Mein Leben in Notsé

Hallo zusammen und herzlich Willkommen zu meinem zweiten Blogpost!

Da ich ja jetzt schon sechs Wochen in Togo und schon einen Monat in Notsé in meiner Einsatzstelle bin, dachte ich, es wäre doch an der Zeit, euch mal ein bisschen vom Leben hier vor Ort und meiner Arbeit zu erzählen. Inzwischen habe ich mir nämlich so einigermaßen einen Überblick verschafft und kenne so einigermaßen die Abläufe in der Kirche und der Schule.

Zu erst einmal zu meiner Unterbringung bzw. den “Rahmenbedingungen” meines Aufenthaltes:

Ich wohne in Notsé, einer Kleinstadt etwa 60 km nördlich von der Hauptstadt, die in 1 ½ bis 2 Stunden mit dem Auto von Lomé aus zu erreichen ist. Hier wohne ich ziemlich zentral auf dem Gelände des CEPRODED, kurz für “Centre Protestant pour le Developpement Durable”, also evangelisches Zentrum für Nachhaltige Entwicklung. Hier gibt es zum Beispiel eine Krankenstation und eine Art Bauernhof, und hier werden viele Tagungen und Schulungen für Verantwortliche aus kleineren Dörfern durchgeführt, wo sie lernen, wie sie die Situation dort verbessern können. Neben meiner Wohnung gibt es noch andere Wohnhäuser des Verwaltungspersonals, in denen auch mehrere Familien mit Kindern wohnen.

Die Leute hier im CEPRODED fühlen sich ziemlich verantwortlich für mich und haben mich direkt sehr herzlich aufgenommen. Sie unterstützen mich, wo es geht, und durch die Hilfe vor allem von Albert, dem Finanzverwalter des Zentrums, und seiner Frau Virginie, habe ich mich direkt gut in Notsé zurecht gefunden und wie zuhause gefühlt. So haben sie mich direkt am ersten Sonntag zum Mittagessen eingeladen und auch sonst verbringe ich viel Zeit bei ihnen im Haus und mit ihren drei kleinen Kindern. Auch hat Virginie mir schon geholfen, auf dem Markt einzukaufen, was schwieriger ist, als gedacht, wenn man keine Ahnung hat, wie viel die Sachen zu kosten haben und wo man in dem Gewusel was findet. Außerdem hat sie mir schon beigebracht, ein paar typisch togolesische Gerichte zu kochen, was echt Spaß macht.

Jetzt aber zu erst einmal zu meiner Arbeit: Ich arbeite hier im Collège Protestant von Notsé, also einer Art evangelischem Gymnasium. In Togo ist Deutsch ein Wahlfach ab der Oberstufe, also auf dem Lycée. Hier begleite ich den Deutschlehrer in den Unterricht und er stellt mir viele Fragen und ich kann oft von dem Leben in Deutschland erzählen, was nett ist. Aber meine Hauptaufgabe ist der eigenständige Deutschunterricht in den Klassen 6 bis 9, wo ich in jeder Klasse, insgesamt acht, einmal die Woche bin. Der Unterricht wird aber nicht benotet und ist eher wie eine Art AG, weil die Kinder sonst viele Freistunden haben und unbeschäftigt sind.

Die Schülerinnen und Schüler sind ziemlich motiviert und so macht es viel Spaß, dort zu unterrichten. Die ersten Wochen habe ich besonders mit den kleinen erstmal viel gesungen, zum Beispiel “Gottes Liebe ist so wunderbar”, was sie sehr begeistert hat, da die meisten Kinder hier singen lieben. Mit den größeren habe ich die Begrüßung und Vorstellung wiederholt und das Alphabet und die Zahlen geübt. Da ich die erste Woche mir erstmal nur den Unterricht der anderen Lehrer angesehen habe, konnte ich mir danach ganz gut vorstellen, was für Methoden die Kinder so gewöhnt sind und wie die Lehrer hier so Sprachen beibringen. Der Unterricht ist relativ frontal gehalten, was aber auch daran liegt, dass es vierzig bis fünfzig Schüler auf relativ engem Raum in einer Klasse gibt, so dass zb. Gruppenarbeit nicht möglich wäre. Um die deutschen Wörter zu üben, spreche ich sie den Kindern vor und sie wiederholen sie dann, oder man kann auch mal einzelne Kinder an die Tafel bitten, um Aufgaben zu lösen. Leider gibt es in vielen Fächern keine Bücher, weswegen die Lehrer ziemlich viele Texte diktieren müssen. Dadurch geht natürlich ziemlich viel Zeit verloren, weshalb die Lehrer häufig noch nachmittags zusätzlichen Unterricht zum Aufholen des Stoffes machen.

Insgesamt finde ich die Atmosphäre in der Schule ziemlich angenehm und entspannt. Die Lehrer sind unter Umständen etwas strikter im Unterricht mit den Schülern, haben aber sonst ein gutes Verhältnis zu ihnen und machen gerne Witze und so weiter. Auch die Stimmung im Lehrerzimmer ist gut und ich wurde sehr positiv und interessiert aufgenommen. Da die meisten Lehrer jung sind, konnte ich mich schon mit einigen ganz gut anfreunden. Da ich aber das gleiche Alter wie viele Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe habe, habe ich auch hier schon viele Kontakte knüpfen können und verbringe die Pause abwechselnd im Lehrerzimmer oder bei Schülern, von denen ich gerne zum Essen eingeladen werde, was hier ziemlich üblich ist. Auf dem Schülgelände werden nämlich ganz viele verschiedene Gerichte und auch Süßigkeiten verkauft.

Wenn ich Freistunden habe, gehe ich aber auch häufig zum Kindergarten, der nebenan ist. Hier helfe ich der Kindergärtnerin, die sich um vierzig Kinder alleine kümmert, wo es geht ein bisschen, vor allem lerne ich aber selber ganz viel, da die meisten Kinder nur Ewe sprechen und ich so gezwungen bin, mir das ein oder andere anzueignen. Es gibt zwar nicht viel Spielzeug, aber die Kindergärtnerin beschäftigt die Kinder mit Bewegungspielen auf dem Hof, mit Liedern oder kreativen Aufgaben. Unten könnt ihr ein Foto von der Schule bzw. einem Klassenraum und dem Kindergarten sehen.

Jetzt noch mal ein bisschen was zu meinem Alltag und meiner Freizeit. Da ich meistens nur bis 12 Uhr oder 13h30 Unterricht habe, habe ich am Nachmittag relativ viel freie Zeit zur Verfügung. Da die Schule schon zwanzig vor sieben beginnt und ich dementsprechend früh aufstehen muss, ruhe ich mich, wie die meisten Leute hier, nach der Schule erstmal ein bisschen aus, was aber auch an der Hitze liegt, in der man nicht so richtig Lust hat, etwas zu machen. Danach koche ich meistens etwas und erledige etwas Hausarbeit. Oft gehe ich auch zum Beispiel einkaufen und quatsche dann gerne auch länger mit den Verkäufern in den kleinen Läden nebenan, was hier ganz normal ist. Fast jeden Abend mache ich etwas in der Kirche, zweimal die Woche gehe ich zum Jugendchor, zweimal die Woche zur Bandprobe, wo wir begleitet von Schlagzeug, Gitarre und Klavier singen, und noch einmal die Woche zu einer Bläsergruppe, der sogenannten Fanfare, wo ich Querflöte mitspiele. Das macht alles ziemlich viel Spaß, da hier viele gleichaltrige Jugendliche sind, und momentan hält sich mein Freizeitstress auch noch in Grenzen :). Am Sonntag singen wir dann fast immer mit dem Chor und begleiten die Lieder mit der Fanfare, was ordentlich für gute Stimmung sorgt. Während die Kollekte eingesammelt wird und alle tanzend nach vorne gehen, spielen wir oft auch mit unserer Band.

Die Lieder sind zwar alle auf Ewe, was es für mich am Anfang etwas schwierig gemacht hat, mitzusingen. Man hört sich aber doch einigermaßen zügig ein. In der Band hat mir aber netterweise mein Nachbar, der die Band leitet, alle Texte in ein Heft geschrieben, und wir üben jetzt immer zusammen. Insgesamt ist besonders der Jugendchor sehr cool, weil wir nicht nur zusammen proben, sondern auch oft gemeinsam etwas unternehmen. So macht der Chor einmal im Monat ein Fest, wo gemeinsam Fufu gekocht und gegessen wird und dann getanzt und gesungen. Das war echt eines meiner Highlights letzten Monat und ich freue mich schon aufs nächste Mal. Unten seht ihr ein Foto von uns beim Fufu stampfen.

Mein Wochenende ist hier immer ziemlich vollgepackt. Samstag wasche ich morgens nämlich immer erst einmal meine Kleidung, was bei Handwäsche entsprechend lange dauert. Samstags ist außerdem Markttag, es kommen also Leute von überall her und bauen ihre Stände auf. Es gibt nicht nur Obst, Gemüse und sonstige Lebensmittel, sondern auch Haushaltsgegenstände, Geschirr, Kleidung, Schuhe, Stoffe und was man sonst noch so braucht. Inzwischen traue ich mich auch, mal Dinge zu kaufen, die ich nicht kenne, und einfach mal auszuprobieren sie zuzubereiten, wie zum Beispiel Yams oder Kochbananen. Da es in Notsé keinen Supermarkt gibt, ist der Samstag die einzige Chance mal größer einzukaufen. Unter der Woche verkaufen kleine Läden an der Straße zwar Dinge wie Nudeln, Öl, Zucker etc. aber den Haupteinkauf erledigt man auf dem Markt. Unten angehängt ein Foto, wo man vielleicht ein bisschen sich die Atmosphäre auf den Markt vorstellen kann.

Insgesamt esse ich hier ziemlich anders als in Deutschland, da es fast gar keine Milchprodukte gibt und ich auch kein Fleisch kaufe. Morgens esse ich aber wie zuhause häufig Brot mit Rührei oder auch mal Avocado, die hier wächst. Dann esse ich in der Schule morgens oft Nudeln, Reis oder einen Art Kloß aus Maismehl mit scharfer Soße und Fisch, was sehr lecker schmeckt. Sonst isst man hier auch gerne Bohnen zum Frühstück, die mit Palmöl und einer Art Mehl aus Maniok serviert werden, was ich auch sehr gerne mag, oder auch mal Beignets, eine Art fritierter süßer Krapfen. Mittags koche ich dann meistens zuhause, zum Beispiel Yams, was wie Kartoffel schmeckt, oder Nudeln, Reis oder Couscous. Viel wird auch Pate gegessen, ein heißer Brei aus Maismehl, der schnell fest wird und von dem man kleine Stücke abreißt und in eine Soße tunkt. Soßen gibt es hier mit Fisch und Fleisch und sind häufig ziemlich scharf. Besonders lecker finde ich Soßen mit Palmöl, Palmnüssen und Erdnüssen. Außerdem gibt es viel frisches Obst, wie Ananas, die in Notsé wächst, oder Papaya und Melone. Tatsächlich ist die Auswahl an Gemüse ziemlich begrenzt, am meisten werden Tomaten, Aubergine und eine Art spinatähnliches Gemüse gegessen, es gibt aber auch grüne Bohnen, rote Beete und Karotten zu kaufen. Und natürlich viel Chilli. Außerdem ist man viel mit der Hand, besonders Fufu und Pate, aber in der Schule auch Reis und sogar Nudeln. Wenn man das gar nicht gewöhnt ist, ist es schwieriger als gedacht, und erfordert einiges an Geschick. Inzwischen geht es aber schon viel besser und ich lebe nicht mehr in der ständigen Angst, meine gesamte Kleidung vollzusauen.

Soo, jetzt habe ich ziemlich viel erzählt und hoffe, es war nicht zu lang und interessant! Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!

Eure Leonie

Zwei Wochen in Lomé

Herzlich Willkommen, Bienvenue und Woezon loo zu meinem ersten Blogpost !

Nach einem langen Flug mit Zwischenstopp in Paris und Niamey im Niger kam ich am Samstag, dem 31. 08 abends in endlich in Lomé an. Hier in der Hauptstadt Togos direkt am Meer sollte ich die nächsten zwei Wochen bei der Familie von Emmanuel Amega, dem Finanzverwalter der Evangelischen Kirche in Togo, wohnen, um ein bisschen im Land anzukommen und um den Menschen an meiner Einsatzstelle in Notsé (einer kleineren Stadt nördlich von Lomé) die Chance zu geben, alles vorzubereiten. Emmanuel wohnt mit seiner Frau Thérèse und seiner zwölfjährigen Tochter Bénédicte in einem netten Haus direkt an der Grenze zu Ghana. Ich werde euch jetzt ein bisschen von meinen Erfahrungen in der Gastfamilie und in Lomé erzählen.

Am Sonntagmorgen ging es um sieben Uhr in den französischen Gottesdienst, dem dann immer noch ein Gottesdienst auf Ewe, der Muttersprache der meisten hier, folgt. Ich wurde von allen direkt sehr herzlich begrüßt und war ganz angetan von der festlichen Kleidung der Gottesdienstbesucher. Sofort gefallen hat mir der Chor “Merveille de Dieu”, der anspruchvollste der vielen Chöre der Gemeinde, der zusammen mit dem Pfarrer eingezogen ist. Die jungen Leute waren alle in schwarze Roben gekleidet und haben nicht nur gesungen, sondern einige von ihnen haben auch getrommelt oder gerasselt, was direkt für gute Stimmung gesorgt hat. Und Überraschung – die Melodie des ersten Lieds kannte ich! Es war nämlich die französische Übersetzung von “Großer Gott wir loben dich”. Eine weitere Überraschung war, dass die Kollekte an diesem Sonntag nach Geburtstagen eingesammelt wurde. Und zwar nach den Wochentagen- zum Glück wusste ich, dass ich an einem Dienstag geboren bin ! Alle sind singend und tanzend nach vorne gegangen, während die Wochentage einzeln aufgerufen wurden. Der Wochentag, an dem man geboren wurde, ist nämlich ziemlich wichtig und ich wurde auch schon öfters danach gefragt. Es gibt zu jedem Tag einen Namen, den viele Leute auch als Vornamen oder Beinamen haben. Meiner wäre “Abra”. Während der Kollekte und auch zu den Liedern hat die sogenannte Fanfare gespielt, eine Blechbläsergruppe, die es schafft richtig Stimmung zu machen.

In der kommenden Woche habe ich dann so richtig das Familienleben kennen gelernt. Montag bin ich mit Emmanuel in sein Büro in der Kirchenverwaltung gefahren, wo ich der Kirchenleitung vorgestellt wurde. Danach hat er mir eine togolesische Simkarte besorgt und Geld getauscht, was man beides ganz unbürokratisch direkt am Straßenrand regeln konnte. Die nächsten Tage ist er dann arbeitstechnisch verreist, weswegen ich mit Thérèse und Bénédicte alleine war. Thérèse arbeitet als Schneiderin und hat ein eigenes Atelier mit mehreren Angestellten. Es war sehr interessant, ihr bei der Arbeit zuzusehen und für den kommenden Sonntag hat sie mir dann auch direkt ein total schönes Kleid geschneidert, was wie angegossen passt. Sonst bin ich mit Bénédicte fast jeden Tag zu einer Art Tanzgruppe bei der Kirche gegangen, wo sie mit Freundinnen eine Choreographie einstudiert. Nach ein bisschen Überwindung habe ich auch mitgemacht und es hat echt viel Spaß gemacht.
Abends haben wir dann immer zusammen gekocht, wobei ich in der kurzen Zeit echt total viele neue Gerichte, Gemüsesorten und anderes kennengelernt habe. Es wird viel mit frischem Gemüse gekocht, meistens eine Soße mit Fleisch und einer Beilage wie Reis, Couscous, Yams oder auch mal frittierte Kochbanane oder Süßkartoffel. In der Soße ist dann oft noch Fisch oder Fleisch und ordentlich Chilli. Besonders spannend war es, beim Fufu machen zuzusehen. Dafür stampft man die gekochte Yamswurzel in einem riesigen Mörser. Ich hab es dann auch mal probiert – puh, das war ganz schön anstrengend! Das Endprodukt ist dann eine Art riesiger weißer Kloß, von dem man mit der Hand Stücke abreisst und in Soße tunkt. Ich habe es jetzt schon ein paar Mal gegessen und es ist bis jetzt mein Lieblingsessen.
In der ersten Woche bin ich dann mit Bénédicte und einem Freund von ihr losgezogen um ein bisschen die Stadt anzusehen. Wir waren unter anderem im Nationalmuseum, das allerdings ziemlich klein ist. Dort kann man sich viele traditionelle Gegenstände aus den verschiedenen togolesischen Kulturen ansehen, zum Beispiel Schnitzereien, Kleidung aber auch Handwerksgegenstände. Es sind aber auch Gegenstände aus der Zeit, in der in Togo Sklavenhandel betrieben wurde und aus der Kolonialzeit ausgestellt. Dann waren wir noch am Strand, der von Palmen gesäumt und sehr schön ist. Besonders begeistert war ich, als wir ein paar Tage später nochmal am Sonntagabend dort waren, weil der ganze Strand voll war mit Familien und Freunden, die zusammen essen, Fußball spielen und Spaß haben. Um dort hinzukommen haben wir eins von den unzähligen Motorradtaxis genommen, was ich beim ersten Mal sehr aufregend fand. Inzwischen habe ich mich aber schon dran gewöhnt.
Einige Tage später bin ich dann auch nochmal mit Thérèse in die Innenstadt gefahren, und wir waren beim Grand Marché, dem größten Markt in Lomé, den ich wirklich sehr groß und unübersichtlich fand. Hier wird neben Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und so weiter auch alles verkauft, was man sich sonst so vorstellen kann, Kleidung, Stoffe, Möbel, Haushaltsgegenstände und auch viele Souvenirs und Schmuck. Es hat großen Spaß gemacht, über den Markt zu laufen, ich war aber von der Lautstärke, der Musik, den Gerüchen und vor allem von den Autos und Motorrädern, die sich permanent durch die Menge quetschen, etwas überfordert.
Insgesamt ist Lomé eine Großstadt mit viel (für mich ziemlich undurchsichtigen) Verkehr. Sobald man die Innenstadt aber verlässt, gibt es immer weniger geteerte Straßen und kleinere einstöckige Häuser, von denen viele eine Art Laden haben, in dem Dinge des täglichen Bedarfs, wie Handykredit, Waschpulver, Milchpulver oder Nudeln verkaufen. Viele Frauen und Kinder verkaufen auch an der Straße Gemüse, Obst oder Essen, zum Beispiel frittierte Yams oder Kochbananenchips. Die Atmosphäre ist ziemlich lebendig und man sieht immer viele Kinder herumrennen. Es ist außerdem bis spät in die Nacht ziemlich laut und man hört oft Musik von irgendwoher. Auch morgens ist es oft schon früh laut, denn die meisten Togolesen sind Frühaufsteher. Um halb sechs hört man schon überall das Fegen der Reisigbesen.

Ein weiteres Highlight war dann der nächste Sonntag. Ich durfte sowohl im französischsprachigen als auch im Ewe- Gottesdienst mit der Querflöte (von einer Gitarre begleitet) zwei Kirchenlieder vorspielen, was sehr gut ankam. Da der Gottesdienst ein Dankgottesdienst an die Gemeinde für eine Beerdigung war, die am Freitag stattgefunden hatte, waren noch mehr Chöre anwesend und sehr viele Gottesdienstbesucher da. Bei der Bestattung handelte es sich nämlich um die Tochter eines ehemaligen togolesischen Präsidenten, dessen Frau darüber hinaus noch eine sehr bekannte spirituelle Persönlichkeit war, die sich intensiv für die Armen einsetzte. Nach dem Gottesdienst waren wir dann zur Feier im Haus der Familie eingeladen. Hier hab ich das erste Mal so richtig die Mentalität vieler Menschen in Togo kennengelernt. Obwohl es ja eine Feier anlässlich der Beerdigung war, waren alle weiß oder bunt angezogen, es gab Musik und Tanz und die Stimmung war relativ ausgelassen. Denn aufgrund des relativ hohen Alters der Verstorbenen freut man sich eher über ihr langes Leben und gedenkt ihrer guten Taten als heftig zu trauern. Wir wurden überaus freundlich empfangen und wie so oft hier hatte jeder ein freundliches Wort auf den Lippen und viel Interesse. Die Familie, bei der wir eingeladen waren, hat Verwandte überall in Europa, und so habe ich mich mit mehreren Enkeln der Verstorbenen angefreundet, die in Frankreich, England und Deutschland leben. An einem der nächsten Tage hat mich dann einer der Enkel zu seinem Geburtstag eingeladen, was echt cool war. Es war eigentlich wie ein Geburtstag in Deutschland, es wurde lecker gegessen, es gab Kuchen und es wurde Musik gehört. Die Stimmung war locker und es wurde getanzt. Im Unterschied zu den meisten Geburtstagen von Jugendlichen in meinem Alter hier gab es aber keinen Alkohol und es waren auch fast alle Verwandten dabei. Hier konnte ich ein paar nette Bekanntschaften schließen, mit denen ich mich bestimmt mal treffen kann, wenn ich mal wieder in Lomé bin.

So waren die zwei Wochen dann auch schon bald vorbei – insgesamt eine super Zeit und eine tolle Gelegenheit, auch mal das Leben in einer Gastfamilie in Togo auszuprobieren und erstmal richtig im Land anzukommen. Aber natürlich war ich dann auch ganz heiß darauf, endlich meine Einsatzstelle in Notsé kennenzulernen, zu der mich Emmanuel dann am Samstag, dem 14. September gebracht hat. Zu meiner ersten Zeit in Notsé und in meiner Einsatzstelle in der Schule dann mehr im nächsten Blogpost!

Vielen Dank fürs Lesen und auch sonst für Euer Interesse und Eure Anteilnahme! Ich freue mich über eure Kommentare und Fragen.

Liebe Grüße, eure Leonie