175-jähriges Jubiläum der EPCG

Meinen letzten Blogartikel habe ich vor gut 2 Monaten verfasst. Man kann sich denken, dass in diesem Zeitraum mal wieder einiges passiert ist, auch wenn mein Gehirn schon vorher mit lauter neuen Eindrücken übergesprudelt ist. Das zeigt sich vor allem dadurch, dass ich, wenn ich telefoniere, nur noch konfus Themen durcheinander schmeiße und mich in Einzelheiten verrenne. Deshalb versuche ich mich in meinen Blogartikeln auf ein Thema zu beschränken. 
Aus aktuellem Anlass ist es dieses Mal das 175-jährige Jubiläum der ghanaischen Evangelical Presbyterian Church, die mich seit meiner Ankunft in ihrer Hauptverwaltung und einer ihrer Gemeinden aufgenommen hat.

Die Kirche ist im 19. Jahrhundert durch die Evangelisations-Bemühungen der Norddeutschen Mission (NM), hier auch als Bremen Mission bekannt, entstanden. Als Gründungsdatum wird der 14. November 1847 angegeben. An diesem Tag erreichte der deutsche Missionar Lorenz Wolf nach mehrtägiger Reise, ausgehend vom Osu-Castle in Accra, das im damaligen Krepiland und in der heutigen Volta-Region gelegenen Peki. Damit folgte er einer Einladung des Sohns des in Peki ansässigen Chiefs und predigte an dem genannten Datum ein erstes Mal vor den Einwohnern des Dorfes. (Wenn mehr Interesse an der Kirchenhistorie besteht, kann ich gerne Auskunft geben, wo man sich weiter informieren kann)

Das Programm für die Festtags Veranstaltungen orientiert sich stark an der Kirchengeschichte, sodass wir an den jeweiligen Tagen auch die Stationen, die die ersten Missionare durchliefen, nachstellen. Hier ein grober Überblick der Events, die während meinem Aufenthalt in Ghana stattfanden:

30.10. Opera Kristo (Musical) in der National Theatre Hall 

09.11. Float (Festumzug von Osu-Castle in Accra bis nach Peki) mit anschließendem Gottesdienst

12.11. Grand Durbar in Peki (Zusammenkunft der Chiefs der umliegenden Dörfer mit kurzer Andacht, Musikeinlagen und Besuch vom Präsidenten)

14.11. Gedenkveranstaltung an den alten Missionsstationen und Candle-Light-Procession in Ho (Rundgang im nächtlichen Ho mit anschließendem Gebet an der Kirche)

16.-18.11. Crusade in der Bankoe Gemeinde in Ho (spirituell angelehnte Gottesdienste am Abend)

20.11. Thanksgiving Service (Danksagungs-Gottesdienst) beim Jubilee Park in Ho mit Besuch des ehemaligen (und zukünftigen) Präsidenten

Aus dieser Liste lässt sich also schließen, dass ich im letzten Monat schwer beschäftigt war und wahrscheinlich mehr Zeit bei kirchlichen Veranstaltungen verbracht habe als im Rest meines Lebens. Teilweise waren wir bis zu 22h auf Achse, deshalb war der fünfstündige Abschlussgottesdienst am 20. November die kleinste Hürde, die ich überwinden musste, um meinen mittlerweile geliebten Alltag zurückzuerhalten.

Opera Kristo

Der erste Ausflug, an dem ich teilnehmen durfte, ging zur National Theatre Hall in Accra, in der “Opera Kristo” von einer Gruppe aus Ho vorgeführt wurde. Dabei handelt es sich um ein Musical, das von der Ankunft der ersten Missionare im damaligen Krepiland erzählt. Die Lieder werden alle auf Ewe (der in der Volta-Region primär genutzten Sprache) gesungen, weshalb ich sehr dankbar für die kurzen Erklärungen der Frau meines Mentors und die englischen Zusammenfassungen zwischen den Theaterabschnitten bin.
Am Anfang stehen sich eine Gruppe Europäer und Bewohner der heutigen Volta Region gegenüber, deren Beziehung sich über das Stück hinweg von Misstrauen und Abweisung hin zu gegenseitiger Akzeptanz entwickelt. Deutlich wird dies besonders an der Kostümwahl und der Veränderung der Chorgesänge. Anfangs unterscheiden sich beide Gruppen stark. Die Missionare tragen schlichte Hemden, Röcke und Hosen, die Ewe Gewänder aus bedrucktem Stoff, Kente (fester, in Streifen gewebter Stoff mit Mustern) oder weite, knielange und durch einen Gürtel taillierte Kleider. Am Ende der Vorstellung tragen beide Gruppen Röcke bzw. Gewänder aus Kente oder bedrucktem Stoff und weiße Oberteile und reihen sich für einen Gottesdienst auf, indem der Missionarspastor den Chief (eine Art Bürgermeister oder Oberhaupt eines Distrikts) tauft und einen Blinden heilt.

Leider ist es mir durch die Schwierigkeiten mit der Sprache nicht möglich, alle Nuancen der Begegnung nachzuvollziehen, die Missionare werden meinem Empfinden nach aber sehr positiv dargestellt. Vor allem die Wunderheilung zu Ende des Stücks ist für mich eher befremdlich, weil sie den deutschen Pastor in eine typische “white savior”-Rolle bringt. Andererseits wird auch über die Unbeholfenheit und Schreckhaftigkeit der Weißen zu Beginn des Stücks gelacht, die Grausamkeiten der Kolonialisierung, die während und mit der Missionsarbeit vonstattengehen, werden aber nicht thematisiert.

Für mich wird es immer schwierig, wenn das Thema Mission aufkommt, da ich mich als nicht gläubige Person und aus den historischen Gründen von den Missionaren und den damaligen Praktiken und Ideologien distanzieren will. Durch meine Hautfarbe und meine Partnerorganisation, die Norddeutsche Mission, werde ich jedoch manchmal als Nachfolgerin der ersten Missionare gesehen. Wenn man Mission als alles sieht, was zur fortschreitenden Evangelisation der Umgebung beiträgt, mag das sogar stimmen, da die Kirche durch jeden Beitrag bei der Gemeindearbeit (in meinem Falle auch noch so klein) für Außenstehende attraktiver wird und ich vor Fremden durch meine Anwesenheit bei EP. Church Veranstaltungen und als Freiwillige als Teil der Gemeinde gesehen werde. Mir bereitet das Unbehagen, während ich gleichzeitig versuche nachzuvollziehen, dass die Kirchenmitglieder hier stolz auf ihren Kirchenursprung sind und meine Beziehung zu der Geschichte durch meinen Hintergrund deutlich unkomplizierter ist. Dazu trägt auch bei, dass die Kirche hier weiter in die Lebensrealität der Menschen eingreift, so gibt es zahlreiche Schulen, einige Universitäten und Gesundheitseinrichtungen, die die EP Church als Träger haben. Die anhaltende Bindung zur Norddeutschen Mission, die mit den Jahren zu einer gleichberechtigten Partnerschaft gewachsen ist, mag ebenfalls mit dem sehr positiven Image der Kirche und den Gründern zusammenhängen. Ich hoffe in Zukunft finde ich noch den Raum, intensivere Gespräche über solche Themen zu führen, weil mir durch den Stress rund ums Jubiläum bis jetzt der Raum dafür gefehlt hat.

Float

Nach diesem Trip nach Accra hatte ich nur neun Tage später schon wieder die Gelegenheit, in die Hauptstadt zu fahren. Dieses Mal in Begleitung einer weiteren deutschen Freiwilligen, Anna, die bei der Organisation Voice Ghana arbeitet. Dabei hält sich meine Vorfreude für den Festumzug von Osu Castle nach Peki am 9. November stark in Grenzen. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Abfahrtszeit für alle Teilnehmer aus Ho als 1:00 nachts festgelegt wurde, damit wir um 6:00 morgens pünktlich am Independence Square in Accra ankommen. Wegen der teilweise nicht asphaltierten Straßen, zahlreichen Schlaglöchern und der Fahrt in einem vollen Reisebus stelle ich mich also auf eine fast schlaflose Nacht ein. Mit dieser Vermutung behalte ich zwar Recht, trotzdem habe ich erstaunlich viel Spaß an dem Ausflug. 

Nachdem wir aus unserem Bus taumeln, werden wir wie 600 andere Anwesende mit einer Lunchtüte versorgt, die wir Eyrams (meine Chefin bei EPDRA) Organisationstalent zu verdanken haben. Erst fühle ich mich etwas verloren auf dem riesigen Independence Square, auf dem einzelne Menschen Grüppchen umherlaufen und Reisebusse auf ihren erneuten Einsatz warten. Anna und ich finden jedoch schnell Anschluss bei dem Buchhaltungsteam vom Headquarter rund um Juliet und Justice. Zusätzlich gesellt sich auch noch der ehemalige Süd-Nord-Freiwillige Harry Arden zu uns, mit dem wir uns direkt über unsere Freiwilligendienste austauschen. In dieser Gruppe marschieren wir umringt von Kirchenmitgliedern in Jubiläums T-Shirts und Musikgruppen, sowohl Blasorchester als auch Trommelgruppen, zum Osu-Castle, einer ehemaligen Sklavenburg, die in der Vergangenheit auch als Regierungssitz diente. Während der Großteil des Festumzugs vor den Toren von Christiansborg Halt macht, da der Zugang streng kontrolliert wird, dürfen Anna und ich der Zeremonie im Garten des Castles beiwohnen.
In Situationen wie diesen werden einem die eigenen Privilegien mal wieder besonders bewusst. Neben uns beobachten nämlich nur Pastoren und Kirchenmitglieder in Führungspersonen, wie der Moderator (Kirchenoberhaupt) eine Ansprache hält und sich mit dem Chief von Osu austauscht und um dessen Zustimmung für das Unternehmen bittet. Natürlich kennt deshalb auch jeder um uns herum die Kirchenlieder, die wir zum Abschluss singen, während wir uns bemühen, halbwegs seriös auszusehen. Um dem Anlass gerecht zu werden, filmt auch noch ein Team vom Fernsehen. Zum Schluss der Zeremonie wird eine Fackel angezündet, um die Reise von Lorenz Wolf symbolisch mit einem Fackellauf nachzustellen. Danach kehren wir zu der Hauptgruppe zurück, die etwa 500m vor dem Castle gewartet hat und die Zeit genutzt hat, um zu tanzen, zu feiern oder im Schatten etwas auszuruhen.

Die folgenden zehn Stunden verlaufen weniger abwechslungsreich. Wir, das heißt Gemeindemitglieder der E.P. Church aus Ho und Peki, machen insgesamt elf Zwischenstopps bei Gemeinden, die auf dem Weg nach Peki liegen. Dabei strömt jeder, der noch genug Energie hat, aus den Reisebussen und singt, betet und tanzt mit den Gemeindemitgliedern vor Ort, die schon am Straßenrand auf uns warten. Um dem Wort Festumzug gerecht zu werden, marschieren wir bei einigen Stopps eine ganze Weile, wieder in ausgelassener Stimmung und mit musikalischer Begleitung durch die Dörfer.
Zusammengerechnet mit der kleinen Stärkung zwischendurch brauchen wir noch länger als ursprünglich gedacht und treffen kurz nach Sonnenuntergang in der ersten von acht Ortschaften Pekis ein. Auf einem großen Feld nahe der Kirche wurde ein Lagerfeuer aufgeschichtet, das nach der Begrüßung der Kirchenleitung durch den örtlichen Chief feierlich mit der Fackel angezündet wird. Um zu zeigen, dass der durch die Missionare verkündete Glaube nicht nur in Peki Wurzeln geschlagen hat, werden Fackeln für alle 16 Presbytis (Organisationsebenen der Kirche, in die Ghana eingeteilt ist) und die Missionsstelle der EPCG in Pakistan entzündet. Nach einem Abschlussgebet brechen wir schließlich nach Ho auf, wo wir dann um 22:00 ankommen und ich endlich die Gelegenheit kriege, auszuschlafen.

Am Sonntag fahren wir jedoch wieder nach Peki, um dort dem Durbar (eine Versammlung von Chiefs) beizuwohnen. Diesmal ohne Annas Begleitung, dafür aber in der Gesellschaft meiner Mitbewohnerin Yayra und meinem Chorleiter MK. Die beiden sind hauptverantwortlich für den Verkauf von Artikeln mit dem Jubiläumsmotiv der EPCG, wozu auch ein grün gemusterter Stoff gehört. Aus diesem haben Yayra, Eyram und ich uns schon Kleider schneidern lassen, die beim Durbar ein erstes Mal zum Einsatz kommen.

Diesmal findet das Event auf einer größeren Wiese in Peki statt, auf der Stühle und Zelte in einer Hufeisenform aufgebaut sind. Da unser Stand mit Klamotten ganz am Ende der Formation liegt, ist die Tribüne mit den Ehrengästen in der Mitte des Hufeisens so weit entfernt, dass ich kaum etwas von den aufgeführten Tänzen und Musikstücken mitbekomme.
Das ändert sich schlagartig, als der Präsident Ghanas, Akufo Addo, sich bemerkbar macht. Ein Auftritt bei großen Kirchenevents ist in Ghana für Politiker Größen wohl nicht besonders unüblich, wie mir mein Mentor später erzählt. Der ganze Rummel um seine Ankunft mit dem Hubschrauber, einem riesigen SUV und mit Sturmgewehren bewaffneten Soldaten sorgt für Aufregung bei allen Beteiligten, auch bei mir. Ich schließe mich prompt den Kindern eines Arbeitskollegen an, um näher an die Bühne zu kommen. Das wäre gar nicht nötig gewesen, um den Präsidenten von Nahem zu sehen, da er einmal an allen Sitzreihen vorbeiläuft, um die Anwesenden zu begrüßen. Aber ich bekomme die Möglichkeit, während seiner Rede Fotos zu schießen und die Reaktionen der Gäste zu beobachten.
Trotz des religiösen Hintergrunds des Fests scheint der Gedanke vom Wahlkampf stark in Addos Rede durch: Er spendet 50.000 GHC (ca. 3.500€), lobt die Errungenschaften der EPCG und bittet um Unterstützung und Vertrauen in die Regierung. Bei einer fortlaufenden Wirtschaftskrise mit einer landesweiten Inflation von ca. 40% ein denkbar hoffnungsloses Unterfangen, vor allem weil ein Großteil der Ewe (ethnische Gruppe die hauptsächlich in der Volta Region lebt) die Oppositionspartei unterstützt. Der Applaus fällt demnach mäßiger aus, als man es bei einem Staatsoberhaupt erwarten könnte. 

Nach der Rede übernehmen gleich die üblichen Verdächtigen: Der Moderator hält eine kurze Andacht, gefolgt vom Pastor zuständig für Ökumene und dem Chef der Buchhaltungsabteilung mit Abschluss. Für etwas Abwechslung sorgt ein schätzungsweise 9-jähriges Mädchen, das mit einer unglaublichen Souveränität ihre Rede vorträgt. Leider vollständig auf Ewe, aber Betonung und Körpersprache allein machen das Beobachten für mich interessant.
Musikalisch wird sie von einer Gruppe mit weiteren Kindern unterstützt, die eine Tanzchoreografie vorführen. Außerdem singt ein extra aus Togo eingereister Kirchenchor.
Nachdem die eben erwähnten Programmpunkte abgehakt sind, ziehen sich alle Beteiligten rasch zurück und auch meine “Reisegruppe” macht sich auf den Weg nach Hause.

Events vom 14.11. bis zum 18.11.

Nach dieser Veranstaltung brauchte ich erstmal eine Pause. Das bedeutete, dass ich unglaubliche 6 Tage keine Kirchenfeier besuchte. Gelegenheit dazu gab es aber reichlich.
Direkt am nächsten Tag gab es eine Prozession durch Ho, dessen Atmosphäre zumindest über den Facebook Livestream sehr besinnlich wirkte. (Bei Interesse: über die Facebook Seite DELA TV lassen sich alle Gottesdienste in meiner Stammkirche live mitverfolgen. Wenn man mich in der Menge suchen will, empfehle ich den ersten Sonntagsgottesdienst.)

Am Montag ging es mit dem Niederlegen von Kränzen an Missionars Gräbern weiter, dieses Ereignis wurde meiner Beobachtung nach aber wenig besucht und kaum öffentlich geteilt. Im krassen Kontrast dazu stehen die drei Gottesdienste in der Gemeinde Bankoe in Ho am Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Sie gehörten alle zur “Crusade” und wurden von vielen Pastoren gleichzeitig geleitet, unter anderem von meinem Mentor und den Leitern der Frauen-, Männer- und Buchhaltungsabteilung. Auch hier war ich wieder nur durch Facebook zugeschaltet. In diesem Falle zog ich es aber vor, etwas Distanz zu haben. Als nicht-gläubige Person habe ich zwar kein Problem damit, Gottesdiensten beiwohnen, will mich aber auch im kirchlichen Kontext nicht immer verstellen. Während ich den normalen Gottesdienst am Sonntag meistens genieße, wäre es mir schwergefallen, mich in einen pfingstlich geprägten Gottesdienst einzufinden. Bei solchen Anlässen ist das ‘speaking in tongues’ üblich, bei dem Kirchenbesucher darauf abzielen, vom heiligen Geist erfüllt zu werden und oft anfangen, unverständlich zu reden oder zusammenbrechen. Inspiriert wurde diese Art der Gottesbegegnung von der Pfingstgeschichte, in der EP Church weicht die Praktik jedoch von der ursprünglichen Bibelauslegung durch die Kirche ab und ist erst seit einigen Jahren üblich.

Thanksgiving Service

Die letzte Station der Jubiläumsfeier war der Danksagung Gottesdienst am 20. November, der unter freiem Himmel auf einem Festplatz in Ho stattfand. Zu diesem Anlass sind sowohl der ehemalige Präsident John Mahama (im Amt von 2012 bis 2016) als auch internationale Gäste angereist, darunter der Moderator der EP Church in Pakistan, die Vize-Präses und die Generalsekretärin der NM, die Kirchenleitung der togoischen Schwesterkirche EEPT und ein kenianischer Pastor. 

Da wir uns seit Wochen auf diesen Gottesdienst hingearbeitet haben und ich auch noch eine Bibelstelle vorlesen sollte (zwar auf Deutsch, aber immerhin vor über tausend Menschen), war ich die Tage vorher ziemlich aufgeregt. Letztlich völlig umsonst, da ich am Sonntag der Feier bei angesetztem Gottesdienstbeginn noch zuhause bin und mich in mein Jubiläumskleid zwänge. Yayra und ich gehen es mal wieder entspannt an, sind aber immer noch pünktlich genug. Sie verkauft mal wieder die übrig gebliebenen Souvenirs und ich mache mich auf die Suche nach einem Sitzplatz. Während die Generalsekretärin der NM, Heike Jakubeit, die gleichzeitig auch meine Koordinatorin ist, mit den anderen internationalen Gästen und der Kirchenleitung auf der Ehrentribüne eingeplant ist, schummle ich mich unter die Pastoren zu deren linken.  

Auch dieser Gottesdienst weicht stark von den normalen Gottesdiensten am Sonntag ab, in denen es immer eine feste Struktur und einen straffen Zeitplan gibt.

Es fängt zwar wie gewohnt mit dem Einzug des Chors an, danach verliere ich jedoch schnell den Überblick. Das Programm sieht vor, dass der erste Teil des Vormittags gottesdienstähnlich gestaltet werden soll, danach werden alle Sponsoren vorgestellt, Spendenaufrufe getätigt und der ehemalige Präsident soll seine Rede halten.

Da Mahama aber schon während der ersten 30min des ersten Teils aufkreuzt, werden die Chorgesänge nach dem Eröffnungsgebet je unterbrochen. Es dauert eine Weile, bis sich der Trubel legt und der Ex-Präsident seine Begrüßungsrunde gedreht hat. (Wobei der Applaus deutlich lauter ausfällt als bei Addo eine Woche zuvor)

Schließlich fahren wir fort und kommen schnell zu den Lesungen der Bibelstelle. Schon bei der Auflistung der Leser_innen gibt es viel Applaus als nur erwähnt wird, dass auf Deutsch vorgetragen wird.
Nachdem ich meinen Beitrag geleistet habe, kann ich mich entspannt zurücklehnen und bin dankbar für die Gesellschaft von Dr. Günther Rusch und seiner Frau Christie. Günther ist in Ho für die Renovierung des alten Missionshauses zuständig, versorgt mich bei diesem Anlass jedoch auch gerne mit Crackern und kritischen Kommentaren.
Weiter geht es mit der Predigt des Moderators, in der er ein neues Konferenzzentrum ankündigt, das im Laufe des nächsten Jahres fertiggestellt werden soll und für das Kollekte gesammelt werden soll. Das wird dann auch prompt umgesetzt, wobei das Spendensammeln wieder nach Wochentagen geht und für mich unangenehm öffentlich und lange dauert.

Es folgt die Rede von Mahama, der direkt zum Wahlkampf übergeht, indem er seine Nähe zu der EPCG betont und die derzeit schlechte wirtschaftliche Lage anspricht. Dabei fällt mal wieder der Satz „Money doesn’t like noise“, der mir mittlerweile nur allzu bekannt ist und von Ghanaern zum running gag gemacht wurde. Der Präsident äußerte ihn in einer Fernsehansprache zur wirtschaftlichen Lage der Nation auf französisch- was von vielen Ghanaern als Verhöhnung der Bürger verstanden wurde, die versuchen mit der hohen Inflation zu leben und ihre Unzufriedenheit zurecht äußern sollen dürfen.
Zum Abschluss betete der Moderator für den Wahlsieg Mahamas bei den nächsten Wahlen 2024 und betitelte ihn dabei bereits als zukünftigen Präsidenten.
Nach diesem Programmpunkt ziehe ich es vor, mich von meinen Sitznachbaren zu verabschieden und zu Yayra auf die Tribüne zu fliehen, wo sie ihre Fanartikel verkauft. Von Günther erfahre ich später, dass ich nur wenig verpasst habe, deshalb bin ich froh den Rest des (Vor-)Mittags mit Rumalbern und Fotos schießen zu verbringen. Nur die Durchsage, dass der Montag beim Spendensammeln gut abgeschnitten hat, dringt noch zu mir durch, was MK und mich als Monday-born natürlich sehr freut.

Der Gottesdienst endet dann relativ plötzlich, es gibt ein Abschlussgebet auf das jeder nach Hause zu strömen scheint. Dadurch gelingt es mir leider nicht, mit einigen Leuten näher in Kontakt zu kommen, die ich vorher nur flüchtig begrüßt habe. Auch Heike und die anderen Ehrengäste verschwinden schnell von der Bildfläche, sodass ich letztlich auf einem fast leeren Platz mit Yayra darauf warte, dass mein Mentor Dela uns abholt.

Damit enden die Feierlichkeiten für mich relativ unspektakulär, obwohl es durch Heikes Besuch in den folgenden Tagen noch jede Menge interessante Gespräche und viel Neues für mich gab. Der Blogartikel ist aber auch so schon zu lang, wobei es sich bei meinen Berichten mal wieder nur um kurze Zusammenfassungen handelt und ich manchmal wünschte, mehr Raum für tiefgehendere Schilderungen zu haben. (Wenn das gewünscht ist, darf man mich aber gerne über einen Anruf bei Whatsapp ausquetschen)
Insgesamt bin ich sehr froh, dass die Feierlichkeiten nun vorüber sind, da sie für mich mit sehr viel Stress und Schlaflosigkeit verbunden sind. Gleichzeitig bin ich aber auch sehr dankbar, durch die vielen Aktivitäten so viel von Accra und der Volta-Region gesehen zu haben und nebenbei tiefere Einblicke in die Kirchengeschichte, die Politik und die Bedeutung von Führungspersonen wie Chiefs zu erhalten.

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