich meistens nur bis 12 Uhr oder 13h30 Unterricht habe, habe ich am Nachmittag relativ viel freie Zeit zur Verfügung. Da die Schule schon zwanzig vor sieben beginnt und ich dementsprechend früh aufstehen muss, ruhe ich mich, wie die meisten Leute hier, nach der Schule erstmal ein bisschen aus, was aber auch an der Hitze liegt, in der man nicht so richtig Lust hat, etwas zu machen. Danach koche ich meistens etwas und erledige etwas Hausarbeit. Oft gehe ich auch zum Beispiel einkaufen und quatsche dann gerne auch länger mit den Verkäufern in den kleinen Läden nebenan, was hier ganz normal ist. Fast jeden Abend mache ich etwas in der Kirche, zweimal die Woche gehe ich zum Jugendchor, zweimal die Woche zur Bandprobe, wo wir begleitet von Schlagzeug, Gitarre und Klavier singen, und noch einmal die Woche zu einer Bläsergruppe, der sogenannten Fanfare, wo ich Querflöte mitspiele. Das macht alles ziemlich viel Spaß, da hier viele gleichaltrige Jugendliche sind, und momentan hält sich mein Freizeitstress auch noch in Grenzen :). Am Sonntag singen wir dann fast immer mit dem Chor und begleiten die Lieder mit der Fanfare, was ordentlich für gute Stimmung sorgt. Während die Kollekte eingesammelt wird und alle tanzend nach vorne gehen, spielen wir oft auch mit unserer Band.

Die Lieder sind zwar alle auf Ewe, was es für mich am Anfang etwas schwierig gemacht hat, mitzusingen. Man hört sich aber doch einigermaßen zügig ein. In der Band hat mir aber netterweise mein Nachbar, der die Band leitet, alle Texte in ein Heft geschrieben, und wir üben jetzt immer zusammen. Insgesamt ist besonders der Jugendchor sehr cool, weil wir nicht nur zusammen proben, sondern auch oft gemeinsam etwas unternehmen. So macht der Chor einmal im Monat ein Fest, wo gemeinsam Fufu gekocht und gegessen wird und dann getanzt und gesungen. Das war echt eines meiner Highlights letzten Monat und ich freue mich schon aufs nächste Mal. Unten seht ihr ein Foto von uns beim Fufu stampfen.

Mein Wochenende ist hier immer ziemlich vollgepackt. Samstag wasche ich morgens nämlich immer erst einmal meine Kleidung, was bei Handwäsche entsprechend lange dauert. Samstags ist außerdem Markttag, es kommen also Leute von überall her und bauen ihre Stände auf. Es gibt nicht nur Obst, Gemüse und sonstige Lebensmittel, sondern auch Haushaltsgegenstände, Geschirr, Kleidung, Schuhe, Stoffe und was man sonst noch so braucht. Inzwischen traue ich mich auch, mal Dinge zu kaufen, die ich nicht kenne, und einfach mal auszuprobieren sie zuzubereiten, wie zum Beispiel Yams oder Kochbananen. Da es in Notsé keinen Supermarkt gibt, ist der Samstag die einzige Chance mal größer einzukaufen. Unter der Woche verkaufen kleine Läden an der Straße zwar Dinge wie Nudeln, Öl, Zucker etc. aber den Haupteinkauf erledigt man auf dem Markt. Unten angehängt ein Foto, wo man vielleicht ein bisschen sich die Atmosphäre auf den Markt vorstellen kann.

Insgesamt esse ich hier ziemlich anders als in Deutschland, da es fast gar keine Milchprodukte gibt und ich auch kein Fleisch kaufe. Morgens esse ich aber wie zuhause häufig Brot mit Rührei oder auch mal Avocado, die hier wächst. Dann esse ich in der Schule morgens oft Nudeln, Reis oder einen Art Kloß aus Maismehl mit scharfer Soße und Fisch, was sehr lecker schmeckt. Sonst isst man hier auch gerne Bohnen zum Frühstück, die mit Palmöl und einer Art Mehl aus Maniok serviert werden, was ich auch sehr gerne mag, oder auch mal Beignets, eine Art fritierter süßer Krapfen. Mittags koche ich dann meistens zuhause, zum Beispiel Yams, was wie Kartoffel schmeckt, oder Nudeln, Reis oder Couscous. Viel wird auch Pate gegessen, ein heißer Brei aus Maismehl, der schnell fest wird und von dem man kleine Stücke abreißt und in eine Soße tunkt. Soßen gibt es hier mit Fisch und Fleisch und sind häufig ziemlich scharf. Besonders lecker finde ich Soßen mit Palmöl, Palmnüssen und Erdnüssen. Außerdem gibt es viel frisches Obst, wie Ananas, die in Notsé wächst, oder Papaya und Melone. Tatsächlich ist die Auswahl an Gemüse ziemlich begrenzt, am meisten werden Tomaten, Aubergine und eine Art spinatähnliches Gemüse gegessen, es gibt aber auch grüne Bohnen, rote Beete und Karotten zu kaufen. Und natürlich viel Chilli. Außerdem ist man viel mit der Hand, besonders Fufu und Pate, aber in der Schule auch Reis und sogar Nudeln. Wenn man das gar nicht gewöhnt ist, ist es schwieriger als gedacht, und erfordert einiges an Geschick. Inzwischen geht es aber schon viel besser und ich lebe nicht mehr in der ständigen Angst, meine gesamte Kleidung vollzusauen.

Soo, jetzt habe ich ziemlich viel erzählt und hoffe, es war nicht zu lang und interessant! Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!

Eure Leonie

Leben in Ho!

Ich hoffe, euch hat mein erster Blogeintrag zum Ankommen und den aller ersten Eindrücken gefallen! Wenn ich Interesse wecken konnte, kommt hier ein zweiter Blogeintrag!

In der letzten Woche hätte ich eigentlich schon in die Schule gehen müssen. Da aber die Lehrer streiken, wegen des neuen Lehrplans, der Bezahlung und auch der neuen Lehrmittel, fiel die Schule auch für mich aus. Trotzdem gab es keine Langeweile. Antonia, eine andere Freiwillige und ich haben angefangen aus Stoffresten, die bei ihrer „Hostaunt“ anfallen, eine Bettdecke, Sitzkissen und vor allem Jutebeutel zu nähen (hier werden nämlich sehr oft und gerne noch die altbekannten Plastiktüten verwendet).

Die Gottesdienste sind bunt und laut und voller Musik. Gesungen wird meist auf Ewe (eine der vielen Sprachen der Ghanaer, die in der Voltategion und in Togo besonders vertreten ist). Die Predigten gleichen in meinen Augen eher mehr der Rede eines vollkommen überzeugten Politikers, als den eher langsam und friedlich vorgetragenen Predigten in vielen deutschen Kirchen. Als ich mit meinem Mentor vorletzte Woche Sonntag in Worawora zum Thanksgiving war, war sogar der Politiker Kofi Adams eingeladen, der eine Rede in der Kirche hielt. Diese widmete er den jungen Menschen in der Kirche und zeigte seine volle Unterstützung, denn „the Youth is our future!“ Doch jeden Sonntag drei Stunden Gottesdienst auf Ewe ist mir persönlich dann doch etwas zu viel des Guten. Ich werde ab nächster Woche in den englischen Gottesdienst von 7:00-9:00 Uhr gehen.

Da gerade Regenzeit in Ghana ist, ist es tagsüber oft bedeckt und ich musste noch nicht so oft zur Sonnencremeflasche greifen. Warm ist es trotzdem. Zu Recht haben viele Ghanaer ein „hankie“ – ein handkerchief- mit dem man sich die Schweißtropfen aus dem Gesicht wischen kann. Nachts dagegen friere ich. Der dünne Stoff, der mir als Decke dient / dienen soll, reicht bei Weitem nicht aus und ich musste zu einer weiteren Kuscheldecke greifen. Wobei auch diese nicht zu vergleichen ist mit der Kuscheldecke, die in Oldenburg Stiekelkamp 20 auf die Rückkehr ihrer Besitzerin wartet. Aber so ist das halt. Wenn es tagsüber 35 Grad -gefühlte 40- hat, sind 25 Grad nachts einfach kalt.

Auf dem Markt war ich auch schon ein paar Mal. Allerdings noch nicht alleine. Das ist, glaube ich, auch besser so, denn man kann doch schnell den Überblick verlieren und nicht alles ist so vertrauenswürdig, wie es scheint. Dafür braucht man einfach Erfahrung, die ich nicht habe. Ich habe aber letzte Woche Mittwoch in Begleitung eines Freundes meinen ersten großen Einkauf getätigt. Weitere werden so bald wie möglich / nötig folgen!
Und…Ach, wie schön!! Ich habe es nicht gedacht, aber zu meinem Glück habe ich doch dieses Jahr nochmal einen Strand und das Meer gesehen. Mit Eric und weiteren Mitgliedern der EP Church bin ich diese Woche Mittwoch und Donnerstag zu einem Workshop an der Capecoast gewesen. Im Workshop wurde darüber referiert und diskutiert, wie die Kirche es schaffen kann, dass wieder mehr junge Menschen zur Kirche gehen. Ein Thema, das ich ich sehr interessant fand, da wir dieses „Phänomen“ ja in Deutschland auch kennen. Bei dem Workshop ist habe ich gesehen, wie die EP Church mit solchen Problemen umgeht.
Ich habe außerdem letzte Woche das erste Mal mit den Fingern gegessen. Für mich, als Linkshänderin, war es am seltsamsten, dass ich meine linke Hand nicht benutzen durfte. Und so einfach das klingt, mit Finger zu essen, so einfach ist es dann doch wieder nicht. Auch das restliche Essen, das ich bis jetzt probiert habe, ist, auch wenn es immer sehr scharf ist, sehr lecker. Es gibt viel „fried rice with chicken“ und „Red Red“, also beans mit fried plantane und Yam in den verschiedensten Varianten. Die Früchte sind super lecker und sehr verschieden – Ananas, Bananen, Kokosnüsse, Orangen (die haben übrigens eine grüne Schale!) und viele mehr.
Jeden Dienstag gehe ich jetzt mit meinem Mentor Eric und seiner Frau Fidelia zum Yoga. Ich mache dann eine Stunde Yoga und muss dabei immer an meine liebe Mama denken, die am selben Tag fast zur selben Zeit in Deutschland zu ihrem Yogakurs geht.

In meinem letzten Blogeintrag habe ich erwähnt, dass ich an meinem ersten Tag (gut es war wohl eher schon Nacht…) direkt nach Ho gefahren wurde. Dsbei habe uch versucht einige Muster und Regeln der ghanaischen Fahrweise zu verstehen. Bin dabei aufgrund verschiedener Umstände (wie Übermüdung, zu vieler neuer Eindrücke usw.) kläglich gescheitert. Mittlerweile habe ich doch schon so Einiges herausgefunden:
Jeder achtet auf den Anderen und alle fahren zügig. Wenn man überholt, kündigt man das mit Hupen an. Auch sonst wird viel und gerne gehupt, was mich ein bisschen an Italien erinnert. Überholt wird, besonders auf zweispurigen Straßen sowohl von links, als auch von rechts. Besonders muss man dabei auch auf die vielen Motorradfahrer achten, die überall versuchen, einen Weg an den stehenden oder langsam fahrenden Autos vorbei, zu finden. In vielen Ortschaften gibt es Straßensperren so genannte „Police Barriers“, an denen die durchfahrenden Autos kritisch beäugt und manchmal angehalten und kontrolliert werden.
Bei den längeren Fahrten in die „Northern Voltaregion“ und an die Cape Coast habe ich gelernt, dass man kein Schlagloch, mag es noch so klein sein, unterschätzen sollte. Das Auto sollte außerdem gut gefedert sein.
Besonders schön finde ich, dass hier jedes Auto so lange gefahren wird, bis es nicht mehr kann. Sich alle 2-4 Jahre ein neues Auto zu kaufen, steht hier gar nicht zur Debatte.

Zwei Wochen in Lomé

Herzlich Willkommen, Bienvenue und Woezon loo zu meinem ersten Blogpost !

Nach einem langen Flug mit Zwischenstopp in Paris und Niamey im Niger kam ich am Samstag, dem 31. 08 abends in endlich in Lomé an. Hier in der Hauptstadt Togos direkt am Meer sollte ich die nächsten zwei Wochen bei der Familie von Emmanuel Amega, dem Finanzverwalter der Evangelischen Kirche in Togo, wohnen, um ein bisschen im Land anzukommen und um den Menschen an meiner Einsatzstelle in Notsé (einer kleineren Stadt nördlich von Lomé) die Chance zu geben, alles vorzubereiten. Emmanuel wohnt mit seiner Frau Thérèse und seiner zwölfjährigen Tochter Bénédicte in einem netten Haus direkt an der Grenze zu Ghana. Ich werde euch jetzt ein bisschen von meinen Erfahrungen in der Gastfamilie und in Lomé erzählen.

Am Sonntagmorgen ging es um sieben Uhr in den französischen Gottesdienst, dem dann immer noch ein Gottesdienst auf Ewe, der Muttersprache der meisten hier, folgt. Ich wurde von allen direkt sehr herzlich begrüßt und war ganz angetan von der festlichen Kleidung der Gottesdienstbesucher. Sofort gefallen hat mir der Chor “Merveille de Dieu”, der anspruchvollste der vielen Chöre der Gemeinde, der zusammen mit dem Pfarrer eingezogen ist. Die jungen Leute waren alle in schwarze Roben gekleidet und haben nicht nur gesungen, sondern einige von ihnen haben auch getrommelt oder gerasselt, was direkt für gute Stimmung gesorgt hat. Und Überraschung – die Melodie des ersten Lieds kannte ich! Es war nämlich die französische Übersetzung von “Großer Gott wir loben dich”. Eine weitere Überraschung war, dass die Kollekte an diesem Sonntag nach Geburtstagen eingesammelt wurde. Und zwar nach den Wochentagen- zum Glück wusste ich, dass ich an einem Dienstag geboren bin ! Alle sind singend und tanzend nach vorne gegangen, während die Wochentage einzeln aufgerufen wurden. Der Wochentag, an dem man geboren wurde, ist nämlich ziemlich wichtig und ich wurde auch schon öfters danach gefragt. Es gibt zu jedem Tag einen Namen, den viele Leute auch als Vornamen oder Beinamen haben. Meiner wäre “Abra”. Während der Kollekte und auch zu den Liedern hat die sogenannte Fanfare gespielt, eine Blechbläsergruppe, die es schafft richtig Stimmung zu machen.

In der kommenden Woche habe ich dann so richtig das Familienleben kennen gelernt. Montag bin ich mit Emmanuel in sein Büro in der Kirchenverwaltung gefahren, wo ich der Kirchenleitung vorgestellt wurde. Danach hat er mir eine togolesische Simkarte besorgt und Geld getauscht, was man beides ganz unbürokratisch direkt am Straßenrand regeln konnte. Die nächsten Tage ist er dann arbeitstechnisch verreist, weswegen ich mit Thérèse und Bénédicte alleine war. Thérèse arbeitet als Schneiderin und hat ein eigenes Atelier mit mehreren Angestellten. Es war sehr interessant, ihr bei der Arbeit zuzusehen und für den kommenden Sonntag hat sie mir dann auch direkt ein total schönes Kleid geschneidert, was wie angegossen passt. Sonst bin ich mit Bénédicte fast jeden Tag zu einer Art Tanzgruppe bei der Kirche gegangen, wo sie mit Freundinnen eine Choreographie einstudiert. Nach ein bisschen Überwindung habe ich auch mitgemacht und es hat echt viel Spaß gemacht.
Abends haben wir dann immer zusammen gekocht, wobei ich in der kurzen Zeit echt total viele neue Gerichte, Gemüsesorten und anderes kennengelernt habe. Es wird viel mit frischem Gemüse gekocht, meistens eine Soße mit Fleisch und einer Beilage wie Reis, Couscous, Yams oder auch mal frittierte Kochbanane oder Süßkartoffel. In der Soße ist dann oft noch Fisch oder Fleisch und ordentlich Chilli. Besonders spannend war es, beim Fufu machen zuzusehen. Dafür stampft man die gekochte Yamswurzel in einem riesigen Mörser. Ich hab es dann auch mal probiert – puh, das war ganz schön anstrengend! Das Endprodukt ist dann eine Art riesiger weißer Kloß, von dem man mit der Hand Stücke abreisst und in Soße tunkt. Ich habe es jetzt schon ein paar Mal gegessen und es ist bis jetzt mein Lieblingsessen.
In der ersten Woche bin ich dann mit Bénédicte und einem Freund von ihr losgezogen um ein bisschen die Stadt anzusehen. Wir waren unter anderem im Nationalmuseum, das allerdings ziemlich klein ist. Dort kann man sich viele traditionelle Gegenstände aus den verschiedenen togolesischen Kulturen ansehen, zum Beispiel Schnitzereien, Kleidung aber auch Handwerksgegenstände. Es sind aber auch Gegenstände aus der Zeit, in der in Togo Sklavenhandel betrieben wurde und aus der Kolonialzeit ausgestellt. Dann waren wir noch am Strand, der von Palmen gesäumt und sehr schön ist. Besonders begeistert war ich, als wir ein paar Tage später nochmal am Sonntagabend dort waren, weil der ganze Strand voll war mit Familien und Freunden, die zusammen essen, Fußball spielen und Spaß haben. Um dort hinzukommen haben wir eins von den unzähligen Motorradtaxis genommen, was ich beim ersten Mal sehr aufregend fand. Inzwischen habe ich mich aber schon dran gewöhnt.
Einige Tage später bin ich dann auch nochmal mit Thérèse in die Innenstadt gefahren, und wir waren beim Grand Marché, dem größten Markt in Lomé, den ich wirklich sehr groß und unübersichtlich fand. Hier wird neben Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und so weiter auch alles verkauft, was man sich sonst so vorstellen kann, Kleidung, Stoffe, Möbel, Haushaltsgegenstände und auch viele Souvenirs und Schmuck. Es hat großen Spaß gemacht, über den Markt zu laufen, ich war aber von der Lautstärke, der Musik, den Gerüchen und vor allem von den Autos und Motorrädern, die sich permanent durch die Menge quetschen, etwas überfordert.
Insgesamt ist Lomé eine Großstadt mit viel (für mich ziemlich undurchsichtigen) Verkehr. Sobald man die Innenstadt aber verlässt, gibt es immer weniger geteerte Straßen und kleinere einstöckige Häuser, von denen viele eine Art Laden haben, in dem Dinge des täglichen Bedarfs, wie Handykredit, Waschpulver, Milchpulver oder Nudeln verkaufen. Viele Frauen und Kinder verkaufen auch an der Straße Gemüse, Obst oder Essen, zum Beispiel frittierte Yams oder Kochbananenchips. Die Atmosphäre ist ziemlich lebendig und man sieht immer viele Kinder herumrennen. Es ist außerdem bis spät in die Nacht ziemlich laut und man hört oft Musik von irgendwoher. Auch morgens ist es oft schon früh laut, denn die meisten Togolesen sind Frühaufsteher. Um halb sechs hört man schon überall das Fegen der Reisigbesen.

Ein weiteres Highlight war dann der nächste Sonntag. Ich durfte sowohl im französischsprachigen als auch im Ewe- Gottesdienst mit der Querflöte (von einer Gitarre begleitet) zwei Kirchenlieder vorspielen, was sehr gut ankam. Da der Gottesdienst ein Dankgottesdienst an die Gemeinde für eine Beerdigung war, die am Freitag stattgefunden hatte, waren noch mehr Chöre anwesend und sehr viele Gottesdienstbesucher da. Bei der Bestattung handelte es sich nämlich um die Tochter eines ehemaligen togolesischen Präsidenten, dessen Frau darüber hinaus noch eine sehr bekannte spirituelle Persönlichkeit war, die sich intensiv für die Armen einsetzte. Nach dem Gottesdienst waren wir dann zur Feier im Haus der Familie eingeladen. Hier hab ich das erste Mal so richtig die Mentalität vieler Menschen in Togo kennengelernt. Obwohl es ja eine Feier anlässlich der Beerdigung war, waren alle weiß oder bunt angezogen, es gab Musik und Tanz und die Stimmung war relativ ausgelassen. Denn aufgrund des relativ hohen Alters der Verstorbenen freut man sich eher über ihr langes Leben und gedenkt ihrer guten Taten als heftig zu trauern. Wir wurden überaus freundlich empfangen und wie so oft hier hatte jeder ein freundliches Wort auf den Lippen und viel Interesse. Die Familie, bei der wir eingeladen waren, hat Verwandte überall in Europa, und so habe ich mich mit mehreren Enkeln der Verstorbenen angefreundet, die in Frankreich, England und Deutschland leben. An einem der nächsten Tage hat mich dann einer der Enkel zu seinem Geburtstag eingeladen, was echt cool war. Es war eigentlich wie ein Geburtstag in Deutschland, es wurde lecker gegessen, es gab Kuchen und es wurde Musik gehört. Die Stimmung war locker und es wurde getanzt. Im Unterschied zu den meisten Geburtstagen von Jugendlichen in meinem Alter hier gab es aber keinen Alkohol und es waren auch fast alle Verwandten dabei. Hier konnte ich ein paar nette Bekanntschaften schließen, mit denen ich mich bestimmt mal treffen kann, wenn ich mal wieder in Lomé bin.

So waren die zwei Wochen dann auch schon bald vorbei – insgesamt eine super Zeit und eine tolle Gelegenheit, auch mal das Leben in einer Gastfamilie in Togo auszuprobieren und erstmal richtig im Land anzukommen. Aber natürlich war ich dann auch ganz heiß darauf, endlich meine Einsatzstelle in Notsé kennenzulernen, zu der mich Emmanuel dann am Samstag, dem 14. September gebracht hat. Zu meiner ersten Zeit in Notsé und in meiner Einsatzstelle in der Schule dann mehr im nächsten Blogpost!

Vielen Dank fürs Lesen und auch sonst für Euer Interesse und Eure Anteilnahme! Ich freue mich über eure Kommentare und Fragen.

Liebe Grüße, eure Leonie

Haarprobleme

Liebe Naa,

Es tut mir so leid, dass du Stunden damit verbringen musstest, deine Haare zu machen. Außerdem konntest du wegen der Kopfschmerzen einfach nicht gut schlafen. Haarprobleme von schwarzen Frauen sind real. Weißt du, nachdem ich über ein Jahr lang kurze Haare hatte, wurde die Perücke wie ein Ex, den man nie wiedersehen will. Perücken sind jetzt nur noch eine gelegentliche Angelegenheit für mich. Warum fühlen sich viele Frauen nicht wohl, wenn sie nur mit dem Afro herumlaufen? Ich meine, wasch dir einfach die Haare und geh. Ich sehe „wash and go“-Tutorials auf YouTube und die verwendeten Produkte sind definitiv nicht „wash and go“. Ich denke, jede Art von Haar hat ihre Probleme.

Ich dachte ehrlich, unsere europäischen Schwestern wachen einfach auf und legen los, aber nein, so ist es nicht. Es hängt alles von ihrem Haartyp ab. Kannst du glauben, dass einige ihre Haare jeden oder jeden zweiten Tag waschen müssen? Ich weiß nicht, was du denkst, aber das klingt für mich nach viel Arbeit. Es sieht so aus, als ob es den Kampf mit dem Haar überall gibt. Es ist nur traurig, dass Schönheit im Laufe der Jahre durch seidiges, langes Haar und helle Haut definiert wurde. Aber Gott sei Dank verändert sich diese Wahrnehmung allmählich. Wir sind alle schön, egal ob dein Haar kraus, glatt, lockig usw. ist. Egal welche Hautfarbe du hast, du bist wunderschön.

Ich fange an, es zu schätzen, öfter mit meinem natürlichen Haar herumzulaufen. Aufgrund der Vielseitigkeit der Frisuren, die wir machen, fällt es einigen Menschen schwer zu verstehen, wie das schwarze Haar funktioniert und sie kämpfen immer damit, uns zu erkennen, sobald wir unsere Frisur wechseln. Das alles geschah auf dem Seminar, als eine Frau mein Haar bewunderte und fragte, wie ich es dazu brachte, so auszusehen. Wohlgemerkt, ich hatte geflochtene Zöpfe. Sobald ich ihr sagte, dass ich Haarverlängerungen eingeflochten habe, war sie erstaunt. Sie konnte nicht begreifen, wie ich es geschafft hatte, zusätzliche Haare hinzuzufügen, und es so sehr nach meinem aussah. Ich lachte nur und beließ es dabei.

 Foto: Braids – geflochtene Zöpfe

Was das Gespräch über Haare in Gang brachte, war folgendes: Stell dir vor, du hättest keine Ahnung von der Natur schwarzer Haare. Du hast am Abend zuvor jemanden mit Pixie Haarschnitt gesehen. Am nächsten Morgen wachst du auf und hier ist dieselbe Person, die jetzt mit langen Haaren herumläuft. Ich bin sicher, du wirst dich über das Erfolgsgeheimnis dieses nächtlichen Haarwachstums wundern. Das ist passiert, als meine Kollegin aus Ghana beschloss, ihre Perücke mit Pixie Haarschnitt abzunehmen, ihr Haar zu waschen und in ihrem langen Naturhaar zu erscheinen. Diesmal waren es die Jungs, die schockiert waren. Sie fragten sich, wie sie das geschafft hat. So viele Fragen. Wir haben sie einfach hingesetzt, einen Mini-Vortrag
gehalten und mussten auch über das schonende Styling sprechen.


Foto: Perücke im Pixie Haarschnitt

Foto: Langes Naturhaar

Es kam zu dem Punkt, dass ich es satt hatte, es zu erklären. Einmal erschien ich bei einem Treffen mit einem „Top-Bun“ (ein hochsitzender Zopf). Eine Frau rief gerade heraus: „Oh, du hast dir die Haare geschnitten!“. Ich lächelte nur und sagte ja, weil ich nicht in der Stimmung war, einen Vortrag zu halten.

Hier ist noch eine Sache: Ich liebe „Top Buns’’, weil sie schnell und einfach zu machen sind, bevor ich das Haus verlasse, also gehe ich oft mit ihnen aus. Eines schönen Morgens hatte ich meine Sheabutter und etwas Wasser für die Haare verwendet. Und weil ich es eilig hatte, habe ich es nicht gut verteilt, so dass es einige weiße Flecken im Haar gab. Ich kam an und eine Frau fragte, was in meinem Haar sei. Ich sagte ihr, es sei Sheabutter und Wasser. Die nächste Frage war: „Ist es das, was deine Haare hochhält?“ LOL, dieses 4C schwarze Haar1 ist magisch, meine Liebe, es trotzt der Schwerkraft.

Foto: Top Bun

Nun, es ist ziemlich teuer, sich hier die Haare machen zu lassen. Also sei bereit, Geld auszugeben oder deine eigene Friseurin zu werden. Wenn du Pläne für einen Umzug hast, geh bitte und mache für einige Zeit eine Ausbildung bei deinem örtlichen Friseur. Es wird sich als nützlich erweisen, vertrau mir.

Afrikanisches Haar ist schön. Seine engen, krausen Locken, sein Volumen und seine Farbe sind einzigartig. Wir heben uns ab und müssen uns das zu eigen machen. Wahrscheinlich sage ich das, weil mein Haar eine gut kontrollierbare Länge hat.

Meine liebe Freundin, ich habe hier einen Friseur besucht, aber das ist eine andere Geschichte für einen weiteren Brief. Genieße deine Zöpfe und auch den manchmal langsamen Service unserer lieben Friseure. Passt auf dich auf und hab eine schöne Woche.

Mit viel Liebe,

Ems.

Lexica

  1. 4C Haar: Das ist der Name, der verwendet wird, um die Textur eines bestimmten Afro-Haartyps zu beschreiben. Es hat extrem enge Locken und Spulen.

Hair Problems

Dear Naa,

So sorry you had to spend hours to get your hair done. On top of that, you just could not sleep well because of the headache. Black girl hair problems are real. You know, after I had short hair for over a year, the wig became like an ex you never want to see again. Itis just an occasional business now. Why aren’t lots of ladies comfortable just walking around with the afro? I mean just wash your hair and go. I see ‘wash and go’ tutorials on YouTube and the products used is definitely not ‘wash and go’. I think every type of hair has its struggles.

I honestly thought our Caucasian sisters just wake up and move but nope, not that way. It all depends on your hair type. Can you believe some have to shampoo their hair everyday or every two days? I don’t know about you but that sounds like a lot of work to me. Looks like the hair struggle is everywhere. It is just sad that over the years, beauty is defined by having silky long hair and light skin. But thank God the narrative is gradually changing. We are all beautiful, whether your hair is kinky, straight, curly etc. No matter your skin colour, you are beautiful.

I am beginning to appreciate walking around in my natural hair more often. Because of the versatility of hairstyles that we do, some people find it hard to understand how the black hair works and always struggle to recognise us as soon as we change our hairstyle. This all happened at the seminar, when one lady complimented my hair and asked how did I get it to look that way. Mind you, I had braids. As soon as I told her that I attached extensions, she was amazed. She could not fathom how I had managed to add extra hair and it looked like mine so much. I just laughed and let it go.

  Photo: Braids.

What brought up the hair talk was this: Imagine you were clueless about the nature of the Black hair. You saw someone in pixie haircut the night before, you wake up the next morning and here is this person walking around with long hair. I am sure you will wonder about the secret to the overnight success of this hair growth. That is what happened when my colleague from Ghana decided to take off her pixie hair wig cap, wash her hair and appear in her long natural hair. This time it was the guys that were shocked. They were wondering how she pulled that off. So many questions. We just sat them down, gave a mini lecture and had to talk about protective styling as well.


Photo: Pixie Haircut Wig Cap

Photo: Natural Long Hair

It got to a time I got tired of explaining. One time, I appeared at a gathering in a top bun. One woman just exclaimed ‘oh you have cut your hair!’. I just smiled and said yes because I was not in the mood to give a lecture.

Here is another one: I love top buns because they are fast and easy to do before stepping out, so I go out in them often. One fine morning, I had used my shea butter and some water for the hair. And because I was in a hurry, I didn’t it mix it well so there were some white patches. I arrived and one woman asked what was in my hair. I told her it was shea butter and water. The next question was ‘Is that what keeps your hair up?’ LOL, this 4C black hair1 is magical my dear, it defies gravity.

 Photo: Top Bun

Well, it is quite expensive to get your hair done here. Therefore, get ready to spend or become your own hairstylist. So if you have plans of relocating, please go and be an apprentice for your local hairdresser for some time. It will come in handy, trust me.

African hair is beautiful. Its tight kinky curls, volume and colour are unique. We stand out and we have to embrace it. Probably I am saying this because my hair is at a good manageable length.

My dear friend, I have visited a salon here but that is another story for another letter. Enjoy your braids and sometimes slow service of our dear hairstylists. Take care and have a lovely week.

Lots of love,

Ems.

Lexicons

  1. 4C hair: it is the name used to describe the texture of a particular afro hair type. It is has extremely tight curls and coils.

Miagadogoloo Deutschland und Lema Ghana!

Nach einer Woche, in der ich mich von vielen lieben Menschen verabschiedet habe, bin ich am 31.08. um 12:25 an Gate B53 abgeflogen. Mit einem kribbeligen Gefühl im Bauch und den Worten des KLM Piloten „Crew please take your seats“ habe ich wenig später Deutschland verlassen. In Amsterdam bin ich dann umgestiegen in eine Bowing 777, die direkt nach Accra flog. Für mich, die noch nie länger als zwei Stunden geflogen ist, war diese Bowing riesig. Jeder Fluggast hatte einen eigenen kleinen Fernseher! ( ich habe das genutzt und erstmal zwei Filme angeschaut) Als dann nach und nach Essen und Trinken verteilt wurden, wollte ich zuerst nichts nehmen. Denn wer weiß, vielleicht musste ich da im Nachhinein viel für bezahlen ( wer weiß, selbst die kleinste Waffel muss aber einer bestimmten Höhe schon ihren Preis haben). Zumindest dachte ich das. Aber tatsächlich waren neben dem eingeplanten Meal auch alle anderen Snacks im Preis enthalten. Ich bin pünktlich um 19:55 in Accra gelandet und auch die Passkontrolle lief gut. Als ich dann aber aus den Flughafen gekommen bin, wurde ich von all den vielen Eindrücken mitgerissen. Sofort kamen viele Menschen auf mich zu und haben mir ihre Hilfe angeboten. Ich lehnte ab, denn ich musste ja nur jemand finden, der mit einem Schild mit „Julia“ darauf auf mich wartete. Ja, ich habe mit Menschen mit Schildern und Namen darauf gerechnet. Aber niemals mit so vielen! Eric, meinen Mentor, habe ich dabei, obwohl ich in seine Richtung geschaut habe, einfach übersehen. Zum Glück hat er mich von dem Foto, das ich geschickt hatte, erkannt und kam auf mich zu. Immer noch überrumpelt von der Situation, konnte ich nicht mal mein vorbereitetes „Fie nami“ anbringen. Also folgte ich Eric zum Wagen und dann ging es los nach Ho!