Arbeit

Hallo Naa!

Es tut mir sehr leid, dass es schon ein bisschen her ist, dass ich Dir geschrieben habe. Ich hoffe, dass Du mir meine Unbeständigkeit verzeihen kannst.

Wie geht es dir und wie läuft es mit Deinem Unterricht? Als wir das letzte Mal miteinander sprachen, hattest Du Dich über die Verkehrssituation beschwert und darüber, dass Dich das noch müder macht, als der Unterricht selbst. Also, ich verstehe Dich sehr gut. Als ich in Ghana gearbeitet habe, war es genauso. Obwohl mein Büro nur 20 Minuten von zu Hause entfernt war, brauchte ich 40 Minuten, um dorthin zu gelangen. Auch mein Bruder Dela steht vor der gleichen Herausforderung, früh zur Arbeit zu gehen.

Nun, ich liebe meine Arbeit als Freiwillige hier, aber es ist nicht nur Sonnenschein. Nichts ist nur Sonnenschein. Aber ich liebe diese Arbeit, weil sie nicht eintönig ist. Montags und dienstags verbringe ich meine Zeit in der Geschäftsstelle der Norddeutschen Mission. Bevor du überhaupt fragst: Dabei geht es nicht darum, dass ich evangelisiere. Es geht darum, bei der Verwaltungsarbeit und anderen Aufgaben rund um das Haus zu helfen. Manchmal langweilig, manchmal arbeitsreich, manchmal interessant. Den Dienstagnachmittag verbringe ich mit den Jugendlichen der Horner Kirche. Wir sitzen einfach zusammen, plaudern oder kochen. Ich habe den Eindruck, dass dies ein sicherer Ort für die jungen Leute ist. In der letzten Woche habe ich zweien von ihnen das Oware-Spiel1 beigebracht.

Mittwochs gibt es das “Café Mittwoch“, das gut mit „Wednesdays Cafes“ übersetzt werden könnte. Die Horner Kirche und einige andere Partner bieten ein Frühstück für die weniger Privilegierten der Gesellschaft an. Wie der Name schon sagt, geschieht dies jeden Mittwoch. Das Team besteht aus den reizendsten Menschen, die ich je getroffen habe. Was mir daran besonders gefällt, ist die Zeit, die wir uns für das Decken des Tisches für unsere Gäste nehmen und das Essen. Wenn ich das mit den meisten Leuten vergleiche, die ich kenne, und die dasselbe tun, ist das hier schon etwas Besonderes. Woanders nimmt sich niemand die Zeit, den Tisch zu decken und das Essen schön anzurichten. Es wird normalerweise vorverpackt und verteilt.

Meine Donnerstage und Freitage verbringe ich sehr sinnvoll in einem Kindergarten. Ich liebe die Kinder, aber manchmal sind sie ein bisschen anstrengend, wenn sie schreien, und ich kann nicht zurückschreien. Ich liebe das Kindergartensystem hier. Die Kinder lernen eine Menge durch das Spielen. Es gibt nicht einmal eine Tafel. Jeden Morgen nach dem Frühstück sitzen die Kinder im Kreis, sprechen über die Aktivitäten des Tages und zählen auf, wer anwesend ist und wer nicht. Ich denke, diese Aktivität hilft ihnen, zählen zu lernen und selbstbewusst zu sein. Sie spielen viel – das Leben ist so schön in einer solchen Phase. Da sie kein Englisch verstehen, bin ich gezwungen, mit ihnen Deutsch zu sprechen, was mir hilft, mich in sprachlicher Hinsicht zu verbessern. Einige der Kinder sind so versessen darauf, dass sie mir auch neue Wörter beibringen. Wir nehmen alle unser eigenes Frühstück mit in den Kindergarten. Das ist in Ordnung, aber das Mittagessen kann manchmal eine Herausforderung sein, weil es kein Salz oder Pfeffer gibt. Was mich erstaunt, ist, dass Kinder in diesem Alter immer vergessen, was sie eigentlich tun sollten, wie Hände waschen, den Teller abräumen usw. Man muss sie immer daran erinnern, aber eines vergessen sie nie, dass der Nachtisch am Freitag Eiscreme ist. Der Eiscreme-Faktor steckt in ihrem Kopf fest wie eine vertraute Melodie.

Den Betreuerinnen im Kindergarten gilt meine große Bewunderung. Die Liebe, Geduld und Fürsorge, die sie für die Kinder haben, ist erstaunlich. Sie setzen sich durch, aber auf liebevolle Weise. Es klingt alles rosig, aber die Kindergartentage sind die anstrengendsten. Als ich das erste Mal dorthin ging, kam ich mit Kopfschmerzen zurück. Ich bekomme sie manchmal immer noch, nachdem ich dort gearbeitet habe. Eigentlich spiele ich ja nur mit ihnen, aber ich glaube, die Anspannung, immer wachsam zu sein, um sicherzustellen, dass es jedem Kind gut geht, macht es ebenso ermüdend wie der ständige Lärm, das Murmeln, Singen, Schreien und Weinen. Auch wenn ich müde nach Hause komme, ist es immer eine Freude, sie beim nächsten Mal wieder zu sehen. Manchmal bin ich so in die Spiele vertieft, dass ich merke, dass ich tatsächlich Spaß habe und nicht nur nebenbei spiele.

Manchmal arbeite ich an den Wochenenden, aber das kommt nicht so häufig vor. An den Wochenenden hole ich ein Stück Familienleben nach sowie meine Serien, mache Sport und koche. Es ist eine wunderbare Zeit, die ich mit meinen Freunden im Ökumenischen Wohnheim verbringe.

So viel zu meiner Arbeit als Freiwillige hier. Ich hoffe, bald von Dir zu hören.

Lexikon

1.            Oware- Ein Brettspiel, das 48 große Samenkörner benötigt. Ein typisches Oware-Brett hat zwei gerade Reihen von sechs Vertiefungen, die „Häuser“ genannt werden, und optional ein großes „Punkte“-Haus an jedem Ende. Jeder Spieler kontrolliert die sechs „Häuser“ auf seiner Seite des Bretts und das „Punktehaus“ an seinem Ende. Das Spiel beginnt mit vier Samen in jedem der zwölf kleineren „Häuser“.

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