Moin,
Ich bin Bele Hesse und komme aus einem kleinen Dorf im Landkreis Verden, in der Nähe von Bremen. Jetzt wohne ich schon einen Monat in Ho, der Hauptstadt der Volta-Region in Ghana. Dadurch, dass ich schon immer gerne reisen wollte und in anderen Ländern leben wollte, war es für mich schon seit einigen Jahren ein Traum, nach der Schule ins Ausland zu gehen.
Durch meine Cousinen, die beide nach ihrem Abitur ein paar Monate in Ghana bzw. Kenya und Uganda verbracht haben und meiner Tante, die regelmäßig in afrikanische Länder/Inseln (Tansania, Kapverden,…) reist, habe ich dann das Interesse an afrikanischen Ländern bekommen. Und vielleicht wollte ich auch, in meiner Naivität, den Menschen vor Ort helfen. Dann aber bin ich auf ein YouTube-Video (https://www.youtube.com/watch?v=JIiaV-g-op0&t=657s) eines US-Amerikaners gestolpert, der von seinen Reisen nach „Afrika“ (ich weiß ehrlicherweise nicht mehr, in welchen Ländern er unterwegs war) berichtet hat, wo er immer für ein paar Wochen war und typische Entwicklungshilfe geleistet hat: Brunnenbauen und so weiter. Er hat erzählt, wie wenig das eigentlich den Menschen vor Ort helfe bzw. sogar schade und dass diese Entwicklungshilfe einfach nur eine Art des Tourismus (das Fachwort ist „Voluntourismus“ glaube ich) für Weltverbesserer sei. Ich war irgendwie schockiert und auch ein wenig peinlich berührt, weil ich ja selbst irgendwann mal sowas machen wollte. Ich dachte also, na toll. Dann wohl doch keine Reise in ein unbekanntes Land nach meinem Abitur.
Dann bin ich aber, durch die Berufsorientierung in der 11. Klasse, auf weltwärts gestoßen. Ich war auch hier skeptisch, und bin es immer noch, ob ich damit nicht vielleicht auch irgendwie „Schaden“ anrichten kann. Aber es hat sich irgendwie zumindest ein wenig besser angehört. Der Fokus liege viel eher auf der eigentlichen persönlichen Entwicklung, da man als einziger Mensch, gerade fertig mit dem Abi, sowieso nichts erreichen könne. Es gehe um kulturellen Austausch und nicht auf Entwicklungshilfe. Zwar gabs im Internet trotzdem auch viele negative Kritiken, aber irgendwie hat mich das dann doch alles so interessiert, dass ich mich dann nach Organisationen umgeguckt habe und dann durch Zufall bei der VEM beworben habe. Darauf folgte das Kennenlernwochenende, dem letzten Bewerbungsschritt. Das war für mich irgendwie ein richtiger Mindblow. Es waren ehemalige Freiwillige da, die von ihren Erfahrungen berichtet haben. Wir haben Einheiten zur berechtigten Kritik an Freiwilligendiensten gemacht und unsere Rolle als Freiwillige hinterfragt. Es gab auch erste rassismuskritische Einheiten. Da ich in der Schule nie etwas zu Rassismus an schwarzen Menschen (in Deutschland) oder dem Kolonialismus behandelt habe, war das für mich alles sehr neu. Aber ich glaube, es hat mich schon sensibilisiert und ich hatte schon einen anderen Blickwinkel auf die Dinge.
Und da wusste ich, dass für mich ein Freiwilligendienst mit der VEM (oder NM) gut funktionieren würde und habe mich auf die Stelle in Ho (Ghana) beworben, die mir dann ein paar Tage später zugesagt wurde. Man darf natürlich nicht die Kritik außer Acht lassen (die haben wir dann auch nochmal im Ausreiseseminar behandelt und da fand ich das auch krass, dass alle Ehemaligen der Meinung waren, dass der Freiwilligendienst rassistische Strukturen verstärken kann und das auch tut), aber ich glaubte und glaube noch immer, dass es mir persönlich sehr viel bringen wird und ich dieses neue Wissen nach meiner Zeit in Ghana vielleicht auch mit nach Hause nehmen kann und da teilen kann.
Und tatsächlich ist es sogar schon vor meiner Zeit in Ghana passiert: In meiner Familie und meinem Freundeskreis haben wir seit den Seminaren viel mehr über political correctness in Bezug auf Rassismus diskutiert (was nicht immer einfach ist). Jetzt hoffe ich, dass ich durch meine Zeit hier in Ghana viele Eindrücke sammeln kann und diese mit meinen Freunden und Familie zuhause teilen kann.
Hier in meinem Blog möchte ich vor allem längere Texte schreiben, wer aber eher visuelle Eindrücke (wow das hört sich schlau an haha) haben möchte, kann mich gerne auf Instagram (@bele.in.ho) anfragen.
Außerdem möchte ich nochmal darauf hinweisen – die Eindrücke, die ich hier teile, spiegeln meine persönliche Wahrnehmung wider. Meine Sichtweise repräsentiert nicht ganz Ghana und definitiv nicht ganz Afrika. Afrika ist ein unglaublich vielfältiger Kontinent mit zahlreichen Ländern, Kulturen und Perspektiven.
Ich bin offen für konstruktive Kritik in Bezug auf meine Berichterstattung. Also wenn ihr etwas seht/bemerkt, was man vielleicht etwas sensibler/anders gestalten sollte, dann immer her damit!
Das wars jetzt erstmal mit meinem ersten Blogeintrag, vielen Dank fürs Lesen:))